Militär

Trotz Streit zwischen Trump und Merz: US-Oberst rückt ins deutsche Heereskommando auf

Ein US-Stabsoffizier übernimmt eine hohe Funktion im deutschen Heer. Die engere Zusammenarbeit kommt trotz wachsender Spannungen zwischen Friedrich Merz und Donald Trump zustande.

Bundeswehrsoldaten bei einer Nato-Übung mit der US-Air-Force: Ab Oktober übernimmt ein US-Oberst eine Schlüsselrolle im deutschen Heereskommando.
Bundeswehrsoldaten bei einer Nato-Übung mit der US-Air-Force: Ab Oktober übernimmt ein US-Oberst eine Schlüsselrolle im deutschen Heereskommando.Thomas Fuhrmann/imago

Deutschland und die USA vertiefen ihre militärische Zusammenarbeit deutlich: Ab Oktober soll ein Oberst der US-Armee als stellvertretender Leiter der Operationsabteilung im Kommando des deutschen Heeres eingesetzt werden. Das berichtet das Nachrichtenportal Politico unter Berufung auf das Heer und das US-Verteidigungsministerium.

Die Operationsabteilung gilt als zentrale Schaltstelle der deutschen Landstreitkräfte. Dort werden Einsätze geplant, operative Entscheidungen vorbereitet und militärische Abläufe koordiniert. Damit wird erstmals ein hochrangiger amerikanischer Offizier auf hoher Ebene in die Kommandostruktur des deutschen Heeres eingebunden.

Ein Sprecher des Heeres erklärte gegenüber Politico, Ziel sei es, „die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und die gemeinsame Einsatzfähigkeit innerhalb der Nato zu optimieren“. Austauschprogramme mit ausländischen Offizieren hätten in der Bundeswehr zwar Tradition. Eine derart enge Einbindung in zentrale Führungsstrukturen sei jedoch ungewöhnlich. Die Entscheidung für die Besetzung sei bereits vor mehreren Jahren getroffen worden.

Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, sprach von einem Zeichen besonderen Vertrauens. „Die Integration eines hochrangigen amerikanischen Offiziers in unsere Operationsabteilung ist auch Ausdruck unseres gegenseitigen, tiefen Vertrauens“, sagte er Politico. Auch die US-Seite hob die strategische Bedeutung hervor. Es gebe eine Vereinbarung, Offiziere nur „sehr selektiv“ auszutauschen, erklärte US-Armeesprecherin Vonnie Wright dem Bericht zufolge. Der Oberst werde sich im deutschen Hauptquartier vor allem mit der Verbesserung der Zusammenarbeit beider Streitkräfte im Nato-Rahmen beschäftigen.

Militärisch enger, politisch distanzierter

Die engere militärische Verzahnung kommt zu einem Zeitpunkt wachsender politischer Spannungen zwischen Berlin und Washington. Hintergrund ist vor allem der Konflikt mit dem Iran. US-Präsident Donald Trump griff Bundeskanzler Friedrich Merz zuletzt ungewöhnlich scharf persönlich an. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump über den Kanzler: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht.“ Es sei kein Wunder, „dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht“.

Merz hatte den USA zuvor vorgeworfen, sich von der iranischen Führung „demütigen“ zu lassen. Die Amerikaner hätten im Konflikt keine überzeugende Strategie, sagte der Kanzler. Zudem äußerte die Bundesregierung intern zunehmend Frust darüber, dass Deutschland in wichtige Entscheidungen Washingtons offenbar nicht eingebunden gewesen sei.

Noch vor wenigen Wochen hatte das Verhältnis deutlich besser gewirkt. Bei Besuchen im Weißen Haus bezeichnete Trump den CDU-Politiker als „ausgezeichneten Anführer“, „respektierten Mann“ und versprach eine „großartige Beziehung“ zu Deutschland. Im Zuge des Iran-Kriegs kühlte das Verhältnis jedoch spürbar ab.

Gleichzeitig wächst in Europa die Sorge, die USA könnten ihre Militärpräsenz auf dem Kontinent reduzieren. Trump stellt den Nutzen der Nato seit Jahren infrage. Das Pentagon veröffentlichte erstmals seit Jahrzehnten zudem keine angekündigte Überprüfung seiner weltweiten Truppenstationierungen.

Die Unsicherheit zwingt europäische Staaten dazu, mehr Verantwortung für ihre Verteidigung zu übernehmen. In der US-Verteidigungsstrategie für 2026 heißt es, Verbündete müssten künftig stärker selbst gegen Bedrohungen vorgehen, die Europa direkter beträfen als die Vereinigten Staaten.

Der frühere Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums Nico Lange sieht die neue Personalie deshalb auch als Teil einer größeren Neuordnung. Die Bundeswehr müsse künftig Fähigkeiten übernehmen, die bislang stark von den USA abhängig gewesen seien, sagte er Politico. „Es ist besser, diesen Übergang gemeinsam und im Geist der Partnerschaft zu gestalten.“

Niederländisches Modell als Vorbild

Die Bundeswehr arbeitet bereits seit Jahren eng mit verbündeten Streitkräften zusammen. Besonders weit fortgeschritten ist die Kooperation mit den Niederlanden. Mehrere niederländische Brigaden sind inzwischen vollständig in deutsche Divisionen integriert. Auch auf Führungsebene arbeiten beide Armeen eng zusammen.

Solche Modelle gelten innerhalb der Nato zunehmend als Vorbild für eine europäische Verteidigungsstruktur, die enger verzahnt ist und gleichzeitig stärker eigenständig handeln kann – auch für den Fall, dass sich die Rolle der USA in Europa künftig verändert.