Tumen-Brücke

Bauprojekt: Russland und Nordkorea wollen die Autobrücke über den Tumen bald eröffnen

Moskau und Pjöngjang vertiefen ihre Zusammenarbeit. Durch die Verbindung der Brückenhälften wird die neue Straßenverbindung über den Grenzfluss Tumen Realität.

Blick auf die Eisenbahnbrücke über den Tumen im Grenzgebiet von China, Russland und Nordkorea
Blick auf die Eisenbahnbrücke über den Tumen im Grenzgebiet von China, Russland und NordkoreaYuri Smityuk/imago

Nordkorea und Russland wollen die neue Straßenbrücke über den Grenzfluss Tumen möglichst bald in Betrieb nehmen. Dies berichtete die nordkoreanische Staatsagentur KCNA am Donnerstag, ohne jedoch ein konkretes Datum für die Eröffnung zu nennen. Laut Reuters teilte die russische Botschaft in Pjöngjang auf Telegram mit, dass die Brücke am 19. Juni fertiggestellt sein soll.

Verbindungsakt feierlich begangen

Am Dienstag hatten beide Länder bereits eine Zeremonie zum Zusammenschluss der beiden Brückenhälften abgehalten. Das berichtete die südkoreanische Agentur Yonhap unter Verweis auf die russische Botschaft in Nordkorea. An dem Akt nahmen demnach virtuell der russische Verkehrsminister Andrej Sergejewitsch Nikitin und der Minister für natürliche Ressourcen und Umwelt Alexander Koslow teil, der auf russischer Seite den bilateralen Wirtschaftsausschuss leitet. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete das Bauwerk laut Yonhap als Symbol für den Ausbau der regionalen Zusammenarbeit.

Die 850 Meter lange Brücke soll das russische Straßennetz mit Nordkorea verbinden. Sie wird in der Nähe der bestehenden Eisenbahnbrücke „Freundschaft“ aus dem Jahr 1959 errichtet. Der Bau wurde bei einem Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Pjöngjang im Jahr 2024 vereinbart, wie Reuters berichtete. Laut dem Gouverneur der russischen Region Primorje, Oleg Koschemako, soll die Brücke täglich bis zu 300 Fahrzeuge abfertigen können und die Strecke zwischen Wladiwostok und der Grenzstadt Rason um 320 Kilometer verkürzen.

Mehr Züge, Grenzübergang ausgebaut

Das auf Nordkorea spezialisierte Portal NK News berichtete unter Berufung auf das russische Verkehrsministerium, der Grenzübergang im russischen Chassan solle für 300 Fahrzeuge und mehr als 2000 Personen pro Tag ausgelegt werden. Bei Gesprächen am Rande eines Logistikforums in St. Petersburg sprachen der nordkoreanische Verkehrsminister Jo Jong Ryong und sein russischer Amtskollege Nikitin laut NK News auch über eine Ausweitung der Zugverbindungen. Demnach sind für 2026 sechs Personenzugfahrten zwischen Wladiwostok und der nordkoreanischen Stadt Rajin geplant; im Vorjahr waren es vier.

Parallel besuchten in dieser Woche mehrere russische Delegationen Nordkorea. Innenminister Wladimir Kolokolzew traf laut Reuters den Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses der Obersten Volksversammlung, Jo Yong Won. Gesundheitsminister Michail Muraschko nahm am Dienstag in Wonsan an einer Zeremonie zum Bau eines Krankenhauses teil, wie KCNA laut Reuters meldete.

Auch China baut Verbindungen aus

Russland und Nordkorea hatten 2024 bei Putins Besuch in Pjöngjang einen „umfassenden strategischen Partnerschaftsvertrag“ unterzeichnet, der eine Beistandsklausel enthält. Danach entsandte Nordkorea laut Reuters Tausende Soldaten zur Unterstützung russischer Truppen in der westrussischen Region Kursk.

Laut Schätzungen der südkoreanischen Zentralbank, die Reuters im August 2025 veröffentlichte, wuchs Nordkoreas Wirtschaft 2024 um 3,7 Prozent. Haupttreiber des Wachstums waren laut der Bank of Korea die Ausweitung der wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit mit Russland sowie staatliche Großprojekte im Inland.

Auch China entwickelt seine grenzüberschreitenden Verbindungen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, traf am 30. März eine Maschine von Air China aus Peking in Pjöngjang ein und nahm den Linienflugbetrieb zwischen beiden Hauptstädten wieder auf. Bereits am 12. März bestätigte das chinesische Außenministerium die Wiederaufnahme des Personenzugverkehrs nach sechsjähriger Pause.