Geopolitik

Nordkoreas Kim Jong-un unterstützt Chinas Kurs zu „multipolarer Welt“

Nordkoreas Machthaber unterstützt Chinas Anspruch auf Taiwan und spricht von einer „multipolaren Welt“. Die Annäherung verändert das Kräfteverhältnis in Asien.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un (rechts) trifft in Pjöngjang Chinas Außenminister Wang Yi.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un (rechts) trifft in Pjöngjang Chinas Außenminister Wang Yi.KCNA/KNS/dpa

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat China im geopolitischen Machtkampf mit den USA demonstrativ den Rücken gestärkt. Bei einem Treffen mit Chinas Außenminister Wang Yi erklärte Kim laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA, sein Land unterstütze vollständig das „Ein-China-Prinzip“. Damit stellt sich Pjöngjang klar hinter Pekings Anspruch auf Taiwan, das die chinesische Führung als Teil ihres Staatsgebiets betrachtet.

Zugleich sprach Kim von der Notwendigkeit einer „multipolaren Welt“ – ein Begriff, den China und Russland nutzen, um eine Weltordnung ohne dominierende Rolle der USA zu beschreiben, wie Politico berichtet.

Annäherung in einem veränderten geopolitischen Umfeld

Kim habe betont, dass sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern „in der aktuellen internationalen Lage weiter vertiefen“ müssten, berichtete KCNA. Chinas Außenminister Wang Yi sprach während seines Besuchs in Pjöngjang von einer „neuen Phase“ der bilateralen Beziehungen. Hintergrund ist ein Gipfeltreffen zwischen Kim und Chinas Staatschef Xi Jinping im vergangenen Jahr.

Der Besuch ist der erste eines chinesischen Außenministers in Nordkorea seit sieben Jahren – ein Zeichen dafür, dass beide Seiten ihre Zusammenarbeit wieder intensivieren.

Nordkorea sucht gezielt neue Bündnisse

Die Annäherung an China ist Teil einer breiteren Strategie Kims. Er versucht seit Jahren, die internationale Isolation seines Landes aufzubrechen und neue Partner zu gewinnen – vor allem unter Staaten, die in Konflikt mit Washington stehen.

Russland spielt dabei eine zentrale Rolle: Pjöngjang hat Moskau mit Waffenlieferungen und tausenden Soldaten im Krieg gegen die Ukraine unterstützt, wie südkoreanische und westliche Geheimdienste berichten. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nur eingeschränkt.

Parallel baut Nordkorea auch die Beziehungen zu China wieder aus. Ende März wurden erstmals seit Jahren wieder direkte Flugverbindungen zwischen Peking und Pjöngjang aufgenommen, zudem verkehren wieder Züge zwischen beiden Ländern. Die chinesische Seite sprach von einem „Meilenstein“ der Zusammenarbeit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Signal vor Treffen zwischen Trump und Xi

Wang Yis Reise fällt in eine politisch sensible Phase. US-Präsident Donald Trump will im Mai zu einem Gipfel mit Xi Jinping nach Peking reisen. In Südkorea hoffen einige Regierungsvertreter, dass das Treffen neue diplomatische Spielräume im Umgang mit Nordkorea eröffnen könnte. Kim hat den Dialog mit den USA seit dem Scheitern der Verhandlungen mit Trump im Jahr 2019 weitgehend ausgesetzt – trotz wiederholter persönlicher Annäherung beider Seiten.

Nordkorea bezeichnete Südkorea zwar als „feindlichsten Staat“ und forderte von den USA, die Bedingung einer Denuklearisierung für neue Gespräche fallen zu lassen. Gleichzeitig gibt es zuletzt vorsichtige Signale der Annäherung zwischen den beiden koreanischen Staaten. Nach Drohnenflügen in den nordkoreanischen Luftraum hatte Südkoreas Präsident Lee Jae-myung Bedauern geäußert, worauf Pjöngjang ungewöhnlich versöhnlich reagierte, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Teil eines größeren Machtblocks – Trump reagiert

Mit seiner Unterstützung für China und der engeren Kooperation mit Russland positioniert sich Nordkorea zunehmend als Teil eines Gegenlagers zu den USA und ihren Verbündeten. Die Formel von der „multipolaren Welt“ ist dabei mehr als ein Schlagwort. Sie beschreibt den Versuch, die bestehende internationale Ordnung neu auszurichten – mit Peking und Moskau als zentralen Machtzentren.

Für die Region bedeutet das wachsende Spannungen. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass Nordkorea außenpolitisch aktiver agiert als noch vor wenigen Jahren.

Bereits zu Wochenbeginn hatte Trump den Ton gegenüber Nordkorea verschärft. Die USA hätten 45.000 Soldaten in Südkorea stationiert, „um uns vor Kim Jong-un zu schützen“, sagte er. Gleichzeitig betonte Trump, er verstehe sich „sehr gut“ mit dem nordkoreanischen Machthaber. Kim habe ihn gelobt, während er Joe Biden als „geistig verwirrten Menschen“ bezeichnet habe. Trump warnte, die in der Region stationierten US-Soldaten seien gefährdet, da Kim „über jede Menge Atomwaffen verfügt“. Zugleich kritisierte er Verbündete wie Japan, Australien, Südkorea und die Nato, die den USA aus seiner Sicht nicht ausreichend geholfen hätten.