Beziehungen am Tiefpunkt

Amerikanische Kampfjets über Kanada: US-Botschafter warnt Ottawa vor Absage von F-35-Deal

US-Botschafter droht Kanada mit einer Änderung des NORAD-Abkommens. Doch Dänemark rät Kanada vom Kauf ab: „Die Amerikaner haben die Macht, unsere Luftwaffe zu zerstören“.

Ein Kampfjet vom Typ Lockheed Martin F-35 Lightning II in der Luft
Ein Kampfjet vom Typ Lockheed Martin F-35 Lightning II in der LuftDirk Warm/Belga/AFP

Der US-Botschafter in Kanada, Pete Hoekstra, hat Ottawa vor Konsequenzen für das gemeinsame Luftverteidigungsbündnis gewarnt, sollte Kanada einen geplanten Kauf von 88 amerikanischen F-35-Kampfjets nicht fortführen. Das berichtete CBC News am Montag. Zuvor hatte der neue kanadische Verteidigungsminister angekündigt, sich nach Alternativen zu dem US-Kampfjet umzusehen.

Die Vereinigten Staaten müssten in diesem Fall mehr Kampfflugzeuge für ihre eigene Luftwaffe beschaffen und diese häufiger in den kanadischen Luftraum entsenden, warnte Hoekstra gegenüber dem kanadischen Sender. „Wenn Kanada diese Fähigkeit nicht mehr bereitstellt, müssen wir diese Lücken füllen“, so der Diplomat. „NORAD müsste verändert werden“, erklärte Hoekstra in dem Interview weiter, ohne Details zu nennen.

Das North American Air Defence Command (NORAD) ist eine jahrzehntealte Partnerschaft zwischen Kanada und den USA zur Überwachung und Abwehr von Bedrohungen aus der Luft. Die Vereinbarung erlaubt unter anderem den Einsatz des jeweils nächstgelegenen Flugzeugs – unabhängig von der Nationalität.

Zuletzt gab es bereits mehrere Fälle, in denen das US-Militär in den kanadischen Luftraum geflogen ist. Im September stiegen etwa amerikanische F-15 in der Nähe der kanadischen Stadt Calgary auf, nachdem es eine Bombendrohung gegen ein deutsches Passagierflugzeug gegeben hatte. Zwei Jahre zuvor schoss eine amerikanische F-22 einen verdächtigen zylindrischen Ballon ab, der über dem kanadischen Yukon-Territorium schwebte.

Schwedische Gripen als Alternative

Sollte die Regierung des kanadischen Premierministers Mark Carney sich alternativ für den Kauf schwedischer Gripen-Kampfjet entscheiden, müsste das NORAD-Abkommen laut Hoekstra ebenfalls neu verhandelt werden. Bei einem Wettbewerb des kanadischen Verteidigungsministeriums im Jahr 2021 hatte die F-35 von Loockheed Martin ihren schwedischen Konkurrenten technisch deutlich übertroffen.

Dennoch bereut Dänemark dem CBC-Bericht zufolge den Kauf der amerikanischen F-35-Kampfjets teilweise. Rasmus Jarlov, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im dänischen Parlament, warnte Kanada: „Wählt einen anderen Kampfjet.“ Die Maschinen seien etwa die Hälfte der Zeit in Reparatur, und die Amerikaner hätten „die volle Macht, unsere Luftwaffe zu zerstören, indem sie die Ersatzteillieferungen einstellen“.

Kanadas Vorgängerregierung unter Premier Justin Trudeau hatte die 88 Exemplare des Tarnkappenjets F-35 im Wert von 19 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 bestellt.

Experten warnen, Bevölkerung skeptisch gegenüber US-Jets

Andrea Charron, Direktorin des Centre for Defence and Security Studies an der University of Manitoba, mahnte laut CBC zur Vorsicht: „Öffentliche Sticheleien nützen nur unseren Gegnern und gefährden die Glaubwürdigkeit unserer gemeinsamen Abschreckung.“

Vincent Rigby, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater der Trudeau-Regierung, ordnete die Äußerungen als „eindeutig politischen Druckversuch“ ein. Es handele sich um eine spontane Bemerkung des Botschafters, die weder ignoriert noch als absolute Wahrheit verstanden werden sollte.

Eine Umfrage von Ekos Politics ergab derweil, dass 72 Prozent der Kanadier die Integration der schwedischen Gripen befürworten. Eine gemischte Flotte würde allerdings die kanadische Luftwaffe vor zusätzliche Herausforderungen stellen, da zwei verschiedene Wartungsinfrastrukturen unterhalten werden müssten.

US-kanadisches Verhältnis derzeit angespannt

Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kanada gelten derzeit als angespannt. Äußerungen Trumps über Kanada als 51. US-Bundesstaat und Zolldrohungen hatten Ottawa gegen Washington aufgebracht. Zuletzt hielt Carney eine aufsehenerregende Rede beim Weltwirtschaftsforum, in der er kritisierte, dass „Großmächte“ wie die USA wirtschaftliche Verflechtungen als „Waffen“ einsetzen und Zölle als Druckmittel nutzen würden.

Carney forderte weiter, dass gleichgesinnte Mittelmächte sich zusammenschließen sollten, um ihre Interessen auf der Weltbühne gemeinsam durchzusetzen. US-Präsident Trump lud Carney daraufhin aus seiner internationalen Initiative, dem Friedensrat, wieder aus.


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