Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat am Donnerstag einen neuen Kredit über 8,1 Milliarden US-Dollar (6,8 Milliarden Euro) für die Ukraine genehmigt. Davon sollen 1,5 Milliarden Dollar sofort ausgezahlt werden, um den laufenden Staatsbetrieb im fünften Kriegsjahr zu sichern, wie der IWF mitteilte.
Das neue Darlehen mit einer Laufzeit von vier Jahren ersetzt ein 2023 vereinbartes Programm über 15,5 Milliarden Dollar. Es soll zudem als Verankerung eines internationalen Hilfspakets im Gesamtumfang von 136,5 Milliarden Dollar dienen, das auch den derzeit von Ungarn blockierten EU-Kredit von 90 Milliarden Euro umfasst.
Ukraine: Swyrydenko begrüßt IWF-Entscheidung
Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko begrüßte die Entscheidung auf Telegram und schrieb, besonders vor dem Hintergrund von Angriffen auf den ukrainischen Energiesektor seien eine „garantierte internationale Finanzunterstützung und die Mittel für ein stabiles Funktionieren des Staates“ besonders wichtig.
IWF-Direktorin Kristalina Georgieva, die im Januar nach Kiew gereist war, würdigte die Widerstandsfähigkeit des Landes und seiner Bevölkerung. Der Kredit solle das Zahlungsbilanzproblem der Ukraine lösen, die mittelfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit wiederherstellen und zugleich den Weg für den angestrebten EU-Beitritt ebnen. Das Programm werde im Falle erfolgreicher Friedensverhandlungen „umgehend angepasst“, so Georgieva.
Angespannte wirtschaftliche Lage
Der Krieg setzt die ukrainische Wirtschaft unter Druck. Der IWF rechnet für 2026 mit einem Wachstum von 1,8 bis 2,5 Prozent, nach geschätzten 1,8 bis 2,2 Prozent im laufenden Jahr. Die Inflation dürfte sich mit erwarteten 6,1 Prozent gegenüber den 12,7 Prozent von 2025 etwa halbieren. Die geschätzte Finanzierungslücke der Ukraine von 52 Milliarden Dollar allein für 2026 soll durch EU-Mittel, Gelder der G7-Staaten, bilaterale Hilfen und den neuen IWF-Kredit geschlossen werden.
Georgieva betonte, dass eine große Gruppe von IWF-Mitgliedern – darunter die USA, Deutschland, Kanada, Großbritannien, Japan, Frankreich und zahlreiche weitere europäische Staaten – den bevorzugten Gläubigerstatus des IWF bekräftigt und ausreichende finanzielle Unterstützung zugesagt habe, damit die Ukraine ihre Verpflichtungen gegenüber dem Fonds bedienen könne.
Die Gruppe der Ukraine-Gläubiger, die den Großteil der bilateralen Staatsschulden hält, willigte zudem ein, den bestehenden Schuldenaufschub zu verlängern. Die Risiken des Programms beschrieb der IWF in einer Erklärung als „außergewöhnlich hoch“.
Ukraine verpflichtet sich zu Reformen
Kiew verpflichtet sich als Bestandteil des Programms zu Strukturreformen, darunter Korruptionsbekämpfung, Eindämmung von Steuervermeidung, Reform der Energiemärkte und Stärkung der Finanzmarktinfrastruktur. Der IWF stellte laut Reuters allerdings fest, dass die Fortschritte unter dem bisherigen Programm gemischt ausgefallen seien – zwei Reformziele zum Jahresende 2025 wurden demnach verfehlt.
Die Fortschritte des neuen Kreditprogramms sollen laut Reuters vierteljährlich überprüft werden, neun Überprüfungen sind in den nächsten vier Jahren vorgesehen.


