Dieser italienische Moment ist speziell. Er schmeckt salzig und süß, nach Lamm und Praline. Ein bisschen nach Berlin schmeckt er auch. Nach Tegel, denn dort hat Michele Favallo die Kreation erdacht. Eigens für das Berlin Chokolate Festival in Friedrichshain.
Herausgekommen ist ein Spieß mit kleinen, gegrillten Fleischwürfeln, mit flüssiger dunkler belgischer Schokolade übergossen und für 1,50 Euro angeboten. Denjenigen, die an diesem Samstagvormittag zum „Komplex Berlin“ an der Modersohnstraße kommen. Es sind erstaunlich viele, dafür, dass die Veranstaltung gerade erst begonnen hat.
Bis zu ihrem Abschluss an diesem Sonntagabend rechnen die Veranstalter wie im Vorjahr mit insgesamt 10.000 Besuchern, die an 40 Ständen vor der alten Fabrikationshalle und darin vorbeidefilieren und sich die Auslagen mit allerlei Fingerfood und Süßwaren anschauen. Sie kaufen und kosten. Nicht nur aus Schokolade sind die Produkte, aber überwiegend. Der Name der Veranstaltung ist schließlich Programm.
„Die Lammspieße mit Schokolade machen wir nur für dieses Festival, die haben wir sonst nicht in unserem Programm“, sagt Favallo. Er war schon im vergangenen Jahr dabei. Jetzt ist es die dritte Auflage, diesmal auf dem Gelände zwischen den Bahnhöfen Warschauer Straße und Ostkreuz. Das Festival hat sich räumlich vergrößert.
Exotisch anmutende Speisen
Doch auch diesmal ist es so, wie eigentlich immer, wenn es Häppchen zu verkosten gibt. Egal ob umsonst oder gegen Bezahlung, die Berliner sind am Start. Nicht nur auf der Grünen Woche, wie sich an diesem Samstag zum Frühlingsanfang wieder einmal zeigt.
Exotisch anmutende Speisen sind im Angebot, draußen auf dem Platz beim Streetfood. „Pasta mit Kakao, gefüllte Pizza mit Kakao“, zählt Virginia Marzadro auf. Sie arbeitet für den Veranstalter namens True Italian, und wirklich italienisch geht es bei den kulinarischen Basiskomponenten zu. Mit einigen Ausnahmen.

Die auf einem Schild angepriesene Peking-Ente in Schoko-Sojasauce verlangt dem Besucher schon einiges an Fantasie ab, was den zu erwartenden Geschmack anbelangt. Ein Stand bietet türkisches Naschwerk an, mit und ohne Schokolade und natürlich ohne Sojasauce.
„Artistische Sachen“, nennt Virginia Marzadro derartige Kreationen, die beim Rundgang sichtbar die kindliche Neugier der streetfoodmäßig durch Currywurst und Döner abgehärteten Berliner erregen. Marzadro hat das Festival mit aus der Taufe gehoben. 2024 war das, ausgerechnet in dem Jahr, als die Weltmarktpreise für Kakao kräftig anzogen und immer neue Rekordhöhen erreichten.

Die Kosten für das Rohprodukt betrugen zeitweise das Doppelte gegenüber der Zeit vor 2020. Als Hauptgrund nannten die Hersteller schlechte Ernten wegen widriger Witterungsbedingungen. Krankheiten setzten den Kakaopflanzen zu. Teilweise bis zu einem Drittel der Ernte fiel aus.
Geringeres Angebot bei gleichbleibender Nachfrage bestimmten den Preis. Spekulation an den Rohstoffmärkten taten ihr übriges. Zwar wird Kakao inzwischen wieder günstiger, doch der Effekt schlägt noch nicht voll bis zu den Verbrauchern durch.

Auch die Organisatoren des Festivals im Friedrichshain bekommen das zu spüren. Zwar sind zwei polnische Stände hinzugekommen. „Doch einige Aussteller aus dem vergangenen Jahr haben diesmal abgesagt“, berichtet Virginia Marzadro. „Sie sagen, dass sie wegen der höheren Preise für ihre Produkte zu wenig verkaufen würden.“
Mit zehn Euro pro Person, so Marzadro, könne man jedoch die eine oder andere Schokoladenvariation verkosten. „Die meisten Angebote liegen unter fünf Euro.“ Dazu kommen allerdings fünf Euro Eintritt für Besucher ab 16 Jahren.
Claudia Sgarbi betreibt einen Stand an der Stirnseite der Fabrikationshalle. Sie verkauft Brigadeiros, brasilianische Pralinen aus Milchschokolade. Claudia Sgarbi präsentiert etliche Varianten; mit Karamell, Kokos oder Pistazie. Und mit Erdbeere. Glaubt man der versammelten Expertise auf dem Festival, profitiert diese Geschmacksrichtung gerade vom nachlassenden Hype um Dubai-Schokolade.
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Claudia Sgarbi hat ihre Preise trotz stark gestiegener Kosten für die Hautzutat ihrer Pralinen stabil gehalten. „Ich gleiche das über die verkaufte Menge aus“, sagt sie. Im Vorjahr ist sie ihre gesamt Ware losgeworden, diesmal hat sie einen größeren Vorrat zum Festival mitgebracht.


