Geburtshilfe

Köpenick: Klinik setzt jetzt bei Geburten auf 1. FC Union Berlin-Design

Die DRK-Klinik Köpenick hat eine neue Station für Geburtshilfe und Frauengesundheit eröffnet – und ein Familienzimmer im Union-Stil. Was die Fußballer und das Klinikum verbindet.

Mitarbeiterinnen der DRK-Klinik Köpenick führen durch ein Familienzimmer im Union-Stil.
Mitarbeiterinnen der DRK-Klinik Köpenick führen durch ein Familienzimmer im Union-Stil.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Neulich erfuhr Stefan Meiners von einem Kinderwunsch. Eine Familie überlegte, sich zu vergrößern, und indirekt hatte das mit dem Köpenicker zu tun: Meiners ist Geschäftsführer einer Firma für Werbetechnik und Raumausstattung und außerdem Fan des 1. FC Union.

Im Stil des Fußballbundesligisten hat die Firma nun ein Familienzimmer auf der Entbindungsstation der DRK-Klinik Köpenick gestaltet: „Die eiserne Knirpsenkabine“.

Stefan Meiners hat die Geschichte jetzt bei der Eröffnung der neuen  Abteilung für Geburtshilfe und Frauengesundheit des Großkrankenhauses im Südosten Berlins erzählt. Den Kinderwunsch  hatte eine Union-Anhängerin halb im Scherz geäußert, es sollte ein ernst gemeintes Kompliment für das Design der „Knirpsenkabine“ sein.

Wer in Köpenick lebt, kommt am 1. FC Union kaum vorbei

Die sei identitätsstiftend, sagt Meiners über das Konzept. „Sie ist ein Raum mit einer starken Idee dahinter.“ Die Atmosphäre sollte stimmen in der besonderen Situation einer Entbindung, erklärt der Unternehmer.

Wer in Köpenick zu Hause ist, kommt an den Eisernen kaum vorbei. Das ist die Verbindung zum Familienzimmer der DRK-Klinik. Wer in Köpenick stationäre medizinische Behandlung benötigt, wird sehr wahrscheinlich in dem Großkrankenhaus versorgt. „In unserem Einzugsgebiet leben etwa 300.000 Menschen“, sagt Rainer Wieth, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe an dem Standort und gebürtiger Köpenicker.

Wieth wird künftig also regelmäßig in dem Union-Zimmer vorbeischauen, wo Mütter und Väter unmittelbar nach der Entbindung gemeinsam mit den Neugeborenen übernachten. Die Eltern werden in einem Doppelbett liegen. Hinter ihnen, auf einem wandfüllenden Bild, ragen Tannen in den Himmel. Ein Flugzeug zieht ein Transparent mit dem Logo der Unioner. Der Müggelturm ist zu erkennen.

Die Schränke im Eingangsbereich sind mit bedruckter Folie beklebt, sie sehen aus wie Alkoven in der Spielerkabine der Köpenicker Profimannschaft: Trikots hängen auf Bügeln, Fußballschuhe stehen im untersten Schubfach.

Doppelbett vor Köpenick-Kulisse
Doppelbett vor Köpenick-KulisseMarkus Wächter/Berliner Zeitung

Vier Familienzimmer gibt es auf der Station. Nur dieses eine präsentiert sich im Union-Stil. An der Tür empfängt Maskottchen Ritter Keule die Besucher. An diesem frühen Nachmittag ist es ruhig auf den Gängen. Das diensthabende Team bereitet sich darauf vor, dass es im Kreißsaal weitergeht. Entbindungen sind kaum planbar.

„Rund 800 Geburten hatten wir im vergangenen Jahr“, berichtet Chefarzt Wieth. 2017 waren es an die 1300. Seitdem geht in Berlin die Zahl der Neugeborenen zurück. Insgesamt etwa 33.000 wurden zuletzt in der Hauptstadt gezählt. „60 Prozent der Frauen, die bei uns entbinden, kommen aus unserem Einzugsgebiet“, sagt Wieth. Der Rest lebt in anderen Berliner Bezirken oder im angrenzenden Brandenburg. „Wir sprechen dabei von Geburtstourismus.“

Der Durchgang von der Station zum Kreißsaal
Der Durchgang von der Station zum KreißsaalMarkus Wächter/Berliner Zeitung

Zwölf von ehemals 19 Krankenhäusern verfügen in der Hauptstadt noch über eine Entbindungsstation. Wer sein Baby nicht in einem Geburtshaus oder den eigenen vier Wänden zur Welt bringen möchte, kann zwischen diesen Einrichtungen wählen.

Auch bundesweit hat die Anzahl der Krankenhäuser mit Entbindungsstation abgenommen, wie das Statistische Bundesamt in dieser Woche vermeldete. Demnach gab es in Deutschland unmittelbar nach der Wende 1186 solcher Stationen, zuletzt waren es lediglich 578. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe erkennt im ökonomischen Druck eine wesentliche Ursache für den Rückgang. Entbindungsstationen verursachen hohe Vorhaltekosten für Personal und Equipment.

Klinik bündelt drei Abteilungen zu einer

Die Krankenhausreform wird die Kliniklandschaft nochmals verändern,  Berlin ist davon nicht ausgenommen. Leistungen werden an Standorten konzentriert. Die Einrichtungen sollen sich stärker spezialisieren, um die Qualität der Behandlungen zu steigern und die Kosten zu senken.

Auch in dieser Hinsicht haben die stationäre Gesundheitsversorgung und Profifußball etwas gemeinsam: Wer nicht mit der Zeit geht, bleibt auf der Strecke. Deshalb haben sie in DRK-Klinik Köpenick nun drei Abteilungen zu einer einzigen vereint. Die Geburtshilfe, die Gynäkologie und das Brustzentrum arbeiten künftig auf einer Etage zusammen.

„Etwa 350 Frauen mit Mammakarzinom sind bei uns pro Jahr in Behandlung“, sagt Anke Kleine-Tebbe. Die Chefärztin des Brustzentrums verweist auf Synergien. „Flexible Raumkonzepte schaffen beste Bedingungen für individuelle Betreuung und Gesundheitsversorgung der Frauen in jeder Lebensphase.“

Bezirksbürgermeister Oliver Igel fotografiert die Tür zum Union-Familienzimmer.
Bezirksbürgermeister Oliver Igel fotografiert die Tür zum Union-Familienzimmer.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Oliver Igel (SPD) lobt dann auch das Konzept der neuen Station. Der Bürgermeister von Treptow-Köpenick hat sie feierlich eröffnet, er durchtrennte ein Band – in Union-Rot, versteht sich. Igel hat die Bedeutung der Eisernen für den Bezirk hervorgehoben und in der Knirpsenkabine eine Art logische Konsequenz erkannt: „Man ist auf diese Weise von Geburt an mit dem Verein verbunden.“

So wie Stefan Meiners, der als Jugendlicher schon im Stadion An der Alten Försterei auf der Tribüne stand. 2017 hat seine Firma das erste Familienzimmer im Union-Stil ausgestaltet. Es war für ihn keine Frage, dass er dies auch in der neuen, vergrößerten Station tun würde.

Unentgeltlich, Meiners sagt lieber: „pro bono“ – zum Wohle der Allgemeinheit. Jedenfalls jenes Teils, der ein Kind erwartet. Und der sich auch in einer solchen Situation dem 1. FC Union sehr eng verbunden fühlt.