Verkehr lahmgelegt

Nichts fährt mehr? So kommen Sie trotz BVG-Streik ans Ziel

Verdi legt in 15 Bundesländern den Nahverkehr lahm. Bei der Tram könnte es auch danach Probleme geben. Wir erklären, wie Fahrgäste trotzdem ans Ziel kommen.

Warnstreik bei der BVG: Im Streit um höhere Löhne und Gehälter legten Beschäftigte 2025 fünfmal die Arbeit nieder. Nun kommt es in der neuen Tarifrunde erstmals zum Streik.
Warnstreik bei der BVG: Im Streit um höhere Löhne und Gehälter legten Beschäftigte 2025 fünfmal die Arbeit nieder. Nun kommt es in der neuen Tarifrunde erstmals zum Streik.Sebastian Gollnow/dpa

Alle Jahre wieder. Genauer gesagt: in jedem Winter wieder – Warnstreiks bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Am Montag, 2. Februar, steht ein großer Teil des öffentlichen Verkehrs in Berlin und anderswo still. Die Gewerkschaft Verdi hat die fast 16.000 Beschäftigten des Landesunternehmens dazu aufgerufen, zum ersten Mal im laufenden Streit um bessere Arbeitsbedingungen die Arbeit niederzulegen.

Was kommt auf die Fahrgäste zu? Gibt es Alternativen zur BVG? Unser großer Servicebeitrag zum Streik Anfang der kommenden Woche.

Wann wird gestreikt? Der Streik dauert von Montag, 3 Uhr morgens, bis Dienstag, 3 Uhr morgens. Damit wird der erste Warnstreik im laufenden Tarifstreit gleich 24 Stunden dauern. Der Arbeitskampf betrifft nicht nur Berlin, sondern auch 14 weitere Bundesländer inklusive Brandenburg.

Welche Verkehrsmittel sind in Berlin betroffen? Erwartet wird, dass wieder alle U-Bahnen und alle Straßenbahnen stillstehen. Auch der größte Teil der BVG-Linienbusse wird die Betriebshöfe nicht verlassen.

Welche BVG-Verkehrsmittel fahren weiter? Busse, die im Auftrag der BVG von anderen Unternehmen betrieben werden, sind von dem Streik nicht betroffen. Sie sollen laut Fahrplan verkehren. Dabei handelt es sich um die Linien 106, 114, 118, 124, 133, 175, 184, 204, 234, 275, 316, 318, 326, 161, 363, N12, N23, N35, N39, N53, N61, N69, N84, N91, N95 sowie N97. Auch die Fähren F10, F11 und F12 sind nicht beeinträchtigt. Die Sharing-Angebote an den Jelbi-Stationen sind ebenfalls während des Warnstreiks verfügbar, zum Beispiel E-Scooter und Fahrräder.

Der nächste Tarifkonflikt bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat begonnen: Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt (l.) mit Mitstreitern vor der BVG-Hauptverwaltung.
Der nächste Tarifkonflikt bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat begonnen: Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt (l.) mit Mitstreitern vor der BVG-Hauptverwaltung.Peter Neumann/Berliner Zeitung

Liegt auch die S-Bahn still? Nein, die S-Bahn Berlin bleibt in Betrieb. Sie gehört nicht der landeseigenen BVG, sondern der Deutschen Bahn (DB) des Bundes. DB Regio, die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) und die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) haben mit der Auseinandersetzung um bessere Arbeitsbedingungen ebenfalls nichts zu tun. Damit stehen auch Regionalverkehrszüge als Alternative zur Verfügung. Sie sind ohne Aufpreis mit dem Deutschlandticket oder mit VBB-Tickets benutzbar.

Wie sieht es im Land Brandenburg aus? Verdi hat in 15 Bundesländern zum Warnstreik aufgerufen – auch in Brandenburg. Betroffen sind 16 Unternehmen in kreisfreien Städten und Landkreisen. Bestreikt werden unter anderem der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP), die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn, die Barnimer Busgesellschaft mbH, die Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder), die Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel, die Havelbus-Verkehrsgesellschaft, die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming, Cottbusverkehr sowie die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald.

Was unternimmt die Taxibranche? „Unser Gewerbe wird alles tun, damit Menschen, die auf Mobilität angewiesen sind, auch während des Streiks unterwegs sein können“, erklärte Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen, am Freitag. „Mit rund 100.000 Fahrzeugen auf den Straßen leisten Taxis einen wichtigen Beitrag zur Grundversorgung.“ Der Verband weist jedoch darauf hin, dass sich Fahrgäste auf längere Wartezeiten einstellen sollten. Durch den Ausfall von Bussen und Bahnen ist mit einer außergewöhnlich hohen Nachfrage zu rechnen. Tipp: Taxi vorbestellen!

Muss ich trotz des Warnstreiks bei der BVG zur Arbeit kommen? Ja. Arbeitnehmer müssen zur Arbeit erscheinen, auch bei einem Streik. Sie tragen das sogenannte Wegerisiko, erklären Arbeitsrechtler. Bei einem Streik handle es sich nicht um ein unvorhergesehenes Ereignis, da er in der Regel rechtzeitig angekündigt wird. Auch in diesem Fall hat Verdi das Versprechen gehalten: Arbeitsniederlegungen werden mindestens 24 Stunden vorher öffentlich angekündigt, so die Gewerkschaft.

Wird der Verkehr Dienstagfrüh wie geplant wieder beginnen? Hier setzen BVG-Experten ein großes Fragezeichen. Nach dem mehrstündigen Eisregen in der Nacht zum 26. Januar sind Beschäftigte immer noch dabei, Fahrleitungen der Straßenbahn von Eis zu befreien. Das Unternehmen befürchtet, dass die Leitungen während des 24-stündigen Warnstreiks nun wieder vereisen und die Arbeit am Dienstag zum Teil von vorne losgehen muss. Für die Fahrgäste könnte das bedeuten, dass sie im Vergleich zu heute mit zusätzlichen Ausfällen rechnen müssen. Auch die U-Bahn könnte wieder teilweise einfrieren. Anfang dieser Woche lagen oberirdische Teilstücke von U2 und U3 brach.

Bei Warnstreiks fährt auch die U-Bahn nicht mehr. Ein geschlossener U-Bahnhof in Berlin während einer Arbeitsniederlegung 2025.
Bei Warnstreiks fährt auch die U-Bahn nicht mehr. Ein geschlossener U-Bahnhof in Berlin während einer Arbeitsniederlegung 2025.dpa

Sind weitere Warnstreiks bei der BVG zu erwarten? Beobachter gehen davon aus, denn die Fronten wirken verhärtet. Die BVG kalkuliert, dass sich alle Verdi-Forderungen in Berlin auf zusätzliche Personalkosten von 148 Millionen Euro pro Jahr und auf einen zusätzlichen Personalbedarf von 1330 Arbeitsplätzen summieren würden. Dabei haben bereits die 2025 vereinbarten Lohnerhöhungen die BVG mit 140 Millionen Euro belastet. Zusätzliche Verbesserungen müssten mit Einsparungen oder Effizienzsteigerungen gegenfinanziert werden. Ein weiteres Argument: Obwohl sich die Arbeitsbedingungen verbessert hätten, seien Fluktuation und Krankenstand weiterhin hoch.

Was entgegnet die Gewerkschaft? Gerade weil Löhne gestiegen seien, die Wochenarbeitszeit auf 37,5 Stunden verringert und andere Verbesserungen erreicht wurden, müsse die BVG als attraktiver Arbeitgeber keinen Personalmangel fürchten. Damit neue Mitarbeiter auch bleiben, seien weitere Entlastungen erforderlich, betont Verdi.

Was kritisiert Verdi? Stattdessen fordere der Arbeitgeber, neue Tarifverträge selbst zu finanzieren – etwa durch eine Verschlechterung des Krankengeldzuschusses und Veränderungen bei den Arbeitszeitkonten, durch die die Beschäftigten Souveränität über ihre Arbeitszeit verlieren würden. „Die Forderungen von Verdi nach echter Entlastung – darunter Zuschläge für belastende Arbeit, bessere Regelungen für Schicht- und Nachtarbeit und eine Begrenzung der Schichtlänge auf zwölf Stunden – wies die Arbeitgeberseite zurück.“

Könnte der Warnstreik noch verhindert werden? Die BVG hat angekündigt, dass sie mit der Gewerkschaft über eine Verschiebung sprechen möchte. Falls das nicht fruchtet, könnte das Landesunternehmen vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen Verdi beantragen. „Aufgrund der zu erwartenden massiven und völlig unverhältnismäßigen Auswirkungen auf die Fahrgäste prüft die BVG rechtliche Schritte gegen den Streikaufruf der Gewerkschaft“, teilt das Unternehmen am Freitag mit.

Wie geht es weiter? Die dritte Verhandlungsrunde im Streit um einen neuen Manteltarifvertrag ist für den 18. Februar 2026 angesetzt.