Das Ziel ist seit Wochen klar: Soll eine sogenannte Gasmangellage abgewendet werden, muss der Gasverbrauch um 20 Prozent reduziert werden. So formulierte man es im Bundeswirtschaftsministerium. Etwas griffiger sagte es Bundesnetzagenturchef Klaus Müller. „Wenn wir nicht kräftig sparen und kein zusätzliches Gas bekommen, haben wir ein Problem.“
Aber das Land spart. Im August verkündete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, dass hierzulande im ersten Halbjahr insgesamt 497.000 Gigawattstunden Gas verbraucht wurden. Das waren 14,7 Prozent weniger als in der ersten Hälfte des Vorjahres. Keine 20 Prozent, aber immerhin. Netzagenturchef Müller mahnte dennoch, dass eine Schippe draufgelegt werden müsse.
In Berlin, wo etwa vier Prozent des Erdgases in Deutschland verfeuert werden, hat die Landesregierung inzwischen Maßnahmen ergriffen. So müssen etwa in öffentlichen Gebäuden künftig Raumtemperaturen von 20 Grad Celsius genügen, in Schwimmhallen wird bei höchstens 26 Grad gebadet. Um mindestens zehn Prozent soll der Energieverbrauch der öffentlichen Hand dadurch gedrückt werden. Aber reicht das?
Wie viel Gas in Berlin verbraucht wird, weiß man bei der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB) sehr genau. Das Tochterunternehmen der Gasag betreibt das 7000 Kilometer lange Gasnetz unter der Stadt, über das die benötigten Gasmengen an Haushalte, Unternehmen und Kraftwerke verteilt werden.
Gasverbrauch im Juli in Berlin sogar gestiegen
Am letzten Augusttag attestierten die NBB-Zähler Berlin einen Gasverbrauch von exakt 19.304 Gigawattstunden (GWh). Knapp zwei Milliarden Kubikmeter Gas wurden somit in den ersten acht Monaten dieses Jahres in der Stadt verbrannt. Ein Jahr zuvor lag der Verbrauch allerdings noch bei 22.690 Gigawattstunden. Somit hat auch Berlin kräftig gespart. Um 14,9 Prozent oder knapp 3400 Gigawattstunden ging der Verbrauch zurück.
Obwohl das überzeugend erscheint, ist Berlin mit seinen Einsparungen tatsächlich nicht vorangekommen. Denn bereits im ersten Halbjahr betrug der Rückgang des Verbrauchs 14,8 Prozent. Zudem fällt auf, dass beispielsweise im Juli der Gasverbrauch in der Stadt auf 839 Gigawattstunden gestiegen war, während im Vorjahresmonat noch 814 GWh genügt hatten. Der einfache Grund laut NBB: Der Juli war in diesem Jahr etwa ein Grad kälter als im Vorjahr. Der folgende August war wiederum vier Grad wärmer, der Gasbedarf in Berlin fast 30 Prozent geringer.
Offenbar sind die erreichten Einsparungen kaum darauf zurückzuführen, dass die Berliner kürzer geduscht und Betriebe ihren Bedarf zurückgeschraubt hätten. Vielmehr ließen wärmere Temperaturen den Bedarf schrumpfen. Denn während die monatliche Durchschnittstemperatur in Berlin nach Daten des Deutschen Wetterdienstes in den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres noch bei 10,3 Grad Celsius lag, wurden 2022 bislang 12,0 Grad gemessen. NBB-Sprecher Andraes Wendt bestätigt: „Ein wirklich abweichendes Verbrauchsverhalten für Berlin ist im Gesamtabsatz noch nicht messbar.“ Größere Veränderungen erwartet er mit Beginn der Heizperiode.






