Sechs Jahre blieb der Fall des ermordeten Litauers Edgar O. ungeklärt. Der 26-Jährige war am 18. März 2019 kurz nach 22 Uhr unweit des Alexanderplatzes erstochen worden. Im Juni vorigen Jahres wurden die drei mutmaßlichen Tatbeteiligten mit Unterstützung von Europol in Lettland und Rumänien gefasst und nach Berlin überstellt. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Es war ein Auftragsmord und die Tat hat mit Organisierter Kriminalität zu tun.
Seit Dienstag sitzen die drei Tatverdächtigen auf der Anklagebank des Berliner Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen heimtückischen Mord oder Anstiftung zu der Tat vor. Auftraggeber der Bluttat soll Andrey C. gewesen sein, ein im brandenburgischen Falkensee lebender 44-jähriger Geschäftsmann, der bisher noch keine Vorstrafen hat. Mit ihm müssen sich Oleg M. und Alexandr Z. verantworten. Beide sind 58 Jahre alt.
Andrey C., der als Beruf Hotelkaufmann angibt, soll beim Vater des Opfers Schulden gehabt haben. Und als dieser sein Geld in Höhe von 80.000 bis 100.000 Euro zurückverlangt habe, soll Andrey C. laut Anklage Anfang 2019 „seinen Vertrauten und Mann fürs Grobe“ beauftragt haben, einen Mörder zu organisieren. Einen Mann, der den Sohn des Geldgebers umbringen sollte – als Warnung, um vor weiteren Rückzahlungsforderungen abzuschrecken.
Oleg M., der Vertraute und Mann fürs Grobe, soll seine Kontakte in die Organisierte Kriminalität in Moldau ausgenutzt, Alexandr Z. mit dem Mord beauftragt und 1000 Euro des Killerlohns angezahlt haben.
Was dann geschah, beschreibt die Staatsanwältin in ihrer Anklage so: Am 28. Februar 2019 machte sich der mutmaßliche Mörder aus Moldau auf den Weg nach Berlin. Absprachegemäß lauerte er am Abend des 18. März 2019 Edgar O. auf.
Das Opfer konnte noch den Notruf wählen
Der junge Mann soll völlig arglos gewesen sein, als er nach Feierabend von seiner Arbeit im Primark am Alexanderplatz zu seinem Auto gehen wollte. Der 26-Jährige soll auf dem Gehweg der Karl-Marx-Allee auf seinen Mörder zugelaufen sein, den er nicht kannte.
Zweimal habe Alexandr Z. dem jungen Mann ein Messer in den Oberkörper gerammt, die rechte Herzkammer von Edgar O. durchstochen, heißt es in der Anklage. Das Opfer, das kurz vor der Hochzeit gestanden haben soll, konnte offenbar noch den Notruf wählen. Doch als die Rettungskräfte am Tatort eintrafen, war er schon nicht mehr bei Bewusstsein, kurz darauf tot.
Alexandr Z., der mutmaßliche Mörder, soll auf seiner Flucht vom Tatort von mehreren Überwachungskameras gefilmt worden sein. So auch in einem U-Bahnhof. Mit den Bildern gingen die Ermittler wenige Wochen später an die Öffentlichkeit. Zu dieser Zeit soll der Tatverdächtige längst wieder in Moldau gewesen sein.
Nach der Festnahme der drei Angeklagten hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, dass Europol die von Berlin aus geführten Ermittlungen von Anfang an unterstützt habe. Vor allem beim Informationsaustausch und der Koordination der Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Moldau, Rumänien und Lettland.




