Der emeritierte Meister der schnellen und scharfen Pointe hat im Schweizer Fernsehen, in der SRF-Sendung „Kulturplatz“, dem deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein Urteil verpasst, das so knapp wie wirkungsvoll ausfällt: Laut Schmidt neigen Formate wie die Tagesthemen (ARD) und das heute journal (ZDF) zunehmend zu einer tendenziösen und belehrenden Darstellung der Weltlage.
Schmidt nimmt „erzieherischen Unterton“ wahr
Schmidt, der für seine präzise Beobachtung der Medienlandschaft bekannt ist, wirft dem ÖRR das Fehlen journalistische Distanz vor. Die Grenze zwischen sachlicher Information und persönlicher Meinung der Redaktionen verschwimme immer weiter. Besonders stört sich Schmidt an dem, was er als „betreutes Denken“ bezeichnet. Er nehme bei den Moderatoren und Redakteuren einen „erzieherischen Unterton“ wahr, der dem Zuschauer suggeriere, wie er bestimmte politische Ereignisse einzuordnen habe. Das höre er „im Tonfall, in der Wortwahl, in der Hinführung auf das eigentliche Thema“, so der Ex-Entertainer. „Kein Vergleich zur BBC zum Beispiel“, führte Schmidt seine Kritik aus.
Das ist kein beiläufig dahingesagter Satz, sondern ein gezielter Stich ins Selbstverständnis von ARD und ZDF, die sich selbst als ausgewogen begreifen. Schmidt hingegen legt den Finger in eine Wunde, die längst nicht mehr nur von Medienkritikern beklagt wird. Ihn stört weniger der einzelne Beitrag als vielmehr der Ton, die Haltung, die sich – so seine Wahrnehmung – durch Nachrichtenformate und Magazine zieht wie ein kaum hörbares, aber stetiges Grundrauschen. Schmidt kritisiert, dass sich die Macher der Sendungen in einer Art Berliner oder Hamburger Blase befänden, die den Bezug zur Lebensrealität vieler Bürger verloren habe.


