Tour-Finale in Australien

Till Lindemann beweist: Er braucht Rammstein nicht mehr

39 Shows in 24 Ländern: Till Lindemann machte auch ohne Rammstein ordentlich Cash auf seiner „Meine Welt“-Tournee. Wie kommt das bei den Fans an?

Till Lindemann auf Solo-Tour, hier im Dezember 2025 in Kroatien.
Till Lindemann auf Solo-Tour, hier im Dezember 2025 in Kroatien.IMAGO/Matija Habljak/PIXSELL

Ein letztes  Mal „Schweiss“, „Prostitution“ und „Übers Meer“: Am Donnerstag, dem 22. Januar, gab Till Lindemann bei sommerlichen Südhalbkugel-Temperaturen das Finale seiner „Meine Welt“-Tournee in der Küstenmetropole Perth im Südwesten Australiens.

Selbst für den Neue-Deutsche-Härte-gestählten Ost-Berliner Schockrocker (im Hauptberuf: Sänger der Band Rammstein) muss es ein ganz schöner Hardrock-Ritt, ein besonderer Kraftakt gewesen sein – nicht nur der Kuchen und Fische wegen, die Abend für Abend durch die Luft ins Publikum geschleudert werden „mussten“. Übrigens sehr zum Missfallen von Tierschützern, die Lindemann die Flugfische seit Jahren ankreiden.

39 Shows in 24 Ländern. Das ist schon eine Hausnummer. Darunter Türkei, Kasachstan, Usbekistan, Dubai und Thailand. Bei einigen dieser Stationen sollen Fan-Berichten zufolge auffällig viele Russen vor Ort gewesen sein, wobei Lindemann in Russland selbst seit 2022 nicht mehr aufgetreten ist.

Zuvor spielte Lindemann bereits den Sommer über eine Festival-Tournee quer durch Europa. Allein in Europa sollen Lindemann letztes Jahr mehr als 450.000 Zuschauer live gesehen haben. So vermeldet es das Musikmagazin Rolling Stone und zitiert dabei Fred Handwerker, Europa-Agent und Geschäftsführer des Tourneeveranstalters Handwerker Promotion. Der nennt dies einen „sensationellen Erfolg“. „Jedes einzelne Konzert haben sie zu einem Energie-Feuerwerk werden lassen, dessen Funken auf Tausende von Fans übergesprungen sind“, so Handwerker in dem Artikel.

Solo bewahrt sich Lindemann Autonomie von Rammstein

Man könnte dem entgegenhalten: Direkt verglichen mit Rammstein sind das dennoch „kleine Brötchen“. Rammstein sollen auf ihrer letzten Welttournee mehr als 5.000.000 Tickets verkauft und damit einen Umsatz von mehr als 500.000.0000 Euro eingespielt haben. Andererseits stehen dabei auch wesentlich höhere Kosten für Gagen, Reise, Team, Logistik, Stadien und Feuerwerk entgegen, wenn die ganze Band gemeinsam auf Tournee geht. Theoretisch wären aber auch weiter ausgedehntere Solo-Konzertreisen denkbar. Auch in Südamerika (besonders Argentinien) hat Lindemann eine treue Fanbase – die zuletzt, abgesehen von einem Festival-Gig in Brasilien nicht auf ihre Kosten kam.

Mit seinen Solo-Konzertreisen (oft in mittelgroßen Hallen) bewahrt sich Lindemann auch ein Stück Autonomie von seiner Mutterband, die manchmal auch mit ihm zu fremdeln scheint. „Till hat sich in den letzten Jahren von uns entfernt und sich seine eigene Blase geschaffen“, schrieb beispielsweise der Rammstein-Schlagzeuger Christoph Schneider im Sommer 2023. „Mit eigenen Leuten, eigenen Partys, eigenen Projekten.“ Sowieso wissen bei Rammstein auch Fans gerade nicht so recht wissen, wie es weitergeht. Zurzeit sind keine öffentlichen Auftritte für 2026 oder 2027 bekanntgegeben. Obwohl Fans durch einen Neujahrs-Post der Band zuletzt wieder neue Hoffnung schöpften, dass da etwas in Planung sein könnte.

Was unterscheidet Lindemann und Rammstein? Auch unter Fans gelten Rammstein als massentauglicher. Solo-Lindemann sei nochmals provokanter, sagen viele. Nicht zuletzt aufgrund der Porno-Visuals in seinen Shows. Dafür aber ohne die exzessiven Pyrotechnik-Shows, die für die meisten Fans bei Rammstein fest zum Spektakel dazugehören.

Die Fans („Team Lindemann“) feiern den Rammstein-Frontmann jedenfalls auch solo frenetisch. „Was für fantastische audiovisuelle Kunst“, schwärmt eine Person unter einem der jüngsten Lindemann-Posts auf Instagram zum Tour-Finale in Perth. Die Performances bezeichnet sie als „wildes, dunkles, krachiges Traumland“.

„Danke, dass ihr nach Perth gekommen seid“, schreibt eine andere Person. „Ich weiß, es ist ein langer Weg zu reisen, aber wir brauchten definitiv etwas Till downunder.“ Auch viele andere schreiben von „unfassbaren Shows“, die sie „niemals vergessen werden“ – und bedanken sich für all die Energie. „Till, du machst das Leben erträglich“, jubiliert eine gewisse Mary in den Kommentaren – exemplarisch für viele Fans, die auch das seelisch Gebrochene in den Lindemann'schen Lyrics immer wieder hervorheben.

Der Ort, an dem die Fans demnächst wieder zusammenkommen, ist auch für Till Lindemann ein ganz besonderer. Nämlich seine Geburtsstadt Leipzig. Dort steigt am 3. und 4. Juli am Völkerschlachtdenkmal das so genannte Till Fest: ein ganzes Festival rund um Till Lindemann. Dort werden unter anderem die Metal-Veteranen Ministry ihr Album „Hopiumforthemasses“ live zum Besten geben. Und ähnlich heiß wie diese Woche in Perth (bis zu 37 Grad Celsius) könnte es dann durchaus auch werden. Notfalls müssen ein paar Show-Flammenwerfer nachhelfen.