Dieser Chor hat es in sich: „Zum Geburtstag, zum Geburtstag“, skandiert die anscheinend unermüdliche Menschenmenge in der Coca-Cola-Arena Dubai immer und immer wieder. Zu sehen etwa in einem Video der Instagram-Nutzerin Draculove.
Es dürften mindestens ein paar hundert Menschen sein, die da auf Russisch begeistert Mal um Mal „c dnjom roshdenja“ rufen. „Zum Geburtstag, zum Geburtstag.“ Stellvertretend für: „Alles Gute zum Geburtstag dir!“ Denn es ist der 4. Januar: der Ehrentag des 1963 in Leipzig geborenen Till Lindemann. Im Hauptberuf: Sänger der Ost-Berliner Schockrock-Band Rammstein.
Aber dabei bleibt es nicht: Lindemann persönlich spricht im Video auch Russisch. Nach einem „thank you very much“ sagt er: „spasibo bolschoje“, wortwörtlich: großen Dank. Dass Lindemann nicht nur „spasibo“ sagt, spricht dafür, dass er wirklich Russisch kann. Er hat es in der DDR gelernt – und offenbar niemals ganz vergessen. Er setzt das Adjektiv hinter das Substantiv. Das macht eigentlich niemand, der sich die Floskel nur flüchtig und spontan per Wörterbuch zurechtgelegt hat.
Doch warum kommt überhaupt Russisch zum Einsatz in Dubai? Schon vor Lindemanns Auftritten in Istanbul und Dubai war auch in der Berliner Zeitung vermutet worden, dass er diese Konzerte nicht allein für die dort heimische Bevölkerung spielt – sondern zudem für seine zahlreichen russischen Fans, die in diese Städte besonders gut einfliegen können. Denn hier greifen die westlichen Reisesanktionen gegen Russen nicht.
Userin kommentiert: „Der ganze Saal bestand fast nur aus Russen.“
Wie nun einigen Instagram-Kommentaren zu entnehmen ist, soll Lindemann auch bei seinen beiden Auftritten in Thailand zuvor Russisch gesprochen haben. „Russen sind überall!“, ist in den Kommentaren zu lesen. „Alle Russen!“ – „Russisch kann er gut, weil er in der DDR geboren ist.“ – „Der ganze Saal bestand fast nur aus Russen.“ Die meisten dieser Kommentare sind auf Russisch verfasst.
Auftritte in Russland selbst haben allerdings weder Rammstein noch Lindemann solo seit Beginn der russischen Totalinvasion der Ukraine 2022 gespielt. Sogar Konzerte, die für 2022 bereits anberaumt waren, wurden annulliert. „Wir empfinden in diesem Moment besonders Trauer über das Leid der Ukrainer“, hieß es damals auf der offiziellen Rammstein-Website. Jedes Mitglied der Band habe unterschiedliche Erfahrungen mit den beiden Ländern; alle aber hätten Freunde, Kollegen, Partner und Fans in der Ukraine und in Russland.
Derzeit sind in Moskau und St. Petersburg Rammstein-Tribute-Shows mit klassischen Sängern und Orchester zu erleben. Wohlgemerkt ohne Beteiligung der eigentlichen Band. Wer in Russland lebt und Lindemann live sehen will, muss also reisen: sei es nach Istanbul, nach Dubai oder Kasachstan. Und offenbar sind die Lindemann-Shows das vielen Russen wert.


