Es ist ein bemerkenswertes Phänomen der deutschen Fernsehrealität: Während man in der Berliner Hochkultur-Bubble oft so tut, als existiere der öffentlich-rechtliche Schlagerkosmos gar nicht, schalten Millionen ein, wenn irgendwo eine Showtreppe ausgeklappt wird. Doch dieses Biotop der gepflegten Samstagsunterhaltung gerät gerade massiv ins Wanken.
Nach nur acht Ausgaben ist Schluss für „Die Beatrice Egli Show“. Was zunächst nach einer üblichen Programmauffrischung klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein bemerkenswerter Vorgang – denn die Nachricht vom Ende kommt überraschend und trifft einen Sender, der ohnehin gerade musikalische Eckpfeiler verliert. Zumindest aus Sicht seines Kernpublikums.
Beatrice Egli an ihre Fans: „Ihr sollt es als Erste erfahren“
Dabei war die Sendung eigentlich eine Erfolgsgeschichte: Ursprünglich als Format für das regionale SWR-Fernsehen konzipiert, schaffte es die Show mit der Schweizer Schlager-Sängerin (jüngster Hit: „Alibi“) ins quotenstarke Hauptprogramm der ARD. Seit dem Start im April 2022 wurde das Format verlässlich zweimal im Jahr ausgestrahlt, zuletzt sogar mit einer Weihnachtsausgabe.
Dass nun offenbar schon im Dezember 2025 die letzte Klappe gefallen ist, klingt wie ein weiterer Hammer in einer Sparte, die sich gerade erst vom angekündigten Aus der ÖRR-Schlagersendung „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross erholen muss. Die ARD hatte die Sendung, sehr zum Missfallen vieler Zuschauer, kürzlich erst eingestellt.
Interessant ist im Fall Egli aber auch die Dynamik des Abschieds. Es war nicht etwa der Sender, der den Rotstift ansetzte oder die Einschaltquoten für ungenügend befand. Die Entscheidung ging explizit von der 37-jährigen Künstlerin selbst aus.
Am Donnerstag wandte sie sich auf ihrem offiziellen Instagram-Kanal in einer Videobotschaft an ihre mehr als 600.000 Follower und verkündete ihren Rückzug mit einer Begründung, die vage, aber stimmig klingt: Es werde „viel Neues passieren“, und dieser Drang zur Veränderung lasse vorerst keinen Platz mehr für ihre eigene Show. Sie habe die Produktionsfirma und die Verantwortlichen beim Sender bereits über ihren Entschluss informiert.
Die ARD trifft das eiskalt: Mindestens eine weitere Aufzeichnung war für das laufende Jahr bereits fest eingeplant, wird nun aber nicht mehr realisiert werden. Man gibt sich beim Sender allerdings professionell dankbar: Clemens Bratzler, Programmdirektor Information, betonte in einem Statement, dass es „zu Beatrice“ passe, sich „immer wieder neuen Herausforderungen stellen“ zu wollen. Man respektiere den Wunsch der Künstlerin, die „Reise“ an dieser Stelle zu beenden.
Beatrice Egli: Vom Format-Korsett zur neuen Freiheit?
Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass hier mehr als nur ein Terminkonflikt vorliegt. In der hiesigen TV-Landschaft, in der Sendeplätze oft wie Erbhofgüter verteidigt werden, ist das freiwillige Räumen eines Primetime-Slots ein Statement.
Ist für Egli, die sich zwischen klassischem Schlager und gegenwärtigem Charts-Pop verortet, das Korsett der moderierten Nummernrevue zu eng geworden? Sie sucht das „Neue“, was im Umkehrschluss doch wohl bedeutet, dass das Alte – die klassische Show mit Gästeliste und Small-Talk-Intermezzo – für sie auserzählt zu sein scheint.


