Neue Deutsche Härte

Rammstein-Lied „Sonne“: Darum wollten die Klitschko-Brüder den Song nicht haben

Vor 25 Jahren erschien eines der bekanntesten Rammstein-Lieder: „Sonne“. Eigentlich sollte es eine Boxkampf-Einlaufhymne werden. Doch daraus wurde nichts. Warum?

Kamen doch nicht zusammen: Till Lindemann  und die Klitschkos.
Kamen doch nicht zusammen: Till Lindemann und die Klitschkos.Fotoillustration: Roshanak Amini/Berliner Zeitung am Wochenende. Fotos: Imago

Kaum ein Rammstein-Lied hat so weite Kreise gezogen wie „Sonne“. Erschienen ist die euphorisch-krachige Midtempo-Ballade vor ziemlich genau 25 Jahren, am 12. Februar 2001, als erste Vorab-Single zur dritten Rammstein-Platte „Mutter“, die dann am 2. April 2001 folgen sollte.

Erstmals live ertönte „Sonne“ allerdings schon früher, am 16. April in Berlin im Knaack in Prenzlauer Berg. Zuletzt live gespielt haben Rammstein ihr Kultlied am 31. Juli 2024 in Gelsenkirchen „auf Schalke“.

Sagenhafte 570-mal hat die Ost-Berliner Schockrock-Band rund um Till Lindemann die Sonne insgesamt schon steigen lassen bei ihren Konzerten. Das wird noch übertroffen von mehr als 1300 Live-Darbietungen des Liedes durch andere Künstler, darunter natürlich Rammstein-Tribute-Bands, aber auch prominente „Sonne“-Coverversionen wie durch Heino und Balbina.

„Sonne“ ist (knapp nach „Du hast“) Rammsteins am zweithäufigsten gestreamter Song aller Zeiten – allein auf Spotify eine Dreiviertel-Milliarde Mal, also nur knapp unter der magischen Megahit-Schallmauer. Doch was viele gar nicht wissen: wie und wieso das Lied entstanden ist.

In Interviews haben sich Bandmitglieder dazu mehrfach geäußert, darunter auch Till Lindemann persönlich: „Das Lied ‚Sonne‘ war ja eigentlich als Kämpferlied gedacht“, erklärte Lindemann im Jahr 2001, „für die Klitschko-Brüder, zum Einzug in den Boxring.“

Der Ost-Berliner Schockrock-Band war offenbar zu Ohren gekommen, dass die ukrainischen Boxchampions eine neue Einlaufhymne brauchten. Ob es sich primär um Vitali (seit 2014 Bürgermeister von Kiew) oder Wladimir Klitschko handelte – darüber gehen die Aussagen schon auseinander: Meistens hieß es vonseiten der Band, dass Vitali die treibende Kraft hinter dem Ansinnen gewesen sei; Rammstein-Keyboarder Flake nannte allerdings auch Wladimir.

Am meisten zur „Sonne“-Entstehungsgeschichte geäußert hat sich im Lauf der Jahre Rammstein-Gitarrist Paul Landers. Demnach ist das Lied innerhalb von nur zwei Tagen entstanden. Beim Dichten der Lyrics hatte Lindemann nach eigenem Bekunden klar das Einschreiten eines Boxers in den Ring im Kopf, der dann die Hände Richtung Himmel reckt. Sogar der Arbeitstitel von „Sonne“ war „Klitschko“.

Rammstein: Die dreckigsten Fluggäste der Welt?

Letztlich wurde aber nichts daraus. „Sonne“, so Landers, sei dann doch „ein bisschen zu hart“ geraten für die Klitschkos. Zur Erinnerung: Wladimir Klitschkos Hymne war seinerzeit das vergleichsweise softe „Simply the Best“ von Tina Turner. Also nicht gerade Neue-Deutsche-Härte-Schockrock.

Andere Spitzensportler sahen das durchaus anders: Der Schwimmweltmeister Paul Biedermann gab einst im Interview mit Welt bekannt, vor Wettkämpfen zur Motivation Rammstein zu hören: „Franzi van Almsick stand auch auf Rammstein vor ihren Rennen, soweit ich das weiß.“

Beim offiziellen Musikvideo von „Sonne“, gedreht in Potsdam-Babelsberg, gingen Rammstein dann aber tatsächlich auch visuell und narrativ in eine andere Richtung, die nichts mehr mit den ursprünglichen Boxkampf-Ideen zu tun hat.

Stattdessen mimen Rammstein die sieben (beziehungsweise bei Rammstein sechs) Zwerge aus Grimms Märchen, aber mit extrabösem Twist: Im Video schürfen die Rammstein-Zwerge im Bergwerk Gold, das sich ein dominahaftes Schneewittchen (gespielt von der russischen Telenovela-Darstellerin Julia Stepanowa) als Droge in die Nase zieht und in die Blutbahn jagt – woran sie dann verendet, wenn auch nur vorübergehend.

Einen Haken hatte das Ganze: Rammstein mussten, um glaubhaft als Bergwerker rüberzukommen, ziemlich düster geschminkt werden. Das Make-up bekam man danach allerdings vor dem Flug nach Australien (für Festivals) offenbar nicht mehr ganz ab, wie sich Flakes Buch „Heute hat die Welt Geburtstag“ von 2017 entnehmen lässt: „Die Stewardessen im Flugzeug wunderten sich etwas über uns“, schreibt Flake, „wahrscheinlich hatten sie noch nie so dreckige Fluggäste an Bord gehabt.“


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