Bücherfrage der Woche

Karosh Taha stellt ihr drittes Buch vor - und liest noch von losen Blättern

Im Herbst soll der neue Roman von Karosh Taha erscheinen. Sie schreibt noch daran, mit einem Stipendium im Spreewald. Und liest am Mittwoch daraus vor.

Die Schriftstellerin Karosh Taha, hier während des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb)
Die Schriftstellerin Karosh Taha, hier während des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb)Annette Riedl/dpa

Die ersten beiden Romane von Karosh Taha, „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ (2018) und „Im Bauch der Königin“ (2020), wurden vielfach besprochen und ausgezeichnet. Für ihr drittes Buch ließ die Autorin sich Zeit – im Herbst 2026 soll es erscheinen. Nun kündigt der Bleiche-Literatursalon eine erste Lesung daraus an, denn Karosh Taha ist Preisträgerin des Spreewald-Literaturstipendiums 2025/26. Fragen wir sie: Wie fühlt es sich an, mit dem unveröffentlichten Buch vor ein Publikum zu treten?

Karosh Taha: Es ist nicht die allererste Lesung aus dem Manuskript von „Gulistan“. Aber diese ist schon dadurch besonders, dass es hier ein anderes Publikum ist als üblicherweise bei Lesungen. Die Leute sind in einem Spa-Hotel, um zu entspannen. Dann tauche ich dort mit meinem Text auf, der die Diktatur im Irak der 80er-/90er-Jahre und den Genozid an der kurdischen Bevölkerung zum Hintergrund hat.

Hinzu kommt, dass es sozusagen noch rohes Material ist. Es ist ein großer Unterschied, von losen Blättern zu lesen oder aus einem gedruckten Buch. Wenn man zum 20. Mal aus einem Buch vorliest, ist man auf manche Reaktionen schon eingestellt und automatisiert in den eigenen Antworten.

Eine Einladung ans Publikum zum Mitdenken

Dieser Text aber ist noch nicht durch viele verschiedene Hände gegangen, nicht durchs Lektorat, die Korrektur oder den Satz. Noch ist alles von mir. Es ist ein Werkstatttext, für mich hat es etwas sehr Ursprüngliches, dass man zum Blatt zurückkehrt und das vorliest, was man geschrieben hat. Und so möchte ich auch über Texte sprechen: Als Autorin nicht sofort eine Antwort zu haben, sondern noch in einem Nachdenkprozess zu sein, der das Publikum einlädt mitzudenken.

Das Stipendium umfasst einen Monat. Ich habe mir den Aufenthalt so gesplittet, dass ich die ersten zwei Wochen im Januar in der Bleiche bin und das Buch fertig schreibe – gerade bin ich an dem letzten Kapitel. Wenn ich im April wiederkomme, dann eventuell mit einem neuen Projekt, bevor der Roman im Herbst veröffentlicht wird. Ich habe ein paar Ideen für mein viertes Buch und werde die Zeit nutzen, zu schauen, in welche Richtung es geht.

Lesungen: 7. Januar, 18 Uhr „Gulistan“, 14. Januar, 18 Uhr „Im Bauch der Königin“. Literatursalon Hotel Bleiche Resort & Spa, Bleichestraße 16, 03096 Burg (Spreewald). Um Anmeldung wird gebeten: Tel. 035603–620 oder buchhandlung@bleiche.de