Bettina Cosack, Redaktionsleiterin: Stimmt schon, es geht um Weihnachtsgeschenke und Ostern ist fern, aber Hasen gehen eigentlich immer. Deshalb rate ich zu einem Feldhasenbuch. Chloe Dalton erzählt in „Hase und ich“ (Klett-Cotta; 304 Seiten, 22 Euro) eine umwerfende Geschichte und die ist auch noch wahr. Während des Corona-Lockdowns nämlich fand die Britin beim Spazierengehen ein Hasenjunges, winzig klein und offensichtlich verwaist. Sie nimmt das Tier zu sich, um es aufzupäppeln und wieder freizulassen. Weshalb Hase auch immer Hase heißen wird und keinen Namen bekommt, so viel Distanz muss sein. Ein Buch voller kluger Gedanken über eine spröde und doch innige Freundschaft zwischen Mensch und Tier, über den Respekt vor der Wildnis, die Freiheit und das Loslassen.
Durchaus ein Stück Lesearbeit und dabei ein eindringliches Meisterwerk: Anja Kampmanns Hamburg-Roman „Die Wut ist ein heller Stern“ (Carl Hanser; 496 Seiten, 28 Euro). Hedda Möller, die Ich-Erzählerin, hat sich einen Job als Artistin und Sängerin im „Alcazar“ auf der Reeperbahn erkämpft. Es sind die Jahre zwischen 1933 und 1937, immer mehr Nazis sitzen im Publikum, dominieren mehr und mehr das Hafenviertel; Heddas Geliebter, Kommunist und Boxer, kommt ins KZ. Es wird düster und gefährlich. Und manche Passagen mit wütend-wild-poetischem Rhythmus muss man mehrfach lesen, so ergreifend sind sie.
Im April ist die von mir sehr verehrte Jane Gardam mit 96 Jahren gestorben. Klug, bissig und witzig sind alle ihre Romane und auf tröstliche Art altmodisch-britisch. Posthum ist ein Werk aus dem Jahr 1976 auf Deutsch erschienen – „Tage auf dem Land“ (Hanser; 273 Seiten, 24 Euro). Im Mittelpunkt: Marigold, 17, Tochter des Direktors eines Jungeninternats in der Provinz. Sie lebt als einziges Mädchen dort. Was natürlich zu adoleszenten Verwicklungen führt.

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