Die Volkskundlerin und Museumsdirektorin Uta Bretschneider soll neue Leiterin des geplanten Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle werden. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtete, will sich das Bundeskabinett in der kommenden Woche mit der Personalie befassen. Mehrere voneinander unabhängige Quellen hätten die Entscheidung bestätigt.
Im Anschluss an die Kabinettssitzung soll die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), die künftige Programmdirektorin offiziell vorstellen. Aus ihrem Umfeld hieß es zuletzt, man wolle sich vor der Entscheidung nicht äußern. Der Amtsantritt Bretschneiders ist dem Bericht zufolge für Anfang Mai vorgesehen.
Bretschneider gilt als ausgewiesene Expertin
Die 41-jährige gebürtige Sächsin leitet derzeit das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig, eine Außenstelle der Stiftung Haus der Geschichte. Dort verantwortet sie Ausstellungen zur deutschen Teilung, zum Alltag in der DDR und zur Wiedervereinigung. Das Haus setzt dabei bewusst auf einen niedrigschwelligen Zugang und verbindet historische Darstellung mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten.
Bretschneider gilt als ausgewiesene Expertin für ostdeutsche Alltagskultur und Transformationsprozesse nach 1990. Sie studierte Volkskunde, Kulturgeschichte und Soziologie in Jena und wurde 2014 promoviert. Stationen ihrer Laufbahn waren unter anderem das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden sowie die Leitung des Hennebergischen Museums Kloster Veßra in Thüringen. Seit 2020 steht sie an der Spitze des Zeitgeschichtlichen Forums.
Auch durch ungewöhnliche Forschungsansätze machte sie auf sich aufmerksam: Für ein Buchprojekt zur Alltagskultur in Ostdeutschland führte sie Interviews in Erotikläden und absolvierte dafür auch ein Praktikum in einem Sexshop. Die Studie versteht sich weniger als wertende Analyse denn als Sammlung von Lebensgeschichten und Perspektiven aus gesellschaftlichen Nischen.
Das Zukunftszentrum in Halle ist eines der größten derzeit geplanten Bundesprojekte in Ostdeutschland. Die Baukosten werden auf rund 277 Millionen Euro veranschlagt. Das Zentrum soll sich den Folgen der deutschen Einheit sowie den Transformationsprozessen in Deutschland und Europa widmen und dabei Forschung, Ausstellungen, Dialogformate und kulturelle Angebote miteinander verbinden.
Bestehendes Kernteam
Mit der Berufung Bretschneiders verbindet sich die Erwartung, das bislang eher abstrakt formulierte Konzept mit konkreten Inhalten zu füllen. Zu ihren zentralen Aufgaben wird es gehören, ein inhaltliches Gesamtkonzept zu entwickeln und die programmatische Ausrichtung der Einrichtung festzulegen.
In Halle trifft sie auf ein bereits bestehendes Kernteam sowie auf den kaufmännischen Direktor Holger Lemme, mit dem sie eine Doppelspitze bilden soll. Bretschneider wird dabei als Sprecherin der Geschäftsführung das Zentrum nach außen repräsentieren.
