Sie sind keine Musiker, diese 25 Leute aus der Rohkunstbau-Gemeinde, die in der Spandauer Zitadelle die Ausstellungräume des Zentrums für Aktuelle Kunst bezogen haben. Sie sind Maler und Objektkünstler, haben aber für ihre Gruppenschau den Kultsong-Titel des kanadischen Poeten Ron Sexsmith „Whatever shape your heart is in“ (auf Deutsch: „Egal wie es um dein Herz steht“) gewählt. Der endet mit der Strophe: „Der Kampf muss erneut gewonnen werden.“
Übersetzt in Kunst soll das besagen, nicht mit politischen Losungen aktiv zu werden, sondern mit einer eindringlichen, berührenden Bildsprache gegen die aktuellen Krisen, Kriege, gegen Hass und Gewalt Zeichen zu setzen. Die 25 Künstlerinnen und Künstler haben über die Jahre sowohl am Berliner Künstlerhaus Bethanien gewirkt und auch bei der schon 1994 gegründeten, längst zu internationalem Ansehen gelangten alljährlichen brandenburgischen Sommerschau „Rohkunstbau“ ausgestellt.
Schwierige Gegenwart: Wie die Kunst Einspruch erhebt
Jetzt bricht Rohkunstbau, diesen Sommer wieder auf Schloss Altdöbern in der Lausitz zu finden, aus dem gewohnten Ritual aus, bewusst alte Schlösser in der märkischen Provinz zum Kulturleben zu erwecken. Der Verein schlägt eine Kunstbrücke in die Hauptstadt, ins Zentrum für Aktuelle Kunst (ZAK) in der Alten Kaserne der historischen preußischen Wehranlage in Spandau.
In dieser friedlich genutzten, geradezu romantisch wirkenden alten Militäranlage und angesichts der von immer schwerer lösbaren Konflikten, Widersprüchen und Zukunftsängsten überzogenen Welt erhebt die Kunst an Wänden, auf den Fußböden Einspruch. Und Anspruch auf Gegenentwürfe als Maßstab humanistischen, vernünftigen Handelns der Mächtigen.

Es sind vor allem Künstler jüdischer Herkunft, die bildstark das Wort erheben: Sie heißen, um nur einige zu nennen: Rachel Kohn und Miguel Rothschild, Emmanuel Bornstein und Dikla Stern, Yehudit Sasportas und Sahar Zukerman. Sein „Brennender Dornbusch“ vereint in mit Buntstiften aufs Papier gesetzten Kompositionen popkulturelle Zeichen und Bilder aus der Netzwelt mit der Symbolik biblischer Mythen, so dem zentralen Motiv aus dem Alten Testament: dem brennenden Dornbusch.
Zukerman aus Tel Aviv, Wahlberliner, lässt den Ölbaum von Feuer und Rauch verschonen, er verweist so auf Schönheit statt Zerstörung, Flora statt menschlicher Aggression. Er wünscht sich nichts so sehr wie Frieden für seine alte Heimat und für die Nachbarn im Nahen Osten.


