Über 30 Milliarden Euro Umsatz macht die Supermarktkette Rewe im Jahr, ein kleiner, aber steter Teil fließt auch aus meinem Portemonnaie in die Bilanz. Ich bin einer von diesen Büromenschen, die in der Mittagspause dem Salatbüfett zusprechen: ein paar Blätter, ein paar Linsen, ein halbes Ei oder diese eingelegten Tofustreifen, an guten Tagen gibt es auch Avocadowürfel.
Man sollte es nicht zu oft machen, sonst schmecken bei den Würzmischungen in den Dressings die Industriestandards vor. Und in meinem Fall muss auch das Wetter stimmen, weil ich gleich hinter der Filiale eine Sonnenbank habe, wo ich die selbst kreierte Produktmischung direkt aus der Pappschüssel in mich hineingabele – mit einer kostenlosen Holzgabel, die ich jedes Mal mit einem Anflug von schlechtem Gewissen verwende, weil ich immer wieder vergesse, mir eine von zu Hause mitzubringen.
Ich tröste mich über meine Wegwerfsünde damit hinweg, indem ich den Kunststoffdeckel weglasse. Und hier wurzelt der Konflikt. Wenn ich bei den Selbstbedienungskassen den Salat abwiege, eilt jedes Mal ungerufen eine Fachkraft herbei, um mir einen Musterdeckel auf die Waagschale zu schieben. Ich bedanke mich artig, aber beim dritten Mal frage ich, was das eigentlich soll. Die Fachkraft macht keinen Hehl daraus, dass sie mein Vorgehen unter hygienischen Gesichtspunkten schon für kritikwürdig hält. Aber das sei meine Sache, hier gehe es um das Gewicht des Deckels. Sie erklärt mir den Begriff „Tara“, den ich schon kenne.
Verdauungsstörungen
Der Deckel wiegt keine zehn Gramm, schlägt also mit gut einem Cent zu Buche. Er ist leichter als ein kräftiges Feldsalatbüschelchen, an dem noch das Tauwasser haftet. Wenn sie mir das nächste Mal damit kommt, werde ich vor ihren Augen eine Salatgurkenscheibe aus meinem Pappschüsselchen fingern, um so das Gewicht wieder auszugleichen – und der Mitarbeiterin beispielhaft den Streitwert vor Augen führen. Die Holzgabelgroßzügigkeit, die der Konzern selbstverständlich einkalkuliert hat, wird mit dieser Pedanterie konterkariert.


