Ostern in Berlin

Wahnsinn Supermarkt: Das sagt ihr Umgang mit Warentrennern über den Charakter aus

Ein langes Osterwochenende steht bevor. An Supermarktkassen spielen sich Szenen des Grauens ab: Fünf Arten von Kunden, die daran schuld sind. Eine Glosse.

Eine Kassiererin zieht Waren über einen Scanner.
Eine Kassiererin zieht Waren über einen Scanner.Sven Hoppe/dpa

Einkäufe vor langen Wochenenden in krachend vollen Supermärkten sind doch etwas Herrliches. Jedenfalls für Psychologen mit dem Forschungsschwerpunkt menschliches Verhalten an der Supermarktkasse. Zu den dankbaren, da bisher kaum beachteten Themen gehört dabei der Umgang mit dem Warentrenner. Der provoziert ständig Probleme. Und nervt. Jetzt, rechtzeitig vor dem Osterwochenende, hat eine Kassiererin ihrem Ärger darüber auf der Plattform Reddit Luft gemacht.

Ständig komme es vor, dass Kunden nicht mit einem Warentrenner ihre Ware abtrennten, was immer wieder dazu führe, dass ein zeitraubendes Storno fällig werde, weil Produkte auf dem Kassenband falsch zugeordnet wurden. „Gehört das noch zu Ihnen?“ Diese Frage ist fester Bestandteil der Mitarbeiter-Rhetorik.

Zum Extremsport wird der Kassenjob, wenn ein Pfandbon mangels Warentrenner durch den Schlitz am Ende des Bands flutscht und die Mechanik auseinandergenommen werden muss, damit der unachtsame Kunde doch noch in den Genuss der 25 Cent Guthaben kommt. Trotz dieser handwerklichen Glanzleistung darf sich das Kassenpersonal danach anschnauzen lassen, weil bei den Wartenden die Nerven blank liegen.

Fundierte Studien zu diesen Verhaltensweisen sind bislang nicht zu finden, zumindest nicht mittels Suchmaschine im Internet, womit man ja sonst jeden Blödsinn findet. Immerhin konnte eine Umfrage unter 1082 Menschen zu ihren Konsumgewohnheiten aus dem Jahr 2016 als Randaspekt herausarbeiten, dass sich 57,2 Prozent der Befragten dafür aussprechen, den Warentrenner hinter den eigenen Einkauf zu legen. 16,3 Prozent platzieren ihn lieber davor. 26,7 Prozent sagen: „Ist mir doch egal.“ Die letzte Gruppe lässt sich in fünf Typen untergliedern.

1. Die Viren-Neurotiker

Dieser Typus hat sich während der Corona-Pandemie dramatisch vermehrt. Solcherlei Supermarktkundencharaktere informieren sich permanent im Internet über mögliche gesundheitliche Risiken und haben irgendwann mal irgendwo etwas darüber gelesen, dass Sars-CoV-2 auf Plastik im Extremfall bis zu 199 Stunden überlebt. Vor lauter Entsetzen über diesen Umstand haben sie nicht mitbekommen, dass sich der Erreger – Experten zufolge – selten über Kontakt- und meist über Tröpfcheninfektion verbreitet. Ebenso wenig scheinen sie sich in ihrer akuten Hysterie daran zu erinnern, dass an ihrem Rucksack ein Fläschchen mit Desinfektionsmittel kopfüber baumelt. Dessen Inhalt verteilen sie gewohnheitsmäßig nach dem Einkauf auf der mutmaßlich kontaminierten Haut. Trotz aller klinischen Hygiene: Der Warentrenner ist und bleibt igitt.

2. Die Freizeitpädagogen

Dieser Typus geht mit dem Viren-Neurotiker eine charakterliche Symbiose ein. Das Supermarkterlebnis des Freizeitpädagogen erfährt seine finale Krönung, wenn er am Kassenband einem Mitmenschen begegnet, der den Warentrenner nicht hinter seiner Ware ablegt, sondern davor oder gar nicht. Im Innern freudig erregt, gibt er sich äußerlich teilnahmslos und verfolgt aus dem Augenwinkel, wie sich die imaginäre Trennlinie zwischen seinem und dem anderen Einkauf auf die Kassiererin zubewegt. Unaufhaltsam vom Piep-Piep-Piep des Scanners begleitet, fruchtet seine erzieherische Maßnahme. Hektisch beginnt die Person vor ihm zu hantieren, um zu verhindern, dass sich beide Sphären auf dem Kassendisplay vermischen. Wirkliche Genugtuung aber verspürt er erst, wenn es zum Äußersten kommt: „Storno an Kasse 2!“

3. Die Beuteltiere

Sie sind selten geworden, aber nicht ausgestorben. Die Beuteltiere verzichten grundsätzlich auf Einkaufswagen oder Korb, egal wie umfangreich ihre Besorgungen sind. Ob sie ein Subtyp des Viren-Neurotikers sind oder eine eigenständige Gruppe bilden, ist abschließend noch nicht geklärt. Jedenfalls stopfen sie die Ware in mitgeführte Tragetaschen. Damit behängt, eiern sie zur Kasse. Sind sie an der Reihe, legen sie jede Mandarine einzeln vor der Kassiererin ab. Das Band steht währenddessen still. Warentrenner? Überflüssig.

5. Die Smartphone-Junkies

Ihnen möchte man permanent zurufen: Nehmt am Leben teil! Den Blick auf ihrem Smartphone festgeklebt, erledigen sie ausgerechnet an der Kasse im Vorgriff auf die nächsten fünf Stunden ihre kommunikativen Vorhaben. Vom Räuspern der Mitwartenden rhythmisch vorangetrieben, stehen sie irgendwann vor der Kassiererin. Völlig überrascht sind sie dann, dass sie am Ende ihres Einkaufs auch noch bezahlen müssen. Das erledigen sie, halb in Trance – klar: mit ihrem Smartphone.

5. Die Zerstreuten

Sie stehen bereits an der Kasse, haben ordnungsgemäß ihr Zeug aufs Band gelegt, als ihnen einfällt, dass sie etwas vergessen haben. Daraufhin quetschen sie sich an der Schlange vorbei, Entschuldigungen murmelnd, rennen ins Ladeninnere und kehren nach Minuten außer Atem zurück. Der Warentrenner bleibt auf der Strecke beziehungsweise am Rand des Kassenbands in Reih und Glied liegen. Ähnlich verhält es sich mit den Kleingeld-Abzählern, die vor lauter Herumstochern in ihrem Portemonnaie alles andere um sich herum vergessen. Natürlich auch den Warentrenner.

Über langwierige Bezahlvorgänge hat sich dann auch die entnervte Kassiererin auf Reddit beschwert. Umständliches Getue mit Bankkarten ist offenbar ein ständiges Ärgernis in ihrem Job. Puls und Blutdruck der Beschäftigten erreichen ungeahnte Höhen, wenn Kunden Kreditkarten ohne Unterschrift vorlegen. Die betreffenden Personen werden dazu angehalten, sich auszuweisen. Können sie das nicht, fragen sie oft nach einem Stift, um nachträglich zu unterschreiben. Es kommt zu einem lebhaften Meinungsaustausch über Sinn und Zweck solcher Regelungen. Vor einem langen Osterwochenende in einem krachend vollen Supermarkt ist so etwas besonders schön.