Musik

Doku zu Herbert Grönemeyers 70. Geburtstag: „Demokratie ist nicht wie Zähne putzen“

Der Musiker wird 70 Jahre alt und die ARD würdigt sein Lebenswerk mit einer 90-minütigen Doku. Darin geht es um seinen Aufstieg und sein politisches Engagement.

Am 12. April feiert Herbert Grönemeyer seinen 70. Geburtstag.
Am 12. April feiert Herbert Grönemeyer seinen 70. Geburtstag.IMAGO/Agentur Wehnert/René du Vinage

Es gibt nur wenige Künstler, die alt und jung gleichermaßen begeistern können, wie Herbert Grönemeyer. Seit über 40 Jahren füllt Grönemeyer die großen Hallen und Arenen dieses Landes und engagiert sich für politische Themen. Er könnte schon längst in Rente gehen, doch in Grönemeyer schlummert dieser unstillbare Drang, sein Publikum auch mit 70 Jahren noch zu begeistern. Jetzt ist pünktlich zum runden Geburtstag eine ARD-Dokumentation über ihn erschienen. Darin verneigen sich seine Weggefährten vor dem Musiker und seinem Lebenswerk.

Zu Beginn seiner Bühnenkarriere versuchte sich Grönemeyer auch als Schauspieler. In einem alten Interviewclip sagt der Theaterregisseur Peter Zadek über Grönemeyer: „Ich fand ihn nie einen sehr guten Schauspieler.“ Es habe ihn nie interessiert, irgendetwas anderes darzustellen. Er wollte immer er selbst sein, so Zadek. Trotzdem engagierte ihn der Regisseur Wolfgang Petersen für seinen Welterfolg „Das Boot“ im Jahr 1981, wo er in der Rolle des Leutnants Werner Kinogeschichte schrieb.

Zu diesem Zeitpunkt hat Grönemeyer bereits seine ersten beiden Alben „Grönemeyer“ und „Zwo“ veröffentlicht. Der erste große Erfolg gelang ihm mit seinem fünften Studioalbum „4630 Bochum“, mit dem er seiner Heimatstadt ein musikalisches Denkmal schuf. „Männer“, „Bochum“, „Flugzeuge im Bauch“ oder „Mambo“ sind bis heute Grönemeyers ikonischste Lieder, und allesamt befinden sie sich auf diesem legendären Album.

Von da an ging es für ihn steil bergauf. Die folgenden Jahre beschreibt der Musiker als einen Dauerrausch, in dem er von Albumerfolg zu Albumerfolg und von Tour zu Tour stürzte. Der große Schicksalsschlag kam für Grönemeyer im Jahr 1998, als seine Frau Anna Henkel, die er Ende der 70er-Jahre bei einem Filmdreh kennenlernte, an Brustkrebs verstarb. Ihr widmete er das Album „Mensch“, mit dem sich Grönemeyer 2002 neuerfand.

„Mensch“: Grönemeyers größter Erfolg

War Grönemeyer zuvor für energetische Texte und Kompositionen bekannt, schlug er mit „Mensch“ neue Töne an. Das titelgebende Lied schrieb er unter dem Einfluss seiner privaten Schicksalsschläge. Mindestens genauso genial wie Grönemeyers Text ist auch das zugehörige Musikvideo mit dem Eisbären am Strand im stürmischen Wind. „Mensch“ wurde zu Grönemeyers erfolgreichstem Album und ist sogar nach Verkäufen bis heute das zweiterfolgreichste Album in Deutschland.

In der ARD-Dokumentation erzählt Grönemeyer, dass er Jahre gebraucht hat, um den Verlust seiner Frau zu verarbeiten. Zur WM 2006 wurde es dann wieder schrill im Leben von Herbert Grönemeyer. Bei der Eröffnungsfeier der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land sang Grönemeyer sein Lied „Zeit, dass sich was dreht“. Es war die offizielle Fifa-Hymne zu WM, die er zusammen mit dem Musikduo Amadou & Mariam aufnahm.

Schon mit früheren Lieder wie „Männer“, wollte Grönemeyer ein politisches Statement setzen, doch erst in späteren Jahren begann er, verstärkt politisch aufzutreten. „Demokratie ist nicht wie Duschen oder Zähne putzen“, sagt Grönemeyer in der ARD-Doku und beklagt dabei den Rechtsruck in Deutschland. Sein politisches Engagement schlägt sich dann auch in seiner Musik nieder.

„Jeder braucht seinen Fluchtpunkt/ Seinen Platz, 'ne zweite Heimat“, heißt es in einem Lied, das er zusammen mit dem Rapper Brkn aufnahm. Es gab dem Album „Doppelherz“ aus dem Jahr 2018 den Titel. Die Botschaft ist klar: Deutschland ist ein weltoffenes Land und bestehe, so Grönemeyer in der Doku, aus ganz vielen, eigenen Deutschlands. Für sein Engagement wird er nicht nur bei seinen Fans, sondern auch von anderen Musikern wie seinem irischen Kollegen Bono geschätzt, der in dem ARD-Film ebenfalls zu Wort kommen darf und dabei ein Glas alkoholfreies Guinness trinkt.

Dem Musiker gelingt es nach so vielen Jahren im Geschäft, immer wieder auch die jüngeren Generationen zu erreichen. Die 24-jährige Paula Hartmann tritt in der Doku  auf und man sieht auch den Rapper Soho Bani, der Grönemeyer WM-Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ im Jahr 2024 neu interpretierte und sie zu einer Anti-Rechts-Hymne bog. Auch Grönemeyer konnte sich damals nicht verkneifen, mit dem neuen Erfolg des Liedes ein politisches Statement zu setzen: Er forderte die CDU und ihren Kanzlerkandidaten Friedrich Merz dazu auf, seinen Song künftig nicht mehr im Wahlkampf zu verwenden. 

Grönemeyer – Alles bleibt anders. Bis zum 07. April 2028 in der ARD-Mediathek