Das Kernkraftwerk Saporischschja im Südosten der Ukraine ist das größte in Europa und seit 2022 von Russland besetzt. Im Krieg wurde das Atomkraftwerk schnell zu einem zentralen Symbol einer erneut aufflammenden nuklearen Bedrohung. Saporischschja wird beschossen, Reaktoren gehen vom Netz; die Angst vor einer nuklearen Katastrophe ist wieder omnipräsent. Über jene Bedrohung, die von der Besetzung des Atomkraftwerks ausgeht, berichtet der Filmemacher Pavel Cherepin in einer Dokumentation, die seit Montag in der Arte-Mediathek abrufbar ist.
Nach Beginn des russisch-ukrainischen Krieges nehmen russische Streitkräfte Tschernobyl ein, darauf dann das Kernkraftwerk Saporischschja. Die dortigen Arbeiter kümmern sich trotz der russischen Okkupation weiter um das Kraftwerk. Viele bangen in dieser Ausnahmesituation um ihr Leben: Das Kraftwerk wird von einer fremden Armee besetzt, es steht unter Beschuss, Brände brechen aus. Die Zukunft der Arbeiter im Atomkraftwerk ist wie der Verlauf des Krieges selbst: ungewiss.
Die vom RBB und der Deutschen Welle produzierte Dokumentation „Inside Saporischschja – Ein Atomkraftwerk im Krieg“ erzählt anhand verschiedener Protagonisten über die Besetzung des Kraftwerks. Einer davon ist Serhij Romanjuk, der als stellvertretender Leiter der Abteilung Nukleare Sicherheit im Kraftwerk agierte. In Interviewsequenzen berichtet er von Bedrohungen durch russische Soldaten und Folter, von heißen Bügeleisen, die ihm auf den Körper gedrückt wurden.
Begleitet wird auch Rafael Mariano Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), der in das besetzte Atomkraftwerk fährt, um sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage zu machen. Empfangen wird er dort von den Mitarbeitern des Kraftwerks, die seit Monaten unter der russischen Okkupation arbeiten müssen.


