Eine bunte Mangrovenkrabbe kann Lichtstrahlen aus ihren Augen blitzen lassen – so wirkt es zumindest auf Betrachter. Tatsächlich werden Lichtstrahlen von speziellen Strukturen auf dem Kopf der Krabbe reflektiert und gebündelt, ähnlich wie von den gekrümmten Reflexionsflächen hinter den Lampen von Autoscheinwerfern, wie ein Forscherteam im Fachjournal Ecology berichtet. Die Signale sind demnach für potenzielle Partner oder Rivalen bestimmt.
Die Forscher um Peter Todd von der National University of Singapore hatten Krabben der Art Parasesarma eumolpe in einem Mangrovenwald in Singapur beobachtet und dann mit ins Labor genommen. Dort wurde den nur wenige Zentimeter großen Tieren auf die farbig pigmentierten Bänder im Gesicht geleuchtet, die ein bisschen wie Augenbrauen wirken. Männchen haben blaue und Weibchen grüne Streifen, die jeweils etwa sechs Millimeter breit und 1,6 Millimeter hoch sind.
Das meiste auf einen solchen Streifen treffende Licht werde als eng gebündelter Strahl nach vorne reflektiert, erklären die Forscher. Stehe eine Krabbe im typischen Abstand von fünf bis 50 Zentimetern vor einem Artgenossen, erreiche ein Großteil der Strahlen dessen Augen. Der Streifen erscheint dann wesentlich heller als der Rest des Gegenübers.
Artgenossen mit hell strahlendem Streifen sind besonders beliebt
In den Laborexperimenten bekamen einzelne Krabben Bilder von Artgenossen mit solchen Reflexionen gezeigt. Sie nähern sich demnach lieber Tieren mit besonders hell strahlendem Streifen. Das Team nennt auch einen möglichen Grund: Die Pigmente der reflektierenden Zonen stammen aus Carotinoiden in der Nahrung. Sie verblassen, wenn die Krebse ausgehungert sind, geben also einen Hinweis auf den körperlichen Zustand des jeweiligen Tieres. Wer hell leuchtet, wirkt wahrscheinlich besonders fit und attraktiv.
Die Art Parasesarma eumolpe ist in den Mangrovenwäldern der Indopazifikküsten weit verbreitet, wie die Wissenschaftler erläutern. Gerade in solchen lichtarmen Umgebungen könne es von Vorteil sein, die Intensität visueller Signale gezielt zu verstärken, schreiben sie. Die Krabben könnten ihre Botschaften aus sicheren Verstecken recht weit senden – und verminderten so das Risiko, von irgendeinem der vielen Räuber erbeutet zu werden.


