Betreiber zieht nach Ungarn

TurkStream: Serbien nutzt EU-Ausstieg für neuen Gas-Deal mit Russland

Während die EU den Gas-Ausstieg ab 2027 vorbereitet, verlängert Belgrad den Liefervertrag mit Moskau über TurkStream. Warum geht Serbien diesen Weg?

Der Kreml-Chef Wladimir Putin trifft sich am 2. September 2025 im Gästehaus Diaoyutai in Peking mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić (Symbolbild).
Der Kreml-Chef Wladimir Putin trifft sich am 2. September 2025 im Gästehaus Diaoyutai in Peking mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić (Symbolbild).Maxim Shemetov/Pool/AFP

Während die EU den Ausstieg aus russischem Pipeline-Gas bis Ende 2027 vorbereitet, sichert sich Serbien weiter Lieferungen aus Russland. Präsident Aleksandar Vučić kündigte kurz vor Weihnachten an, dass Belgrad die Gasimporte aus Russland bis mindestens Ende März 2026 verlängert hat. Geliefert wird weiterhin über die Schwarzmeer-Pipeline TurkStream.

„Wir haben ein Abkommen über die Verlängerung der Gaslieferungen um weitere drei Monate geschlossen, damit die Menschen sicher sind und ruhig schlafen können“, sagte Vučić dem staatlichen serbischen Sender RTS. Serbien hatte ursprünglich gehofft, bereits im Mai dieses Jahres einen neuen langfristigen Vertrag mit Russland abzuschließen.

Trotz EU-Ausstieg: Serbien setzt weiter auf russisches Gas

Serbien deckt seinen Gasbedarf nahezu vollständig mit russischen Lieferungen. 2024 lag der Verbrauch bei rund 2,65 Milliarden Kubikmetern – fast vollständig importiert aus Russland. Seit 2021 erfolgt die Versorgung über den südlichen Korridor: durch die Türkei, Bulgarien und weiter nach Serbien über TurkStream.

Das Energieabkommen fällt in eine Phase zunehmenden politischen Drucks aus dem Westen. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland wird durch die Situation rund um das serbische Energieunternehmen NIS belastet. NIS gehört mehrheitlich der russischen Gazprom Neft, einer Tochter von Gazprom, und wurde Anfang 2025 auf die US-Sanktionsliste gesetzt. Auch die EU hat Gazprom Neft durch das 19. Sanktionspaket im Oktober 2025 umfassend sanktioniert.

Warum Serbien russische Gaslieferungen kurzfristig verlängert

Die US-Regierung fordert von Serbien zudem einen vollständigen Abzug russischen Kapitals. Der Kreml-Chef Wladimir Putin äußerte sich kürzlich dazu und verwies auf bestehende bilaterale Abkommen mit Belgrad. Sollte Serbien diese nicht einhalten, stelle sich die grundsätzliche Frage nach Investitionssicherheit, sagte Putin in der Jahrespressekonferenz am 19. Dezember.

Dass Belgrad den Vertrag erst mal nur bis Ende März 2026 verlängert, ist daher ein Teil einer bewussten Taktik. Serbien vermeidet langfristige Festlegungen, um sich politischen und wirtschaftlichen Spielraum zu erhalten – sowohl gegenüber Moskau als auch gegenüber dem Westen. Als Nicht-EU-Mitglied ist das Land nicht an den geplanten europäischen Ausstieg aus russischem Pipeline-Gas ab 2027 gebunden, steht aber unter wachsendem Druck aus Washington und Brüssel.

Die kurzfristige Verlängerung erlaubt Belgrad, die Gasversorgung über den Winter abzusichern, ohne sich langfristig festzulegen oder neue Sanktionen zu provozieren. Während EU-Staaten wie Ungarn oder die Slowakei ihre Lieferverträge mit Gazprom spätestens zum 1. November 2027 nun auslaufen lassen sollen, kann Serbien weiter ohne offenen Bruch mit der EU mit Moskau verhandeln.

Ungarn rückt nach – Betreiber von TurkStream zieht um

Im Hintergrund verändert sich auch die Organisation rund um TurkStream. Der Betreiber des Offshore-Abschnitts, South Stream Transport, soll nach Angaben der ungarischen Regierung seinen Firmensitz aus den Niederlanden nach Ungarn verlegen. Zuvor hatte ein Gericht in Amsterdam Vermögenswerte des Unternehmens auf Antrag eines ukrainischen Energieunternehmens, hinter dem der Milliardär Rinat Achmetow steht, vorläufig einfrieren lassen, wie die Berliner Zeitung berichtete.

Ungarns Außenminister Péter Szijjártó begrüßte Anfang Dezember den Umzug ausdrücklich. Die Arbeit des Pipelinebetreibers werde durch Sanktionen nicht eingeschränkt, erklärte er. Ungarn zählt zu den entschiedensten Gegnern eines schnellen Gas-Ausstiegs und bleibt ein zentraler Transit- und Abnehmerstaat.

Russisches Gas verschwindet also erst mal nicht komplett vom europäischen Markt. Es wird in Länder außerhalb der EU-Sanktionsarchitektur umgeleitet, wie etwa nach Serbien. Der neue Gas-Deal ist deshalb mehr als eine kurzfristige Vertragsverlängerung. Er markiert eine Neuordnung der europäischen Gaslandschaft – mit einer neuen Trennlinie zwischen EU und Nicht-EU.

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