Europa

Deutsche Wirtschaft: Mit Polen läufts, mit Ungarn gibt es Probleme

Der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft lobt Polen, kritisiert Ungarn und zeigt Ernüchterung in Bezug auf die Ukraine.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban spricht bei seiner jährlichen Pressekonferenz in Budapest.
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban spricht bei seiner jährlichen Pressekonferenz in Budapest.Marton Monus/dpa

Der Außenhandel Deutschlands mit Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien ist 2025 überdurchschnittlich gestiegen. Das Handelsvolumen mit den 29 Zielländern des Ost‑Ausschusses wuchs um 3,4 Prozent auf gut 550 Milliarden Euro und damit etwas stärker als der deutsche Außenhandel insgesamt (+2,4 Prozent). Das belegen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Gesamtjahr 2025, die der Ost-Ausschuss ausgewertet hat.

„Mercosur oder Indien mögen in Zukunft wichtig werden – die Gegenwart heißt Mittel- und Osteuropa“, sagte die Ost‑Ausschuss‑Vorsitzende Cathrina Claas‑Mühlhäuser am Dienstag bei einer Pressekonferenz des Verbands in Berlin.

Insgesamt erhöhten sich die deutschen Exporte in die Ost-Ausschuss-Region um 3,3 Prozent auf 288 Milliarden Euro. Fast jedes fünfte deutsche Exportprodukt geht in die Länder dieser Region, nur jedes 50. in die Mercosur-Staaten und nach Indien. Allein die Ausfuhren nach Polen und Tschechien legten im Vorjahr um fast neun Milliarden Euro zu, gefolgt von Slowenien, Rumänien und Kroatien. Die deutschen Exporte in die Ukraine stiegen 2025 um gut eine Milliarde Euro. Wieviel davon Rüstungsgüter sind konnte der Ostausschuss bei der Pressekonferenz nicht sagen.

Die Einfuhren aus Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien kletterten um 3,6 Prozent auf 262 Milliarden Euro. Belarus (-63 Prozent) und Russland (-13 Prozent) waren aufgrund der Sanktionen erneut die großen Verlierer im deutschen Osthandel. Das Exportvolumen nach Russland ist in den vergangenen Jahren von einst 60 Milliarden Euro auf acht Milliarden Euro gesunken. Claas‑Mühlhäuser erwartet nicht, dass sich die Entwicklung in absehbarer Zeit ändern wird. Sie räumte jedoch ein, dass Russland wegen der großen Landmasse im Agrar-Sektor auch in Zukunft weltweit Bedeutung haben werde.

Einer gemeinsam mit KPMG durchgeführten Umfrage zufolge erwarten 63 Prozent der befragten Unternehmen in den nächsten fünf Jahren einen steigenden Anteil der Region an ihrem Umsatz. 39 Prozent sehen die Region auf Sicht als einen ihrer wichtigsten Beschaffungsstandorte weltweit, und 41 Prozent planen innerhalb der nächsten zwölf Monate Investitionen dort. Der stellvertretende Ost‑Ausschuss‑Vorsitzende Philipp Haußmanns sagte: „70 Prozent der befragten Unternehmen schließen eine Produktionsverlagerung aus Deutschland kurzfristig aus, nur vier Prozent haben konkrete Pläne.“

Polen hat sich als viertgrößter Absatzmarkt Deutschlands vor Italien und China etabliert. Die deutsche Güterausfuhr nach Polen überstieg die Lieferungen nach China um fast 19 Milliarden Euro. Weniger gut läuft die Zusammenarbeit mit Ungarn, wo die Investitionssicherheit in „strategischen Sektoren“ wie Telekommunikation, Banken, Einzelhandel und Baustoffe für ausländische Unternehmen beeinträchtigt sei. Die deutschen Exporte dorthin sind 2025 um 1,6 Milliarden Euro beziehungsweise fünf Prozent gesunken. Ungarn wolle „nationale Champions“ aufbauen und sei daher ein schwieriger Partner. Die Vertreter des Ostausschusses bemühten sich, ihre Abneigung gegen Ministerpräsident Viktor Orbàn zu verbergen. Auch wenn es bewusst keine parteipolitische Festlegung gab wurde deutlich gesagt, man hoffe, dass die nächste Regierung auf den europäischen Pfad zurückkehre. Die Opposition von Péter Magyar wird von Brüssel unterstützt und will einen Kurswechsel in Ungarn.

Die Ukraine bleibt ein Hoffnungsträger, wenngleich die deutschen Unternehmen wegen Korruptions-Debatten und dubiosen Ausschreibungsmethoden nicht mehr so  euphorisch klingen wie noch vor wenigen Jahren. Daher will man auf Nummer Sicher gehen: So haben die deutschen Steuerzahler über den Bund seit Kriegsbeginn rund 50 Investitionsgarantien für Vorhaben in der Ukraine übernommen.

An die Bundesregierung und die EU appelliert der Ost-Ausschuss, bei der Mittelvergabe an die Ukraine oder andere Länder die Angebote der deutschen und europäischen Wirtschaft stärker zu berücksichtigen: „Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung mit Steuergeldern hilft und am Ende dann vorrangig China und andere Länder bei Ausschreibungen zum Zug kommen“, sagte Claas-Mühlhäuser.