ÖRR

Ostdeutsche mit Verantwortung im Westen: Marieke Reimann verlässt den SWR

In Rostock geboren, in Westdeutschland Karriere gemacht: Als Chefredakteurin hört sie allerdings zum Jahresende beim SWR auf – es fehle an „publizistischer Wirkkraft“.

Marieke Reimann sagt, ihr falle es schwer zu gehen, dennoch habe ihr in ihrer Funktion als Zweite Chefredakteurin etwas gefehlt.
Marieke Reimann sagt, ihr falle es schwer zu gehen, dennoch habe ihr in ihrer Funktion als Zweite Chefredakteurin etwas gefehlt.dts Nachrichtenagentur/imago

Sie ist schon die Zweite in ihrer Funktion, die geht: Marieke Reimann verlässt zum Jahresende den Südwestrundfunk (SWR) auf eigenen Wunsch. Das teilte die Landesrundfunkanstalt der Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am Freitagnachmittag mit. 

„Der Schritt fällt mir schwer, ist aber nach sehr langer Überlegung der richtige für mich“, schreibt die 37-Jährige diesbezüglich auf ihrem Instagram-Kanal. Als Chefredakteurin ist sie eine der wenigen Ostdeutschen in Führungsverantwortung im Westen. Die Entscheidung sei mit dem Ende ihres ARD-Vorsitzes gefallen. Nach dreieinhalb Jahren beim SWR will sie nun „beruflich neue Wege“ gehen.  

Chefredakteurin mit Ost-Biografie und ohne ÖRR-Hintergrund

Im November 2021 trat die gebürtige Rostockerin die Position als Zweite Chefredakteurin des SWR an. Währenddessen habe sie sich oft die Frage gestellt, inwieweit sie als Chefredakteurin eine publizistische Wirkkraft ausüben könne. Dabei sei ihr aufgefallen, dass sie sich mit allem, außer ausreichend mit der Berichterstattung selbst beschäftigen könne. „Das möchte ich in Zukunft ändern.“

Sie bedankt sich beim ARD-Intendanten Kai Gniffke und beim SWR-Programmdirektor Information Clemens Bratzler, die sie als Chefredakteurin mit Ost-Biografie und ohne öffentlich-rechtlichen Hintergrund eingestellt haben. Reimann nennt es „ein starkes Signal für Veränderung“. Diesen Gedanken der Transformation hätte sie gern aufgenommen und in der Zusammenarbeit mit ihren Kollegen auch intensiv gelebt, sagt sie.

Wie geht es in Zukunft weiter mit der Journalistin?

Auch wenn Reimann neue Wege einschlagen wird, möchte sie dem ÖRR treu bleiben, ihm weiterhin als schützenswertem Gut einer „pluralen, demokratischen Gesellschaft“ verbunden sein. Noch bis zum Jahresende wird sie dort als Hauptabteilungsleiterin einen Teil der Multimedialen Chefredaktion, mit über 400 Mitarbeitenden, verantworten. Und wer jetzt nach den genauen zukünftigen Schritten der Journalistin fragt, der bekommt von ihr noch folgende Antwort: „Erst mal nur mein Bett, und dann sage ich euch Bescheid.“

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