E-Mobilität

Nach Elektroauto-Rückruf bei Volvo: So gefährlich sind brennende Batterien wirklich

Neue Brandgefahr bei E-Autos: Der schwedische Autobauer Volvo muss tausende Fahrzeuge zurückrufen. Experten erklären, wie gefährlich die Stromer wirklich sind.

Kein Einzelfall: Immer wieder müssen Autobauer Elektroautos wegen Brandgefahr aus dem Verkehr ziehen.
Kein Einzelfall: Immer wieder müssen Autobauer Elektroautos wegen Brandgefahr aus dem Verkehr ziehen.Benjamin Nolte/dpa

Der schwedische Automobilhersteller Volvo muss mehr als 40.000 Elektroautos wegen Brandgefahr zurückrufen. Das teilte der Autobauer der Nachrichtenagentur Reuters am Montag mit. Grund sei, dass die Akkus der Fahrzeuge überhitzen könnten. Betroffen seien 40.323 Fahrzeuge vom Typ EX30, dem Flaggschiff-Elektro-SUV von Volvo.

Es ist nicht der erste Fall, dass ein Hersteller E-Autos wegen möglicher Brandrisiken aus dem Verkehr ziehen muss. Erst Ende des vergangenen Jahres hatte der französisch-amerikanische Autokonzern Stellantis weltweit 375.000 Fahrzeuge seiner Marke Jeep zurückgerufen – ebenfalls wegen der Gefahr brennender Batterien. Zudem kam es in der Vergangenheit wiederholt zu folgenschweren Brandunfällen durch Elektroautos – unter anderem 2024 in Südkorea, als ein elektrischer Mercedes in einer Tiefgarage in der Hauptstadt Seoul Feuer fing und für einen Großbrand sorgte. Doch wie gefährlich sind die Stromer wirklich?

E-Auto-Rückruf könnte Volvo 165 Millionen Euro kosten

Laut Angaben von Reuters sollen bei dem Volvo-Rückruf die Module in den Hochvolt-Akkus des kompakten SUV ausgetauscht werden. „Wir kontaktieren derzeit die Besitzer aller betroffenen Fahrzeuge, um sie über die nächsten Schritte zu informieren“, sagte ein Sprecher von Volvo. Man werde die betroffenen Batteriemodule kostenlos austauschen. Bis dahin rate man den Besitzern, den Ladezustand auf maximal 70 Prozent zu begrenzen, um die Brandgefahr zu minimieren.

Aus behördlichen Unterlagen und Unternehmensangaben geht hervor, dass Volvo seit dem vergangenen Dezember in über einem Dutzend Ländern EX30-Besitzern geraten hat, ihre Fahrzeuge nicht in der Nähe von Gebäuden zu parken und die Batterien nicht vollständig aufzuladen. In Deutschland sei kein Fahrzeug vom Rückruf betroffen, heißt es.

Der Volvo EX30: Rund 40.000 Fahrzeuge seines Flaggschiff-Elektro-SUV muss der schwedische Autobauer Volvo wegen Brandrisiken in den Batterien zurückrufen.
Der Volvo EX30: Rund 40.000 Fahrzeuge seines Flaggschiff-Elektro-SUV muss der schwedische Autobauer Volvo wegen Brandrisiken in den Batterien zurückrufen.Taina Sohlmann/Zoonar/imago

Der EX30 gilt als eines der Schlüsselmodelle für Volvo, um dem wachsenden Wettbewerbsdruck aus China standzuhalten. Dem Bericht zufolge könnte die Aktion den schwedischen Hersteller bis zu 195 Millionen Dollar (rund 165 Millionen Euro) kosten. Volvo betonte gegenüber Reuters, die Berechnungen seien „spekulativ“.

Branchenexperte Andy Palmer erklärte auf Anfrage von Reuters, Volvo habe wenig Spielraum für Fehler, da der Ruf der Marke im Bereich Sicherheit zentral für die Unternehmensidentität sei. Volvo gab jedoch an, dass der Zulieferer das Problem mittlerweile behoben habe und neue Batteriezellen liefern werde.

Deutsche Versicherer warnen vor brennenden Elektroautos

Die Diskussionen über die Brandgefahr bei elektrisch betriebenen Autos sind nicht neu. Im Juni 2025 hatte ein mit E-Autos beladener Frachter vor der Küste Alaskas Feuer gefangen. Nach dem Vorfall forderte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mehr Schutzmaßnahmen angesichts der Milliardenschäden, die durch solche Brände entstehen. „Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass der Transport von Elektroautos den maritimen Brandschutz vor bislang ungelöste Probleme stellt“, so der GDV.

In Südkorea entfachte ein E-Auto-Brand im August 2024 sogar eine landesweite Sicherheitsdebatte. Grund war der Brand eines elektrisch betriebenen Mercedes-Benz in einer Tiefgarage in Seoul, durch den rund 140 andere Autos zerstört oder beschädigt wurden. Das Feuer konnte erst nach acht Stunden gelöscht werden, zahlreiche Anwohner des Wohnhauses mussten evakuiert werden. Die Bilder des Vorfalls sorgten teils für große Panik in der Bevölkerung. Die südkoreanische Regierung erklärte daraufhin, schärfere Vorgaben und Kontrollen bei Batterien einführen zu wollen.

Experte warnt: E-Autos brennen schneller als Verbrenner

Der Branchenkenner Wulf Schlachter bestätigte auf eine frühere Anfrage der Berliner Zeitung, dass die Brandgefahr bei Elektroautos im Vergleich zu Verbrennerfahrzeugen tatsächlich höher sein kann. „Das liegt vor allem an den eingesetzten Lithium-Ionen-Batterien, deren Zellen sich in einer Art Dominoeffekt entzünden können“, erklärte der Gründer des Ladeinfrastruktur-Unternehmens DXBe Management, der sich gut mit Stromern auskennt. Binnen weniger Sekunden stehe das Fahrzeug in Flammen – bei einem Verbrenner dauere es hingegen einige Minuten, bis das Fahrzeug komplett brenne.

Allerdings sei es ein Mythos, dass E-Autos generell häufiger brennen als andere Fahrzeugtypen. „Elektroautos sind sehr sicher, auch gegenüber einem Verbrennerfahrzeug“, betonte Schlachter. Einige Hersteller arbeiteten bereits intensiv an einer Risikominimierung. „Feststoffbatterien könnten die Brandgefahr verringern.“ Ford und BMW würden bereits eine erste Pilotanlage für Festkörperzellen testen. „Diese Batterien können einerseits deutlich schneller laden. Zum anderen sind die Feststoffzellen weniger brandanfällig, da sie weniger reaktionsfreudig sind.“

Berliner Feuerwehr: Darum brennen Elektroautos anders

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte, die Brandgefahr bei E-Autos sei nicht höher als bei Verbrennern. „Die Löschdauer und der Löschmittelbedarf sind aber in der Regel höher“, erklärte ein VDA-Sprecher auf eine frühere Anfrage. Die Berliner Feuerwehr sagte der Berliner Zeitung zudem, dass es bislang kaum Erfahrung bei Bränden mit E-Autos gebe. Sprecher Rolf Erbe entwarnte jedoch: „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass Elektroautos unsicherer sind.“ Es gebe keine Kraftstoffe oder Öle im E-Auto, die auf den Motor tropfen. Daher gebe es auch weniger Brandursachen.

Allerdings betonte Erbe, dass Batterien anders brennen, da sie – anders als 80 Liter Benzin in einer Tiefgarage – nicht explodieren. Vielmehr gebe es bei brennenden Batterien eine interne Reaktion. „Die Batterie ist unterm Auto gekapselt und somit geschützt. Und dadurch kommen wir beim Löschen nicht ran“, erklärt Erbe. „Deswegen brennt so eine Batterie manchmal länger.“ Sie sei schwieriger zu löschen als Benzin, brenne aber nicht stärker. Allerdings komme es nur sehr selten vor, dass Batterien tatsächlich Feuer fangen.

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