Die 76. Berlinale geht zu Ende, mit einer guten Bilanz für Gastgeber Deutschland: Der Goldene Bär ging an den Regisseur İlker Çatak mit seinem Film „Gelbe Briefe“, Silber bekam die aus Suhl stammende Sandra Hüller für ihre Rolle in „Rose“. Auf dem roten Teppich gewann sie zwar die Herzen, mit dem Outfit aus Hose und Bluse aber allerhöchstens Bronze.
Die Goldmedaillen in Sachen Styling gingen hingegen an die internationalen Kolleginnen Pamela Anderson und Gemma Chan. Aber auch Karoline Herfurth überzeugte.

Top: Gemma Chan trägt zur Premiere von „Josephine“ ein Abendkleid von Ausnahme-Designer Robert Wun. Da muss man vorsichtig sein: Die seidenen Bahnen in pudrigem Rosa mit Rüschen können schnell ins allzu Prinzessinnenhafte kippen. Austariert wird das Ensemble deshalb mit so gut wie nichts. Dezentes Make-up, filigrane Ohrringe und nur ein schmales Tennisarmband zeugen von Stilempfinden. Ein Balanceakt in romantisch-kitschig, der gelingt.Imago

Top/Flop: Liebe Sandra Hüller, für den Film „Rose“ mussten Sie sich als Mann verkleiden, das verstehen wir schon. Aber die Dreharbeiten sind abgeschlossen, Sie halten bereits Ihre Auszeichnung in der Hand. Irgendwann ist auch mal Schluss mit dem Method Acting. In den heiligen Hallen von Chanel lagern doch sicherlich ein paar fulminantere Abendroben, die man bei großen Anlässen wie diesem wählen könnte? Aber gut, wir von der Stilredaktion der Berliner Zeitung geben es gerne zu: Wir sind Fans, egal, was Sie anhaben.Imago/Reynaud Julien/APS-Medias/ABACA

Flop: Wir wissen es zu schätzen, wenn ein Mann versucht, den klassischen Anzug zu variieren, um nicht wie jeder Zweite auf dem Teppich auszusehen. Auf den Revers zu verzichten, zählt allerdings nicht zu den modischen Abwandlungen der Herren-Garderobe, die wir uns sehnlichst gewünscht haben. Channing Tatum setzt auf einen grauen Nadelstreifenanzug, der durch den fehlenden Kragen seltsam unvollendet wirkt – als hätte ihn der Schneider nicht ganz rechtzeitig fertig bekommen. Dann doch lieber der Smoking: besser schlicht als schlecht angezogen.Imago/Breuel-Bild

Top: Karoline Herfurth setzt am Eröffnungstag der Berlinale bewusst auf Schlichtheit statt auf Extravaganz: Unter dem schwarzen Midikleid von Prada trägt die Schauspielerin eine simple weiße Bluse, zusammengehalten von einer fast grafischen, schmalen Schleife. Mit der klaren Silhouette und Strenge erinnert der Look an die 1960er-Jahre. Die „Gouvernanten-Ästhetik“ wird durch weich fallende Wellen und einen tiefen Seitenscheitel aufgelockert – zurückhaltend, sehr präzise und gerade deshalb besonders wirkungsvoll auf dem roten Teppich.Imago/Christina Kratsch

Flop: Amanda Seyfried hat das Prinzessinnenkleid für unseren Geschmack etwas zu weit getrieben. Das märchenhafte Prada-Kleid mit bronzefarbenen Applikationen und dazu diese Rocker-Mähne – irgendwie clasht da was. Je nach Lichteinfall wirkt das Kleid rosé-, gold- oder champagnerfarben, allgemein fehlt uns aber der Kontrast zu Seyfrieds Haut und Haaren. Immerhin wirkt sie, als hätte sie Spaß gehabt, sowohl in der Rolle als Sektenführerin als auch auf dem roten Teppich.Imago/Thomas Bohlen/Starface

Top: Auf Pamela Anderson ist auf dem roten Teppich Verlass – und doch überrascht ihr Auftritt am dritten Berlinale-Tag im besten Sinne. Statt großer Geste setzt sie auf ein florales Jacquard-Cape mit schwarzem Kontrastbesatz von Carolina Herrera, das mit seiner glockigen, fast schwebenden Silhouette eine verträumte Leichtigkeit ausstrahlt. Der kurze und präzise gearbeitete Haarschnitt und die schwarz getönte Sonnenbrille brechen die Romantik mit einer Prise Coolness und verleihen dem Look etwas Freches: Von einem Hollywoodstar haben wir nichts anderes erwartet.Imago/Marina Takimoto


