Kommentar

WM-Aus von Italien: Häme oder Genugtuung sind völlig unangebracht

Italien verpasst zum dritten Mal hintereinander die WM. Das führt an vielen Orten zu Amüsement, das allerdings völlig deplatziert ist. Ein Kommentar.

Die Hoffnung stirbt im Elfmeterschießen: Italiens Fußballer fahren im Sommer nicht zur WM.
Die Hoffnung stirbt im Elfmeterschießen: Italiens Fußballer fahren im Sommer nicht zur WM.IPA Sport/Abaca/imago

Der frühere Fußballprofi und heutige TV-Experte Christoph Kramer hatte schon während der Qualifikation vor einigen Monaten so eine Vorahnung. „Jetzt ist Italien vielleicht nicht dabei und Kap Verde ist dabei, oder was?“, äußerte der ehemalige Nationalspieler großes Unverständnis, als er erfuhr, dass im Sommer bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko nur 16 der insgesamt 48 Teilnehmer aus Europa kommen werden.

Seit dem späten Dienstagabend besteht nun die Gewissheit: Italien wird die WM tatsächlich verpassen. Zum dritten Mal hintereinander. Nach der bitteren Pleite in Zenica, wo der viermalige Weltmeister am gastgebenden Bosnien-Herzegowina im Elfmeterschießen scheiterte, gibt es keine Chance mehr. Keinen Umweg, keine Fair-Play-Wertung, die es den Italienern irgendwie doch noch ermöglichen würde.

In Deutschland ruft das – mal wieder – Häme und Genugtuung hervor. Mit Schadenfreude wird das fast schon sensationelle Aus des einst so großen fußballerischen Rivalen begleitet. „Was machen die Italiener während der WM? Sie schauen sich alte Spiele von 2006 an.“ Einer der Sprüche, die schon 2018 und auch 2022 nicht witzig waren. Immer wieder kommt beim Scheitern des Gegners zum Vorschein, dass viele Deutsche das dramatische Halbfinal-Aus bei der Heim-WM 2006 offenbar immer noch nicht verkraftet haben. „In welcher Gruppe spielt Italien? In der Zuschauergruppe.“ Gääähn.

Nur zum Verständnis: Es ist völlig in Ordnung, dass nicht nur Kap Verde, sondern auch Usbekistan, Panama oder Curaçao bei der WM dabei sind. All diese Nationen haben sich sportlich qualifiziert und eine Teilnahme durch die Aufstockung der Teams zwar erleichtert, nicht aber geschenkt bekommen.

Torhüter Gianluigi Donnarumma konnte im Elfmeterschießen keinen bosnischen Strafstoß abwehren, Italien verschoss dagegen zweimal.
Torhüter Gianluigi Donnarumma konnte im Elfmeterschießen keinen bosnischen Strafstoß abwehren, Italien verschoss dagegen zweimal.Fabio Ferrari/LaPresse/imago

Diejenigen, die sich nun aber aufregen, um 3 Uhr mitten in der Nacht lediglich das Aufeinandertreffen zwischen Neuseeland und dem Iran geboten zu bekommen, sind nicht selten diejenigen, die in erster Reihe stehen und feixen, wenn es einen fußballerischen Rivalen trifft, der der DFB-Elf in der Vergangenheit arg wehgetan hat. „Warum hat Italien jetzt schnelleres Internet? Damit sie die WM-Spiele ganz ohne Verzögerung schauen können.“ Ein Brüller.

Während die Italiener also einen freien Sommer haben und in weiter Ferne erst wieder die WM 2030 anpeilen, darf Deutschland gegen Curaçao, Ecuador und die Elfenbeinküste spielen. Vor dem Hintergrund des größten Turniers der Welt sind das interessante Duelle, zweifellos. Wer aber hätte nicht lieber eine Partie zwischen der DFB-Elf und Italien gesehen – diesen Allzeit-Klassiker? Ich kenne niemanden.