Länderspiel

Tempo, Torvorlage, Tänzchen: Warum nicht immer so, Derrick Köhn?

Beim Länderspiel mit Ghana überzeugte Derrick Köhn gegen die deutsche Nationalmannschaft. Beim 1. FC Union Berlin zeigt er seine Qualitäten dagegen zu selten.

Herausragende Vorarbeit: Derrick Köhn (l.) düpiert Josha Vagnoman in der Entstehung des zwischenzeitlichen Ausgleichs der Ghanaer im Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft.
Herausragende Vorarbeit: Derrick Köhn (l.) düpiert Josha Vagnoman in der Entstehung des zwischenzeitlichen Ausgleichs der Ghanaer im Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft.Volker Mueller/imago

Über weite Strecken des Spiels unterlegen, brauchte die ghanaische Nationalmannschaft am Montagabend in Stuttgart nur eine gelungene Offensivaktion, um die DFB-Elf gehörig in Bedrängnis zu bringen. Derrick Köhn lief in hohem Tempo die linke Außenbahn entlang, ließ Josha Vagnoman im Zweikampf ganz alt aussehen und legte den Ball anschließend präzise in den Rückraum. Abdul Fatawu, zuvor schon in Position gelaufen, traf nicht minder präzise genau ins Eck.

Der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer bei der 1:2 (0:1)-Niederlage Ghanas reichte am Ende zwar nicht, ein positives Ergebnis mit aus der Länderspielpause zu nehmen, zeigte aber die Qualitäten von Köhn in nur einer Szene – und das nicht nur beim Jubel, den Torschütze und Vorbereiter gemeinsam mit einem kleinen Tänzchen zelebrierten.

Köhn, das wussten die Verantwortlichen des 1. FC Union Berlin im Sommer, bringt all das mit, was ein idealer Schienenspieler so können muss. Er hat ein Gespür für entstehende Angriffsaktionen, paart Tempo mit einem guten Auge für die Nebenleute und einem präzisen Schuss, wenn er selbst zum Abschluss kommt. Rund vier Millionen Euro flossen für Köhn aus Berlin in Richtung von Galatasaray Istanbul, wo der gebürtige Hamburger eine eher enttäuschende Saison hinter sich hatte. Eine Investition, die sich in der Bundesliga bislang nur bedingt bezahlt gemacht hat.

Unter Trainer Steffen Baumgart kam er zwar in 25 von 27 Liga-Spielen zum Einsatz, überzeugen konnte er dabei aber nur selten. Ein Tor per verwandeltem Elfmeter gegen Ex-Klub Werder Bremen (1:4) und eine Torvorlage beim 2:2 gegen den FSV Mainz 05 finden sich bislang in seiner Statistik. Dass der 27-Jährige damit nicht zufrieden ist, versteht sich von selbst.

Derrick Köhn (l.) freut sich über seine erste Torbeteiligung im dritten Länderspiel.
Derrick Köhn (l.) freut sich über seine erste Torbeteiligung im dritten Länderspiel.Bernd Feil/M.i.S./imago

Am Montag feierte er seinen gelungenen Auftritt im Nationaldress noch lange nach Abpfiff mit Freunden und Familie, die auf der Tribüne die Daumen gedrückt hatten. Kurz darauf wurde die positive Stimmung allerdings durch die Entlassung von Nationaltrainer Otto Addo getrübt. Der frühere Bundesliga-Profi, der intensiv um Köhn geworben hatte, wurde nach insgesamt vier Jahren im Amt entlassen. Schon nach der 1:5-Niederlage in Österreich vergangene Woche stand Addo massiv in der Kritik.

Wer die Black Stars nun zur Weltmeisterschaft im Sommer führen wird, ist noch offen. Dort treffen Derrick Köhn und seine Mitspieler in Gruppe L auf England, Kroatien und Panama.