Fußball

„Ihr kriegt uns nicht klein“: Hertha BSC steht zu Bayern- und BVB-Ultras

Neues Kapitel im andauernden Konflikt mit der Polizei in Dortmund: Fanszenen bundesweit solidarisieren sich gegen Kontrollen, Gewalt und Repression.

Deutliche Botschaft der aktiven Fanszene von Hertha BSC: „Behandelt uns wie Vieh und schlagt auf uns ein – Fans, Hools und Ultras kriegt ihr niemals klein! Solidarität mit der Südtribüne Dortmund und der Südkurve München!“
Deutliche Botschaft der aktiven Fanszene von Hertha BSC: „Behandelt uns wie Vieh und schlagt auf uns ein – Fans, Hools und Ultras kriegt ihr niemals klein! Solidarität mit der Südtribüne Dortmund und der Südkurve München!“Andreas Gora/dpa

Der deutsche Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München hat nicht nur mit den fünf Toren für reichlich Spektakel auf dem Rasen gesorgt. Reichlich Gründe für den Support der organisierten Fanszenen hätte es also gegeben. Anstelle von lautstarken Gesängen aber herrschte im Gäste-Fanblock des FC Bayern München lediglich Stille. Grund dafür war eine Auseinandersetzung zwischen der Polizei und Teilen der organisierten Fanszene des Fußball-Rekordmeisters kurz vor dem Anpfiff.

Pfefferspray und Schlagstöcke gegen Bayern-Fans

Aus Protest und aus Solidarität mit den betroffenen Anhängern hätten die Fans entschieden, sich mit Gesängen und Anfeuerungen zurückzuhalten. Im Laufe des Spiels zeigten die Dortmunder Fans auf der Südtribüne ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit für Gästefans in Dortmund“. Auslöser der Auseinandersetzung war laut Dortmunder Polizei, dass eine rund 30-köpfige Gruppe von Bayern-Fans versucht habe, mit irregulären Tickets ins Stadion zu kommen. Pfefferspray und Schlagstöcke kamen zum Einsatz. Fünf Beamte wurden leicht verletzt, gegen 29 Personen sei ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs eingeleitet worden, die Anzahl der verletzten Fans ließ die Polizei offen. Die Ermittlungen dauern an.

Viel erinnerte dabei an den Rückrundenstart in der Zweiten Bundesliga und das damalige Spitzenspiel zwischen Hertha BSC und dem FC Schalke 04. Auch dort war es vor dem Anpfiff zu Polizeigewalt gegenüber beiden Fanlagern und gegenseitigen Vorwürfen gekommen. Während des Spiels verzichteten die organisierten Fanszenen beider Vereine auf Unterstützung, die Hertha-Ultras verließen geschlossen das Stadion.

Deutschlandweit zeigten sich die Fanlager solidarisch mit den Berlinern. Die Ultras des FC Bayern München etwa zeigten im Rahmen ihres Bundesliga-Heimspiels gegen den FC Augsburg zahlreiche Banner. Die Botschaften richteten sich dabei klar gegen die Polizei. „Bullenschikane bricht keinen Widerstand. ACAB gilt in jedem Bundesland. Berlin bleibt hart. Eure Knüppel gegen unsere Entschlossenheit. Freiheit für die Kurven. Ihr Bullen seid der größte Feind“, war da zu lesen. „Solidarität mit der Ostkurve Hertha BSC“ lautete die Botschaft auf dem größten Banner unterhalb der Südkurve und stand stellvertretend für den Zusammenhalt der kompletten aktiven Fanszene in Deutschland.

Nun aber waren die Münchner selbst Opfer von der eingangs beschriebenen Polizeigewalt und bekamen Unterstützung aus Berlin. „Behandelt uns wie Vieh und schlagt auf uns ein. Fans, Hools und Ultras kriegt ihr niemals klein. Solidarität mit der Südtribüne Dortmund und Südkurve München“, hatten die Ultras von Hertha BSC im Rahmen ihres Spiels gegen den 1. FC Nürnberg auf mehrere Banner geschrieben und sich mit den Ultras von FC Bayern München und Borussia Dortmund solidarisiert.

Die Geschehnisse in Dortmund sind der jüngste Fall einer Reihe von Provokationen, unnötigen Kontrollen und Angriffen der Polizei auf Fans verschiedener Vereine. Nach dem Einsatz gegen die Fans von Hertha BSC und FC Schalke wurden am 14. Februar zahlreiche Fans des 1. FC Köln auf ihrer Fahrt zum Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart in Siegburg von der Polizei gestoppt und einer Kontrolle unterzogen.

Betretungsverbot für Fans des 1. FC Köln in Stuttgart

Aus Fankreisen wurde berichtet, dass zwölf Busse von der Maßnahme betroffen waren, die Polizei sprach dagegen von „fünf bis sechs“ Bussen. Durch die Kontrolle sollte die Kollision der Reisegruppe mit Fans von Borussia Mönchengladbach, die sich auf derselben Strecke zu ihrem Spiel bei Eintracht Frankfurt befanden, vermieden werden. Auf dem Rastplatz seien die Kölner Fans von der Polizei umstellt worden. Auf Diskussionen folgten Durchsuchungen und nach zwei Stunden die Anweisung, die Fahrt nicht fortzusetzen. Außerdem erhielten sie ein Betretungsverbot für das Stadion in Stuttgart.

Als Folge dieser Aktion verzichtete die aktive Fanszene des 1. FC Köln auf die Reise nach Stuttgart und unterstützte stattdessen die U23 in der Regionalliga West. Im andauernden Konflikt zwischen Polizei und aktiven Fanszenen braucht es eine schnelle Lösung.