Bundesliga

Der 1. FC Union Berlin kann für ein achtes Erstligajahr planen

Nach dem Auswärtssieg in Freiburg dürften alle Abstiegsgespenster vertrieben sein. Dem 1. FC Union steht das achte Jahr in der Bundesliga bevor.

Steffen Baumgart musste bis tief in die Nachspielzeit bangen, dann stand der zweite Sieg des 1. FC Union Berlin in diesem Kalenderjahr fest.
Steffen Baumgart musste bis tief in die Nachspielzeit bangen, dann stand der zweite Sieg des 1. FC Union Berlin in diesem Kalenderjahr fest.Jan Huebner/IMAGO

Am Seitenrand blies Steffen Baumgart die Backen auf. Durchpusten! Gerade hatte Schiedsrichter Sven Jablonski ein letztes Mal an diesem Tag seine Pfeife benutzt, das Spiel zwischen dem SC Freiburg und dem 1. FC Union Berlin beendet. Der Trainer der Köpenicker konnte nach Wochen voller Enttäuschungen über einen 1:0-Erfolg (0:0) im Breisgau jubeln, der sich lange nicht angebahnt hatte, dafür letztlich aber umso erlösender war. Woo-yeong Jeong hatte sich als Joker in der zweiten Minute der Nachspielzeit ein Herz gefasst, war von der rechten Seite nach innen gezogen und hatte mit links abgeschlossen. Flach im Eck und unhaltbar für Torhüter Noah Atubolu schlug der Ball ein. Der Rest war Jubel in Rot und Weiß.

„Wir haben heute sehr lange sehr gut verteidigt, haben wenige Torchancen des Gegners zugelassen und uns ein wenig das Glück erarbeitet, das wir vorher oft nicht hatten. Ich sehe uns nicht als die Mannschaft, die als verdienter Sieger den Platz verlässt. Wir haben letztlich den Lucky Punch gesetzt, aber es hätte auch genau andersherum sein oder 0:0 ausgehen können – da wäre ich auch nicht unzufrieden gewesen“, bilanzierte Baumgart nach Abpfiff.

Spätestens nach der desaströsen 1:4-Niederlage gegen Werder Bremen am Wochenende zuvor war auch der Trainer in die Kritik geraten. Einige Fans hatten gar schon seinen Rauswurf gefordert. Klar war, dass bei der weitesten Auswärtsfahrt der Saison eine Reaktion der Mannschaft erfolgen musste. „Es war entscheidend, dass wir heute wieder die Energie auf den Platz bekommen haben, die uns in den letzten Wochen teilweise gefehlt hat“, erklärte Tom Rothe, der in den letzten Minuten des Spiels nach mehr als drei Monaten sein Comeback gefeiert hatte und eigentlich dabei helfen sollte, bei torlosem Zwischenstand den Punkt mit nach Berlin zu bringen.

Ein Spiel ohne Tore, wie schon drei der fünf vorherigen Aufeinandertreffen beider Vereine, hätte den Köpenickern vor dem anstehenden Auswärtsspiel beim FC Bayern (Sonnabend, 15.30 Uhr) zumindest etwas Ruhe verschafft. Der dreifache Punktgewinn dürfte nun endgültig zur Folge haben, dass im Berliner Südosten für eine achte Saison in der Bundesliga geplant werden kann.

Doekhi und Raab hielten die Abwehr zusammen

Es war fast schon erstaunlich, wie konsequent die Gäste es über 90 Minuten geschafft hatten, den favorisierten Sportklub vom eigenen Tor fernzuhalten. Weil Leopold Querfeld aufgrund seiner Gelbsperre nicht zur Verfügung stand, hatte sich Baumgart zu einer Umstellung des Systems hin zu einer Viererkette entschieden. Und nicht nur das: Livan Burcu und Tim Skarke standen überraschend in der Anfangsformation, mit Aljoscha Kemlein nahm ein defensiver Akteur dafür auf der Bank Platz.

Während im Angriff über 90 Minuten für Union nicht viel ging, stand die letzte Reihe, angeführt von Danilho Doekhi und Bundesliga-Debütant Matheo Raab, der den verletzten Frederik Rönnow im Tor vertrat, bis zum Schluss wie eine Eins. Allerdings merkte man Freiburg auch an, dass die Mannschaft zwischen Hin- und Rückspiel gegen den KRC Genk im Europa-League-Achtelfinale weit entfernt von der eigenen Bestleistung auftrat. Zwei richtig gefährliche Abschlüsse brachte das Team von Trainer Julian Schuster zustande. Den zweiten parierte Raab tief in der Nachspielzeit mit einer exzellenten Flugeinlage, obwohl er sich wenige Minuten zuvor bei einer Klärungsaktion noch an der Hand verletzt hatte. Kurzzeitig musste man davon ausgehen, dass die Berliner die Partie in Unterzahl zu Ende spielen müssen, weil Baumgart schon fünfmal gewechselt hatte. Raab aber biss auf die Zähne und schwang sich mit seiner Parade gegen Jan-Niklas Beste neben Jeong zum zweiten Matchwinner auf.

Freiburg ist mittlerweile Lieblingsgegner in der Bundesliga

Unabhängig von der Doppelbelastung des Kontrahenten kann man mittlerweile behaupten, dass Union seinen Lieblingsgegner in der Bundesliga gefunden hat. Nur zwei von 14 Duellen haben die Eisernen gegen Freiburg verloren, sieben dafür gewonnen. Die letzte Niederlage setzte es im November 2022.

All diese Zahlen spielen für die kommenden Wochen freilich keine Rolle. Sehr wohl dafür die 31. Das ist die Zahl der gesammelten Punkte nach 26 absolvierten Spieltagen. Und die sieben. So viele Zähler hat Union zurzeit Vorsprung auf den FC St. Pauli, der den Relegationsplatz belegt und nach der Länderspielpause am Osterwochenende (5. April, 15.30 Uhr) im Stadion An der Alten Försterei zu Gast sein wird.