Die Stimmung ist wieder gut beim 1. FC Union Berlin, genauer gesagt bei Amber Tysiak und Hannah Eurlings. Die beiden Belgierinnen durften am vergangenen Wochenende ihren jeweils ersten Sieg mit den Eisernen feiern. Trotz eines 0:2-Rückstands gewannen sie gegen die SGS Essen am Ende noch mit 4:2.
Die größten Abstiegssorgen müssen sie sich erst einmal nicht mehr machen. Eurlings und Tysiak sind aber auch nicht gekommen, um in der Bundesliga gegen den Abstieg zu spielen.
Aus der besten Liga der Welt zum 1. FC Union – „Warum?“
Amber Tysiak hat zwar zuletzt, mit West Ham United, ebenfalls gegen den Abstieg gespielt, das aber in der wohl besten Liga der Welt: der englischen Women's Super League. Die hat sie nun zugunsten der Eisernen verlassen. „Warum?“, wollte auch Hannah Eurlings im Rahmen einer Gesprächsrunde mit den beiden Nationalspielerinnen wissen. „Hannah, Hannah!“, rief Tysiak erst als den Grund aus.

Die meisten Spielerinnen verlassen deutsche Vereine eher, um in England zu spielen. Tysiak ging den umgekehrten Weg. „Bist du dumm?“, scherzte Eurlings und brachte ihre Mitspielerin zum Lachen. Die beiden verstehen sich offenbar gut – was praktisch ist, denn aktuell wohnen die beiden sogar zusammen. „Wir haben die beste Zeit, zumindest habe ich sie. Ich weiß nicht, ob Hannah sie auch hat“, sagt Tysiak mit breitem Lachen im Gesicht. „Ich bin sehr froh, dass sie hier ist.“
Dieser Fakt hat womöglich auch Jennifer Zietz dabei geholfen , Tysiak von einem Transfer zu überzeugen. „Ich habe natürlich viel mit Hannah gesprochen, darüber, wie das Umfeld hier ist“, sagte die Verteidigerin. Sie hatte schon beim OH Leuven gemeinsam mit Eurlings auf dem Platz gestanden. Auch Zietz selbst konnte aber mit Argumenten bei Tysiak punkten. „Nach meinen ersten Gesprächen mit Jenny hatte ich ein gutes Gefühl. Der Verein setzt sich für den Frauenfußball ein und will wirklich wachsen. Ich hatte das Gefühl, dass es richtig ist, hierher zu kommen“, erklärte die 26-Jährige.
Amber Tysiak hat noch Verbesserungspotenzial
Fußballerisch hat sie sich in ihrem neuen Team problemlos eingefunden. Nach einer Spielminute hätte sie gegen Bayer 04 Leverkusen beinahe ihr erstes Tor geschossen. Ihr Kopfball wurde gerade noch so auf der Linie geklärt. Sie überzeugte aber auch in ihrer Hauptaufgabe, dem verhindern von Toren, und im Spielaufbau mit ihrer Ruhe am Ball. Trotzdem sagt sie selbst: „Ich muss mich noch anpassen. Ich hoffe, dass ich dem Klub noch mehr geben kann, vielleicht sogar das Tor, dass neulich nicht geklappt hat.“

Sie ist nicht die einzige, die das Team in der Rückrunde verbessern soll. Auch Eurlings gab ihr Debüt gegen Leverkusen, obwohl sie schon im Sommer nach Köpenick gewechselt war. Eine schwere Verletzung warf sie jedoch lange aus der Bahn. „Ich konnte nicht mehr so gut laufen. Ich konnte gar nichts. Die Verletzung war wirklich schlimm“, beschrieb sie ihre Leidenszeit.
Jetzt ist sie jedoch zurück, so wie die meisten Spielerinnen, die in der Hinrunde noch länger gefehlt hatten. Außerdem kamen insgesamt vier neue Spielerinnen von anderen Vereinen nach Köpenick. „Wir sind auf voller Kraft“ sagte Eurlings und weiter: „Das ist sehr wichtig für die Vibes und damit du so trainieren kannst, wie du auch die Spiele spielst“. In der Hinrunde hätten teilweise nicht einmal zehn Spielerinnen trainieren können, jetzt könne Ailien Poese sogar elf gegen elf spielen lassen. „Wir sind stärker als in der Hinrunde“, sagte Eurlings daher.
Rekordsummen für Tysiak und Eurlings: „Ihr eigener dummer Fehler“
Gerade die neue Belgien-WG soll dafür sorgen. Immerhin sind Tysiak und Eurlings, den kolportierten Ablösesummen zufolge, die teuersten Transfers, die der Verein bisher im Frauen-Bereich getätigt hat. Tysiak soll laut BBC 173.000 Euro gekostet haben, Eurlings laut Bild 120.000 Euro.


