Fast auf den (Spiel)Tag genau vor einem Jahr hatte sich der 1. FC Union Berlin unter Steffen Baumgart so endgültig stabilisiert. Nach anfänglichen Problemen und ausbleibenden Erfolgserlebnissen war der 2:1-Sieg bei Eintracht Frankfurt der Anfang, das 1:1 gegen den FC Bayern München und der 2:1-Erfolg beim SC Freiburg die Bestätigung des Aufwärtstrends, den man sich in Köpenick vom Trainerwechsel von Bo Svensson zu Baumgart schon etwas früher erhofft hatte.
Nicht nur das reine Ergebnis, sondern viel mehr die Tatsache, dass sich die Mannschaft – anders als noch in der Hinrunde und kurz nach der Übernahme von Baumgart – von einem 0:1-Rückstand am 27. Spieltag in Freiburg nicht aus der Bahn werfen ließ, sondern den Plan des Trainers weiter konsequent umsetzte und durch Tore von Rani Khedira sowie Andrej Ilic das Spiel komplett drehte, sorgte für Erleichterung im Kampf um den Klassenerhalt.
1. FC Union Berlin mit Klassenerhalt nach 30. Spieltag
Auf beruhigende zehn Punkte zum ersten Abstiegsplatz und acht Zähler zum Relegationsplatz hatten die Eisernen ihren Vorsprung mit diesen drei Positiverlebnissen ausbauen können. Und auch in den fünf folgenden Spielen blieb die Mannschaft von Steffen Baumgart ungeschlagen und hatte bereits nach dem 30. Spieltag den Klassenerhalt rechnerisch gesichert.
An diesem Sonntag (17.30 Uhr) steht der 26. Spieltag für den 1. FC Union Berlin an, wieder geht es im März nach Freiburg. Aber: Diesmal ist die Ausgangslage eine etwas andere. Die Eisernen haben ihren einstmals komfortablen Vorsprung auf die Abstiegsplätze durch die zwei Niederlagen bei Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen auf vier Zähler schrumpfen lassen.
Nicht nur aufgrund dieser veränderten Ausgangslage gegenüber dem Vorjahr möchte Steffen Baumgart den 2:1 vom 27. Spieltag der vergangenen Saison keinesfalls als Blaupause sehen. Zu viel habe sich in beiden Mannschaften inzwischen verändert. Und doch nutzte der Union-Trainer am Freitag in der Pressekonferenz die Statistik, um daraus Mut für die schwere Aufgabe am Sonntag zu ziehen. „Wir haben in den vergangenen vier Spielen gegen Freiburg gepunktet. Das ist ein klares Zeichen, dass wir es können und wollen. Wir fahren mit dem klaren Auftrag dahin, erfolgreich zu spielen“, so Baumgart.
An der Stelle muss man den 54-Jährigen allerdings etwas korrigieren: Die Eisernen haben nicht nur in den vergangenen vier, sondern sogar in den zurückliegenden sechs Partien in der Bundesliga gegen die Breisgauer gepunktet. Angefangen mit dem auf dem Weg zur Champions League so wichtigen 4:2-Sieg am 13. Mai 2023 unter Urs Fischer, über den fast noch wichtigeren 2:1-Last-Second-Sieg zum Klassenerhalt am 18. Mai 2024 unter Interimslösung Marco Grote bis zum 0:0 in der Hinrunde unter Steffen Baumgart.
Die Eisernen scheinen über die Jahre hinweg einen Schlüssel gefunden zu haben, um gegen die Freiburger zu punkten. Im Fokus dabei stand häufig auch Frederik Rönnow. Hinter dem Einsatz des Torwarts aber steht seit Dienstag ein Fragezeichen – der Däne hat sich verletzt. „Er hat Schmerzen, aber wir haben alles dafür getan, dass er am Sonnabend ins Abschlusstraining geht. Wenn er das voll machen kann und das Zeichen gibt, dass es geht, wird er spielen“, gab Baumgart am Freitag ein Update.
Ein klares Zeichen erwartet der Trainer auch von Tom Rothe. Der lief in dieser Woche mit einem breiten Grinsen im Gesicht über den Trainingsplatz und hatte Baumgart damit überrascht. „Bei ihm ist es so, dass er einer der fleißigsten Spieler überhaupt ist. Er wird mitfahren, wenn er ein klares Zeichen gibt“, sagte der Coach mit Blick auf das Abschlusstraining am Sonnabend. Sollte Rothe da weiterhin lächeln und den Daumen nach oben zeigen, „trauen wir ihm zu, über einen längeren Zeitraum zu spielen.“
Eigentlich hatte der Trainer den Linksfuß erst in der kommenden Woche wieder im Training und nach der Länderspielpause in der übernächsten Woche als Option für den Spieltagskader gesehen, doch mit seinem Fleiß scheint sich Rothe etwas früher in eine bessere Verfassung gebracht zu haben. Mit dem Lob von Rothe aber ging auch indirekte Kritik an Diogo Leite einher: „Er wird in der nächsten Woche nächste Woche ins Training integriert, wie es eigentlich auch bei Tom vorgesehen war. Er ist aber diese Woche dabei, weil es gut aussieht. Leite ist erst nach der Länderspielpause geplant, außer er überrascht mich dermaßen positiv, dann ist er auch für das Bayern-Spiel eine Option.“
Bei diesen Neuigkeiten rund um das Personal blieb nur noch der Blick auf Andras Schäfer und Leopold Querfeld. Die beiden Spieler also, die durch Sperren nicht dabei sind und ersetzt werden müssen. Doch auch da wirkte Steffen Baumgart am Freitag sehr entspannt. „Da haben wir ganz viele Optionen“, so der Trainer. Namentlich brachte er Alex Kral, den er schon auf der zentralen Position von Querfeld probiert hatte und der die notwendige Übersicht sowie das technische Können für die Rolle als Chef in der Dreier-Abwehrkette habe, ins Spiel. Auch Rani Khedira sei ein Spieler, dem das Trainerteam diese Aufgabe zutraut.
Steffen Baumgart spürt „eine gewisse Anspannung“
Zutrauen – das ist wohl die wichtigste Botschaft an seine Mannschaft, die Baumgart dieser Tage vermitteln möchte. Nach den jüngsten Negativerlebnissen „ist eine gewisse Anspannung da, aber das gehört auch dazu“, so der Trainer. „Meine Aufgabe ist es, den Jungs zu zeigen, was sie können. Natürlich wissen wir, dass die Ergebnisse nicht gut waren, aber das gehört bei einem Verein wie Union Berlin dazu. Damit müssen wir umgehen. Wir bekämpfen die Ursachen nicht mit schlechter Laune.“


