Bundesliga

Baumgart kennt sein Potenzial: Geht 1. FC Union Berlin Risiko-Deal ein?

Wenn Danilho Doekhi und Diogo Leite im Sommer gehen, braucht es neue Verteidiger. Ein ehemaliger Schützling des Trainers könnte helfen, ist aber auch ein Risiko.

Vertrauensperson für Steffen Baumgart (r.):  Auch beim 1. FC Union Berlin gehört Kevin McKenna zum Trainerteam des Rostockers.
Vertrauensperson für Steffen Baumgart (r.): Auch beim 1. FC Union Berlin gehört Kevin McKenna zum Trainerteam des Rostockers.Matthias Koch/Imago

Als Steffen Baumgart im Sommer 2021 das Amt als Trainer des 1. FC Köln übernahm, ging es für ihn primär darum, eine Mannschaft, die in der Relegation gegen Holstein Kiel gerade noch dem Abstieg in die Zweite Bundesliga entkommen war, zu stabilisieren. Für die heikle Aufgabe in einem so traditionellen wie dynamischen Verein brauchte es natürlich nicht nur die Dienste der Spieler, die in der Vorsaison gegen den Abstieg spielten, sondern auch frische Kräfte, die eine neue Qualität und andere Mentalität mitbrachten.

Trainer greifen gerne auf Altbewährtes zurück

Und da im Geschäft Fußball-Bundesliga nicht viel Raum für Experimente ist, Erfolg nicht lange ausbleiben darf, greift ein Trainer gerne mal auf Altbewährtes zurück. Auf ein Trainerteam, mit dem er bereits an früheren Standorten zusammengearbeitet hat, aber eben auch auf Spieler, die er in anderen Vereinen geformt hat und zu denen eine besondere Vertrauensbasis besteht.

Als Baumgart nun also seine Arbeit in der Domstadt aufnahm, brauchte es unter anderem noch Verstärkung in der Abwehr. Da zudem kein großes Budget zur Verfügung stand, musste eine Lösung gefunden werden, die nicht teuer ist, aber dennoch eine Verstärkung darstellt. Wann genau der Gedanke an Luca Kilian erstmals ausgesprochen wurde, ist nicht bekannt, aber am 24. August 2021 unterschrieb der Innenverteidiger einen Leihvertrag beim 1. FC Köln und arbeitete wieder zusammen mit Steffen Baumgart.

Was in der Saison 2019/20 so herausragend gut klappte, erlebte in der Domstadt eine Fortsetzung ohne große Anlaufzeit. Beim SC Paderborn hatte Baumgart den gebürtigen Wittener, der von 2011 bis zu seinem Wechsel die Nachwuchsabteilung von Borussia Dortmund durchlaufen und dort zuletzt für die zweite Mannschaft gespielt hatte, zum Bundesliga-Spieler gemacht. Damit wurde er mit seinen Leistungen natürlich auch für andere Vereine interessant. Und so folgte nach dem Abstieg der Paderborner in die Zweite Bundesliga fast automatisch der Wechsel zum 1. FSV Mainz 05.

Dort aber konnte sich Kilian unter Bo Svensson nicht durchsetzen, kam in der Bundesliga auf lediglich sieben Einsätze. Die Wiedervereinigung in Köln zwischen Steffen Baumgart und dem damals 21-jährigen Verteidiger war das Beste, was Trainer und Spieler passieren konnte. In seinen 30 Einsätzen für die Kölner war Kilian Leistungsträger und hatte einen großen Anteil daran, dass dem Effzeh der Wandel vom Fast-Absteiger zum Teilnehmer an der Conference League gelang.

Haben nach ihrer ersten Begegnung beim SC Paderborn auch beim 1. FC Köln erfolgreich zusammengearbeitet: Steffen Baumgart und Luca Kilian (r.).
Haben nach ihrer ersten Begegnung beim SC Paderborn auch beim 1. FC Köln erfolgreich zusammengearbeitet: Steffen Baumgart und Luca Kilian (r.).Uwe Kraft/Imago

Die Verantwortlichen verpflichteten Kilian nach dieser einjährigen Leihe fest, konnten aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass der mittlerweile 26-Jährige es bis zum heutigen Tag in mehr als dreieinhalb weiteren Jahren lediglich auf 29 Einsätze in der Bundesliga bringen sollte – und damit auf einen weniger als in seiner ersten Saison. Jetzt ist klar, dass keine weiteren dazukommen werden. Der im Sommer auslaufende Vertrag wird nicht verlängert, Kilian ist also ablösefrei auf dem Markt.

Und damit vielleicht eine Option für Steffen Baumgart und den 1. FC Union Berlin? Der wird bekanntlich mit Danilho Doekhi und Diogo Leite selbst zwei Innenverteidiger ablösefrei abgeben und in der neuen Spielzeit dringend Ersatz benötigen. Zumal auch noch nicht klar ist, ob die Eisernen Stanley Nsoki, der von der TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen ist, behalten wollen – möglicherweise werden also gar drei Kaderplätze in der Innenverteidigung frei.

Geht der 1. FC Union Berlin im Sommer ins Risiko?

Seine Bundesligatauglichkeit hat Luca Kilian in Paderborn und Köln schon unter Beweis gestellt, Steffen Baumgart weiß um die sportlichen Fähigkeiten und scheint diese aus dem Innenverteidiger rauskitzeln zu können. Der Union-Trainer aber kennt auch das Risiko, das die Köpenicker mit einer Verpflichtung des Noch-Kölners eingehen würden. Denn: Derzeit befindet sich Kilian in der Reha, möchte nach seinem dritten Kreuzbandriss innerhalb von 18 Monaten wieder spielfähig werden.

Erst zum zweiten Mal hatte er sich nach seinen Kreuzbandrissen im März sowie Dezember 2024 wieder ans Team herangearbeitet, da ereilte ihn im September des vergangenen Jahres der dritte Schicksalsschlag dieser Art innerhalb kurzer Zeit. Nach dem zweiten Kreuzbandriss hatten die Kölner den Vertrag noch bis Sommer 2026 verlängert, ein weiteres Mal wird das nicht passieren.

Eine Verpflichtung durch einen neuen Verein ist durch diese Verletzungshistorie eine Wette auf die Zukunft. Kilian wäre nicht der erste Spieler, der nach solchen Schicksalsschlägen ein dauerhaftes Comeback schafft. Er wäre aber auch nicht der Erste, der seine Karriere frühzeitig beenden muss. Beim 1. FC Union Berlin geht Präsident Dirk Zingler gerne mal ins Risiko. Und ein gesunder Luca Kilian hat gerade unter Steffen Baumgart schon mehrfach den Nachweis seiner Tauglichkeit in der Bundesliga erbracht. Vielleicht sind im Sommer aller guten Dinge drei.