Blickt man in die noch immer recht junge Bundesliga-Historie des 1. FC Union Berlin, stellt man schnell fest, dass die Auftritte in der Allianz Arena nicht wirklich von Erfolg gekrönt waren. Klar, der gastgebende FC Bayern ist Branchenführer in Deutschland, Serienmeister und auch in Europa eine große Nummer. Die Gesamtbilanz mit lediglich einem Punkt aus insgesamt sechs Spielen, zuletzt vier Niederlagen in Folge ohne ein selbst erzieltes Tor, war vor Anpfiff dann aber doch etwas dürftig.
Im Hier und Jetzt traten die Köpenicker den Weg gen Süden trotzdem mit einem gesunden Selbstvertrauen an. Sechs Tage zuvor hatte Union mit dem 1:0-Auswärtssieg in Freiburg den wohl vorentscheidenden Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht, dabei sieben Punkte zwischen sich und den Relegationsplatz gebracht. Die Bayern indes holten in Leverkusen einen Punkt, um dann am Mittwoch in der Champions League umso größer aufzutrumpfen. Gegen Atalanta Bergamo gab's ein 4:1 und damit verbunden den Einzug ins Viertelfinale, in dem im April Real Madrid wartet.
Trainer Steffen Baumgart hatte auf Gästeseite im Vergleich zur Vorwoche drei personelle Änderungen vorgenommen. Frederik Rönnow kehrte als Torhüter zurück zwischen die Pfosten, Aljoscha Kemlein und der zuletzt gesperrte Leopold Querfeld durften ebenfalls von Beginn an ran. Andrej Ilic und Ilyas Ansah saßen auf der Bank, Rönnow-Vertreter Matheo Raab hatte sich die Hand gebrochen und wird in der laufenden Spielzeit wohl nicht mehr zum Einsatz kommen. Auch das System passte Baumgart an, Dreier- statt Viererkette.
Genau die hatte im ersten Durchgang erwartungsgemäß viel zu tun. Danilho Doekhi, der beim spektakulären 2:2 im Hinspiel doppelt getroffen hatte, legte Star-Stürmer Harry Kane zwar zunächst einigermaßen wirkungsvoll an die Kette, doch mit zunehmender Dauer rollte der Bayern-Express mit immer mehr Vehemenz Richtung Union-Tor. Lennart Karl, gerade von Bundestrainer Julian Nagelsmann erstmals für die Nationalmannschaft nominiert, traf nur den Pfosten (29.), Kane schoss einen Freistoß aus eigentlich guter Position weit drüber (38.) und Michael Olise fand seinen Meister in Rönnow (39.).
Olise trifft zur Bayern-Führung, Gnabry legt nach
Ein Tor der Gastgeber bahnte sich in dieser Phase mehr und mehr an, fiel dann aber doch ziemlich billig. Ein einfacher langer Ball von Leon Goretzka auf Olise reichte, um die Köpenicker Defensive zu düpieren. Der Franzose wackelte Landsmann Stanley Nsoki locker aus und traf platziert ins lange Eck (43.). Der Gegentreffer zeigte Wirkung. Union war keine drei Minuten später ein zweites Mal nicht auf der Höhe, Serge Gnabry verwertete am langen Pfosten die Hereingabe von Joshua Kimmich zum 2:0 (45.+1).
Schiedsrichter Patrick Ittrich machte übrigens ein nahezu fehlerfreies Spiel. Die Befürchtungen von Manager Horst Heldt, der in der vergangenen Woche gemutmaßt hatte, die Bayern könnten vom Unparteiischen wegen ihrer zuletzt sehr lauten Kritik an den Schiedsrichtern mit etwas mehr Wohlwollen behandelt werden, bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht.

Auch nach der Pause musste Ittrich in einer insgesamt fairen Auseinandersetzung nur selten eingreifen. Baumgart hatte Ilic für Skarke und Tom Rothe für den ziemlich überforderten Nsoki gebracht, an der Spielrichtung änderte sich bis zum Abpfiff allerdings nichts. Kane erzielte sehenswert das 3:0 (49.), Olise verpasste freistehend per Kopf (53.), Karl mit dem Fuß (57.) einen schon zu diesem Zeitpunkt möglichen vierten Treffer.


