Mit dem Abstieg aus der Bundesliga der Frauen wollte der 1. FC Union Berlin eigentlich nichts mehr zu tun haben. „Das ist unser Anspruch“, hatte Geschäftsführerin Jennifer Zietz in der Winterpause gesagt. Union hatte wenige Tage vorher 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg gewonnen und sich so aus der Abstiegszone entfernt. Vier Neuzugänge und die Rückkehr von langzeitverletzten Leistungsträgerinnen ließen die Hoffnung blühen, dass Ailien Poese und ihre Spielerinnen von nun an eher auf die vorderen Plätze der Tabelle blicken dürften. Doch nun stehen die Köpenickerinnen am kommenden Sonnabend (14 Uhr) im Bundesligaspiel gegen die SGS Essen wieder unter Zugzwang.
Plötzlich steckt der 1. FC Union Berlin wieder im Abstiegskampf
Am vergangenen Freitag begann die Restsaison anders, als es sich Zietz und Poese vorgestellt hatten. Im Stadion An der Alten Försterei verloren die Eisernen 1:2 gegen Bayer 04 Leverkusen. Weil der Hamburger SV wiederum gegen die SGS Essen gewonnen hat, beträgt der Abstand auf die Abstiegsplätze nur noch sechs Punkte.
„Das ärgert mich“, sagte die Union-Trainerin nach der Niederlage. Trotz fast 30 Minuten Überzahl, weil Leverkusens Ruby Grant mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war, konnte ihr Team die zwischenzeitliche 1:0-Führung nicht über die Zeit bringen oder gar ausbauen. „Wir wurden hektisch“, kritisierte Poese.
An dieser Unruhe könnte sie allerdings auch selbst beteiligt gewesen sein. Schon zur Halbzeit nahm sie Anna Weiß zwar berechtigt vom Feld, brachte für die Rechtsverteidigerin allerdings mit Hannah Eurlings eine Offensivkraft in die Partie. Antonia Halverkamps, eigentlich im rechten Mittelfeld beheimatet, wechselte eine Position nach hinten. Kurz vor dem Platzverweis wechselte sie Tanja Pawollek, Lisa Heiseler und Dina Orschmann aus und nahm so drei ihrer erfahrensten Spielerinnen gleichzeitig vom Feld. Dann erst ging das Spiel verloren.
Die Eisernen brauchen in den nächsten Wochen viele Punkte
Das Duell mit Essen, derzeit 13. und somit auf dem ersten Abstiegsplatz, birgt die Gefahr, sich noch tiefer im Abstiegsstrudel zu verfangen. Die Gastgeberinnen könnten schließlich auf drei Punkte herankommen. Das Spiel bietet aber auch die Chance auf Wiedergutmachung. Bei einem Sieg wären die größten Sorgen erst einmal passé, für Union ist er im Grunde sogar Pflicht. Auch wenn Hannah Eurlings das nach ihrem Debüt erst einmal bestritt: „Nein, das ist unsere erste Saison in der Bundesliga. Wir müssen nichts, wir wollen aber sehr gerne. Und das muss unser Mindset für die nächste Woche sein.“
Um den eigenen Erwartungen gerecht zu werden (zwischen Platz fünf und acht am Saisonende), muss Union allerdings nicht nur in Essen gewinnen, sondern die nächsten Spiele nutzen, um eine Serie zu starten. Schon in der Hinrunde lebte der FCU lange von den sieben Punkten, die sie in den ersten vier Spielen eingeheimst hatten. Nach Essen kommen erst die Tabellenletzten aus Jena nach Berlin, dann geht es gegen Freiburg (8.), Köln (6.) und Leipzig (11.). Die Eisernen müssen hoffen, schnell eine Serie starten zu können und dann ihr Punktekonto aufzufüllen, bevor im Saisonendspurt die Schwergewichte (Bremen, Wolfsburg, Bayern) auf sie zukommen.

Amber Tysiak wird beim 1. FC Union Berlin gleich zur Abwehrchefin
Dabei helfen könnte Eurlings neue und alte Teamkameradin Amber Tysiak. Die Belgierin kam von West Ham United aus der englischen Women’s Super League an die Wuhle. Eurlings kennt sie bereits aus gemeinsamen Zeiten bei OH Leuven und aus dem belgischen Nationalteam. „Ich bin glücklich, dass Amber hier ist“, sagte Eurlings, und auch Poese war nach dem ersten Spiel zufrieden mit ihrer neuen Innenverteidigerin: „Sie spielt sehr sicher und stabil. Sie ist auf jeden Fall ein Gewinn für die Mannschaft.“


