Die Pressemitteilung kam am Montagnachmittag. Ziemlich unscheinbar und vor allem ziemlich überraschend. Ailien Poese wird ab Sommer bei den Frauen des 1. FC Union Berlin nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Die Trainerin, so steht es in der offiziellen Mitteilung des Vereins, hat sich gegen eine Vertragsverlängerung in der Profiabteilung entschieden und kehrt stattdessen in den Nachwuchsbereich der Eisernen zurück.
Die Nachricht, die zu Beginn der Woche bundesweit Beachtung erfuhr, bestimmt vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln (Freitag, 18.30 Uhr) natürlich die Schlagzeilen. Die 41-Jährige schrieb mit den Köpenickerinnen eine derart beeindruckende Erfolgsgeschichte, dass ihr Abschied zum Saisonende das sportliche Tagesgeschäft in den Schatten stellt.
Der Mannschaft wurde die Entscheidung ebenfalls am Montag von Poese persönlich mitgeteilt. „Überrascht“ waren die Spielerinnen, berichtete Anna Weiß in einer Medienrunde am Mittwoch. Die 28-Jährige, die am vergangenen Spieltag beim 1:1 in Freiburg mit einem wuchtigen Schuss von der Strafraumgrenze ihr erstes Saisontor erzielt hatte, war auch wegen der Trainerin vor zweieinhalb Jahren aus Jena nach Berlin gewechselt. „Wir hatten immer einen guten Austausch. Ich bin selbst gespannt, wer da jetzt kommt, bin mir aber sicher, dass der Verein eine gute Entscheidung treffen wird“, sagte Weiß.
Eine naheliegende Lösung wäre die Anstellung von Marie-Loise Eta, die in der vergangenen Saison schon als Individualtrainerin zum Staff der Frauenmannschaft gehörte, in dieser Saison die U19 an der Schwelle zum Profibereich der Herren anleitet. Gut möglich allerdings, dass sich Managerin Jennifer Zietz außerhalb des eigenen Stalls umschaut, der Mannschaft damit ganz neue Impulse verleiht.
Es droht das Verpassen des angestrebten Saisonziels
Bei jedem berechtigten Loblied auf Ailien Poese, das sich die Trainerin mit dem Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga mehr als verdient hat, waren die Zweifel hinsichtlich der Entwicklung des Teams in den vergangenen Monaten allerdings größer geworden. Die Mannschaft, die im vergangenen Sommer und nun auch noch mal im Winter-Transferfenster personell arg verstärkt wurde, steht in der höchsten deutschen Spielklasse nach 18 Spielen nur auf Rang zehn. Als Aufsteiger, der angesichts schwach punktender Konkurrenz schon fast sicher für ein weiteres Jahr in der Bundesliga planen darf, ist das prinzipiell alles andere als eine schwache Zwischenbilanz. Nur ist Union eben kein ganz normaler Aufsteiger. Die Bedingungen, die der Verein Stück für Stück geschaffen hat, können in Deutschlands Fußballspitze locker mithalten.
Den Auftakt zur Acht-Spiele-Abschiedstournee von Poese, die am Wochenende des 16./17. Mai mit der Auswärtspartie bei Eintracht Frankfurt ihren Abschluss finden wird, macht der Heimauftritt gegen Köln. Der Gegner steht im Klassement zwei Plätze und sechs Punkte besser da, ein Sieg ist angesichts des schweren Restprogramms quasi Pflicht, um das angepeilte Saisonziel „Platz fünf bis acht“ nicht schon im Februar aus den Augen zu verlieren.



