Die Gastspiele des 1. FC Union Berlin bei Borussia Mönchengladbach hatten in den vergangenen Jahren nur bedingt Unterhaltungswert. In der Saison 2022/23 siegten die Köpenicker in einer an Höhepunkten armen Partie durch ein Tor von Sheraldo Becker mit 1:0, ehe in der darauffolgenden Spielzeit beim torlosen Remis keine Mannschaft so richtig Torgefahr ausstrahlen konnte.
Vor eineinhalb Jahren unterlag Union im Borussia-Park durch ein Tor in der Nachspielzeit mit 0:1, die erste Niederlage unter dem damaligen Trainer Bo Svensson. Es war also nicht verwunderlich, dass am Sonnabend beim Stand von 0:0 in der Nachspielzeit mal wieder alles darauf hinauslaufen würde, dass die Paarung später in keinem Jahresrückblick auftauchen würde.
Einer Unachtsamkeit von Stanley Nsoki war es dann doch noch geschuldet, dass die Gastgeber in der Nachspielzeit einen Foulelfmeter zugesprochen bekamen, den Kevin Diks souverän zum 1:0 verwandelte. Gladbach ging wie in der Vorsaison ganz spät als Sieger vom Platz, Union fuhr mit leeren Händen nach Hause. Von der „wahrscheinlich schlechtesten Saisonleistung“ sprach Rani Khedira hinterher. Steffen Baumgart referierte auf der Pressekonferenz gar von einer „persönlichen Enttäuschung“. Der Trainer, sonst nie um klare Aussagen verlegen, rang sichtlich mit Worten. Zu desillusionierend war das, was seine Mannschaft zuvor vor allem offensiv auf dem Platz gezeigt hatte.
Am Ende hatte Borussia Mönchengladbach in den xGoals-Werten eine drei vor dem Komma stehen. Die Berliner standen bei einer fast unglaublichen Zahl von 0,14. „Wenn man nicht aufs Tor schießt, kann man auch keine Spiele gewinnen“, konstatierte Baumgart, als er dann doch vorsichtig eine erste Analyse vornahm. Wer geglaubt hatte, dass Union durch den 1:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen eine Woche zuvor ordentlich Selbstvertrauen getankt hatte, sah sich schnell eines Besseren belehrt.
Baumgart hatte im Vergleich zur Vorwoche zwei Wechsel in seiner Startelf vorgenommen. Kapitän Christopher Trimmel kehrte anstelle von Janik Haberer zurück auf den Rasen, Oliver Burke ersetzte in vorderster Front den gelbgesperrten Andrej Ilic. Die erste der beiden Personalien musste der Trainer schon zur Pause korrigieren. Trimmel hatte auf seiner Seite wie schon im Hinspiel immer wieder Probleme mit dem flinken Jens Castrop, sah zudem schon Mitte der ersten Halbzeit die Gelbe Karte.
Haberer wird deutlich: „Leidiges Thema in dieser Saison“
Burke dagegen durfte bis in die Schlussphase hinein am Spiel teilnehmen, zumindest auf dem Platz stehen, denn die Offensive war auch abseits der nicht vorhandenen Torchancen quasi völlig abgemeldet. Kaum ein Ball konnte in der gegnerischen Hälfte von Burke, Wooyeong Jeong oder den nachrückenden Akteuren behauptet und sauber weitergeleitet werden. Die Spielfortsetzung nach einem Ballgewinn oder einem erfolgreichen Zweikampf war über 90 Minuten mangelhaft.
Es war der schwachen Gladbacher Abschlussqualität und dem Videoschiedsrichter zu verdanken, dass die Gäste nicht schon früher in Rückstand lagen. Der spätere Torschütze Diks köpfte unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff über das leere Tor des schon geschlagenen Frederik Rönnow. Der Kölner Keller annullierte Mitte der zweiten Halbzeit den vermeintlichen Führungstreffer von Diks, weil Kapitän Rocco Reitz in der Entstehung im Abseits gestanden hatte.
„In der zweiten Halbzeit hat sich ein Tor vom Gegner mehr und mehr angebahnt, schon vor dem Elfmeter hatten sie ein oder zwei richtig gute Möglichkeiten. Es ist unser Anspruch, auch gegen die Mannschaften Punkte zu holen, die mit uns auf Augenhöhe sind. Gegen die Teams, die in der Tabelle oben stehen, kriegen wir es hin, aber ansonsten tun wir uns schwer. Das ist ein leidiges Thema in dieser Saison“, sagte Haberer.

Am nächsten Sonntag (17.30 Uhr) empfängt der 1. FC Union Berlin zum Abschluss des 25. Spieltags Werder Bremen im Stadion An der Alten Försterei. Wieder ein Gegner also, der sich mit den Eisernen nahezu auf Augenhöhe bewegt und der beim 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Heidenheim am Sonnabend eine 13 Spiele andauernde Negativserie beenden konnte.


