Wieder treffen die Joker

1. FC Union Berlin: Von der Bank kommt die Wirkung, die es in der Bundesliga braucht

Zum dritten Mal in Folge hatten die Einwechselspieler für den 1. FC Union Berlin eine entscheidende Wirkung. Einer bekam vom Trainer gar ein Sonderlob.

Wooyeong Jeong erzielte gegen Mainz als Einwechselspieler sein erstes Saisontor.
Wooyeong Jeong erzielte gegen Mainz als Einwechselspieler sein erstes Saisontor.IMAGO/nordphoto GmbH / Engler

Einen Namen als Torjäger hat sich Wooyeong Jeong in der Bundesliga noch nicht wirklich gemacht. Bis zum Wochenende standen 147 Partien in Deutschlands höchster Spielklasse in der Vita des Südkoreaners. 15 Treffer hatte er dabei selbst erzielt, elf weitere vorbereitet. Für einen Profi, der zwar selten im Sturmzentrum auftaucht, trotzdem meist im Angriffsdrittel seiner Mannschaft zu finden ist, eine wahrlich ausbaufähige Bilanz. Steffen Baumgart schien am Sonnabend also nicht unbedingt zur vollständigen Schlussoffensive zu blasen, als er Jeong 20 Minuten vor dem Ende der Begegnung mit Tabellenschlusslicht 1. FSV Mainz 05 zur Einwechslung zu sich rief.

Der Trainer des 1. FC Union Berlin hatte bis zu diesem Zeitpunkt gesehen, wie der Gegner in Person von Nadiem Amiri (30.) und Benedict Hollerbach (69.) zwei Tore erzielt hatte, während seine Angreifer nur bedingt Angst und Schrecken vor dem gegnerischen Gehäuse verbreitet hatten. Ausgerechnet Hollerbach, dürften nicht wenige Köpenicker Anhänger zu diesem Zeitpunkt gestöhnt haben. In der vergangenen Saison hatte der mit neun Treffern noch maßgeblichen Anteil am Klassenverbleib der Eisernen, ehe er im Sommer für eine zweistellige Millionensumme nach Rheinhessen gewechselt war.

Jeong also entledigte sich seiner Aufwärmklamotten, bekam letzte Instruktionen und schickte sich tatsächlich an, dem Spiel eine nicht mehr für möglich gehaltene Wendung zu geben. Sieben Minuten stand er gerade auf dem Rasen, da lief er bei einem Doppelpass zwischen Ilyas Ansah, ebenfalls eingewechselt, und Derrick Köhn auf den ersten Pfosten, um die Flanke von Letzterem im Stile eines Mittelstürmers per Kopf im gegnerischen Tor zu versenken.

„Vor dem Spiel hat der Trainer gesagt, dass wir nicht immer nur die Stammspieler brauchen, sondern alle, und wenn wir eingewechselt werden, sollten wir dem Team Energie verleihen“, erzählte der 26-Jährige hinterher. Da hatte er vor allem deshalb Grund zur Freude, weil in Marin Ljubicic ein weiterer Baumgart-Joker in der Schlussphase sogar noch zum 2:2-Endstand getroffen hatte (86.). Der vorangegangene Kopfball von Danilho Doekhi war wohl noch nicht in vollem Umfang hinter der Linie, sodass dem Kroaten, der den Ball per Kopf für alle sichtbar über die Linie drückte, das Tor bei dessen erstem Saisoneinsatz gutgeschrieben wurde.

Drei Spiele, sechs Tor-Beteiligungen der Joker

An der kurzen Serie, die der 1. FC Union Berlin mit dem 3:1 gegen RB Leipzig Mitte Dezember gestartet und beim 1:0-Erfolg in Köln kurz vor Weihnachten fortgesetzt hatte, haben vor allem die Einwechselspieler großen Anteil. Gegen die Sachsen bereiteten Christopher Trimmel und Andrej Ilic als Neue von der Bank zwei Tore vor, Tim Skarke traf als Joker zum Endstand. In Köln war es András Schäfer, der nur sechs Minuten auf dem Platz brauchte, um Union ganz spät einen Dreier zu sichern. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil von Spieltag eins bis 13 kein einziger Einwechselspieler getroffen hatte.

„Ich habe schon vorher gesagt, dass wir als Mannschaft und als Verein über das Kollektiv kommen und nicht nur über die erste Elf“, sagte Baumgart, der an einen Spieler noch ein Sonderlob verteilte. „Ich möchte András hervorheben, der gerade nicht von Anfang an spielt, weil Rani (Khedira) und Joschi (Kemlein) es auf der Position sehr gut gemacht haben. Jedes Mal, wenn er reinkommt, ist er aber bei einhundert Prozent und haut in dem Moment genau das raus, was er kann“, stimmte der Trainer eine kleine Eloge auf Schäfer an.

Andrej Ilic (r.) hätte gegen Mainz zwingend seinen ersten Saisontreffer erzielen müssen, schoss aber über das leere Tor.
Andrej Ilic (r.) hätte gegen Mainz zwingend seinen ersten Saisontreffer erzielen müssen, schoss aber über das leere Tor.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Der hätte nach seinem Siegtor in Köln fast wieder ein ganz persönliches Erfolgserlebnis feiern können, scheiterte mit seinem listigen Versuch über den aus seinem Tor geeilten Mainzer Keeper Daniel Batz aber an der Latte. Den Abpraller hätte Ilic, der weiter auf sein erstes Saisontor wartet, zwingend verwerten müssen. Es passte zur aktuellen Verfassung des Mittelstürmers, dass er aus Nahdistanz nicht ins Tor traf, sondern den Ball über den Querbalken bugsierte. Nach Abpfiff sollte diese Szene glücklicherweise nur eine Randnotiz bleiben.

Auf den 1. FC Union Berlin wartet nun eine englische Woche, die die Mannschaft zunächst am Donnerstag (20.30 Uhr) zum FC Augsburg führt, ehe am Sonntag (15.30 Uhr) das Gastspiel beim VfB Stuttgart wartet, der am Wochenende mit dem 4:1-Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen ein ganz dickes Ausrufezeichen beim Restart nach der Winterpause setzen konnte. Bei einem Auswärtssieg in Augsburg würden die Köpenicker die Hinrunde mit einer beeindruckenden Punktzahl abschließen. 25 wären es dann. Zum Vergleich: In den Jahren, als sich Union am Ende für die Conference und die Europa League qualifizieren konnte, waren es zu diesem Zeitpunkt zunächst 28, dann 27 Zähler.