Es klingt immer ein wenig komisch, wenn vom Gegner Lob kommt. Das gab es für den 1. FC Union Berlin nach dem 0:3 zu Hause gegen Dortmund, das gab es auch eine Woche später nach dem 1:3 bei der TSG Hoffenheim. Das sind immerhin der Tabellenzweite und -dritte der Bundesliga und damit nicht unbedingt Vereine, die zu den Köpenickern aufschauen müssen. Natürlich ist es nach einem Sieg immer leicht, dem Gegner mit Worten auf die Schulter zu klopfen. Um damit auch ein wenig die eigene Leistung anzuheben.
In Hoffenheim hieß es von TSG-Sportgeschäftsführer Andreas Schicker unmittelbar nach dem Spiel: „Union hat es richtig gut gemacht und hat uns viel abverlangt.“ Dem Österreicher nimmt man die Erleichterung ab, zu sehr waren die Kraichgauer noch gestresst von einer Partie, die sie nicht unbedingt dominiert, dennoch aber ziemlich unbeschadet überstanden hatten. Für einen Eisernen steckte im Lob dennoch auch ein wenig Gift. Genau das deutet auf ein derzeitiges Dilemma beim 1. FC Union hin. Gut mitgespielt haben sie, das schon. Auch haben sie dem Gegner den Sieg nicht geschenkt. Die drei Punkte aber haben sie ihm dann doch überlassen.
Was dabei vor allem bedenklich stimmen mag, ist, wie es zum 1:3 bei der TSG Hoffenheim gekommen ist. Es wurde ein nahezu deckungsgleiches Abbild des Hinspiels: eine ausgeglichene erste Halbzeit mit Chancenvorteilen sogar für die Köpenicker; mit Ablauf dieser ersten 45 Minuten ein Elfmeter gegen sie; ein zweites Tor in der Nachspielzeit dieses ersten Durchgangs. Leichthin sagt man, dass nur der Fußball derlei Geschichten schreibt. Seltsam ist es dennoch, dass es zweimal innerhalb einer Saison und dazu gegen denselben Gegner passiert. Dass sich danach Leopold Querfeld, der den Elfmeter in Köpenick wie auch den in Sinsheim verursacht hat, den Fragen stellt, ehrt ihn. Trotzdem ist es für ihn maximal blöd gelaufen.
Ein Trainer sucht danach zumeist nach positiven Sequenzen, die es in beiden Spielen gab. Bei der TSG fraglos mehr als gegen den BVB. Dennoch darf die Gefahrenlage nicht aus dem Blick geraten. Fünf Spiele ohne Sieg bedeuten für den 1. FC Union, dass er im Kalenderjahr 2026 zu jenen Teams gehört, die noch ohne Dreier sind. Dennoch gibt es vier Mannschaften, die in diesem Zeitraum mit einem Zähler weniger noch mieser dran sind, nämlich Schlusslicht Heidenheim, der FC St. Pauli, Werder Bremen und mit Eintracht Frankfurt der nächste Gegner, der am Freitag ins Stadion An der Alten Försterei kommt.
Man kennt den Fluch der guten Tat auch in Köpenick
Schon wird mancherorts die Zündschnur kürzer. Nach der Winterpause haben neben Werder (Horst Steffen hatte sein Amt erst im Sommer angetreten) auch die Hessen ihren Trainer entlassen. Dabei hatte Dino Toppmöller die Eintracht zu ihrem besten Abschneiden seit über 30 Jahren geführt: Rang 3, Champions League. Den Fluch der guten Tat kennt man in ähnlicher Form auch in Köpenick.
Im Berliner Südosten wurde gerade ein ganz anderes Zeichen gesetzt. Da wurde der Vertrag mit Steffen Baumgart verlängert. Nicht schlecht für einen, der an alter (Spieler-)Wirkungsstätte einen nicht ganz so furiosen (Trainer-)Start hatte. Wenn der Jahresbeginn anno 26 also ein wenig verkorkst verläuft, dann verlief der zwölf Monate zuvor zumindest holprig. Wer, wenn nicht Baumgart, sollte sich daran erinnern. In seinen ersten fünf Partien gab es mit dem 2:1 gegen Mainz und einem 0:0 in Leipzig nur einen Punkt mehr, dafür in Heidenheim (0:2), gegen Augsburg (0:2) und bei St. Pauli (0:3) kräftig Senge. Damals bekamen sie, beginnend mit dem Spiel gegen Eintracht, die Kurve.


