Reisen ins Umland

49-Euro-Ticket: Traumhafte Touren nach Brandenburg

Mit dem Deutschlandticket ist das Reisen günstig. Ideal also, um auch Brandenburg zu erkunden: Prunkschloss, Klosterbier, Waldmöpse, viel Wasser und gutes Essen.

Mit dem Deutschlandticket kommt man schnell und günstig in die schönsten Ecken Brandenburgs.
Mit dem Deutschlandticket kommt man schnell und günstig in die schönsten Ecken Brandenburgs.Fotoillustration: Friedrich Hallof für Berliner Zeitung am Wochenende. Bilder: Imago

Einmal quer durchs Land, ohne dabei arm zu werden – das Deutschlandticket für 49 Euro macht’s möglich. Busse und Bahnen stehen einem nach Belieben zur Verfügung, ohne dass man extra Fahrscheine kaufen muss.

Man kann fahren, wohin und wie oft man will: zur Ostsee, in den Harz, in die Sächsische Schweiz und noch viel weiter. Der neue Reiseratgeber eines kleinen Berliner Buchverlages (siehe unten) beschreibt nun 32 der schönsten Touren, die man von Berlin aus mit dem Deutschlandticket machen kann.

Aber es muss nicht immer weit weg sein, denn auch unser Nachbarland Brandenburg steckt voller Sehenswürdigkeiten, Erlebnisse und Naturschätze. Jeder Landkreis hat seinen eigenen Reiz, jede Stadt ihre Geheimnisse. Wir haben drei besondere Perlen für Sie herausgefischt.


Schloss, Wasser, Kultur: Rheinsberg ist wie ein Märchen

„Sonntagnachmittag am weitläufigen Marktplatz von Rheinsberg: Besucher und Einheimische flanieren unter alten Kastanien- und Ahornbäumen, Fuhrleute bieten Kutsch- und Kremsertouren an, Cafés und Restaurants aller Preisklassen warten auf Gäste – und am südlichen Rand des Platzes prunkt das Schloss“, beschreibt der Deutschlandticket-Reiseführer das 8000-Einwohner-Städtchen in Ostprignitz-Ruppin (OPR).

Wasser gibt es in Rheinsberg zur Genüge, sogar in Kombination mit dem wunderschönen Barock-Schloss und dem angrenzenden Schlossgarten. Offiziell gehört der Rheinsberger See sogar zur Mecklenburgischen Seenplatte, ist aber zugleich Teil des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land.

Das Schloss Rheinsberg kann man besichtigen. „Zahlreiche Kunstwerke schmücken die Räumlichkeiten des Schlosses und laden zu einer Reise in die Zeit des 18. Jahrhunderts ein“, heißt es auf der Website. Originale Raumdekorationen gehören ebenso dazu wie Einrichtungsgegenstände, Wohnraumensembles und Ölgemälde. Eine echte Zeitreise!

Geöffnet ist das Rheinsberger Schloss von dienstags bis sonntags von 10 bis 17.30 Uhr (montags Ruhetag), der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 7 Euro.

„Dass Rheinsberg ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum beliebten Ausflugs- und Luftkurort wurde, ist auch zwei Schriftstellern zu verdanken. Zum einen natürlich Theodor Fontane, der den Reiz von Stadt, Schloss und Seenlandschaft schon in seinen (…) ‚Wanderungen durch die Mark Brandenburg‘ beschrieben hatte. Zum anderen Kurt Tucholsky: 1912 wurde er mit der Liebesgeschichte ‚Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte‘ bekannt und setzte dem Landstädtchen ein literarisches Denkmal. Die Stadt dankt es dem Autor heute mit einer Ausstellung in der Kurt-Tucholsky-Gedenkstätte im Schloss Rheinsberg“, erklärt der Deutschlandticket-Reiseführer.

Essen gehen sollten Sie im familiengeführten Restaurant Alter Fritz (Schlossstraße 11). Es gibt Pasta, Fisch und Fleisch, viel Regionales und Raffiniertes. Die geschmorte Lammhaxe in Burgunder-Rosmarin-Soße mit Sesammöhren und Trüffelpüree kostet zum Beispiel 24 Euro.

Geöffnet ist die Gaststätte mittwochs bis freitags von 18 bis 22 Uhr, am Wochenende sowie feiertags von 12 bis 15 Uhr und 18 bis 22 Uhr (montags und dienstags Ruhetag).


Jahrhundertealtes Kloster mit Brauerei: Neuzelle ist das perfekte Wochenendziel

Neuzelle, gelegen im Landkreis Oder-Spree (LOS), ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und hat seinen Namen dem dort angelegten Kloster zu verdanken. Es ist mit seinen knapp 750 Jahren das einzig erhaltene Zisterzienserkloster in Brandenburg und gehört zu den ältesten Gebäuden des Landes.

Zur Anlage gehören ein Weinberg, ein Obstgarten sowie ein malerischer See, der Klosterteich. Im Klostergebäude selbst gibt es ein Museum (Eintritt: 5 Euro) sowie die sehr schöne St.-Marien-Kirche mit prächtiger Orgel. Beide können von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr besichtigt werden (zwischen Oktober und März nur bis 16 Uhr; montags Ruhetag). Den Klostergarten kann man von 10 bis 20 Uhr erkunden.

„Zu einem Klosterbesuch gehört auch ein Besuch in der Klosterbrauerei. Hier wird seit über 700 Jahren aus Hopfen und Malz das Neuzeller Schwarzbier gebraut. Allerdings fügen die Neuzeller Brauer nach einem alten Rezept auch Zuckerrübensirup hinzu. Das wiederum verstößt gegen das deutsche Reinheitsgebot für Bier aus dem Jahr 1516, weswegen das Gebräu nicht als Bier bezeichnet werden darf“, schreibt der Autor Klaus Scheddel in seinem Reiseratgeber.

Unmittelbar vor dem Kloster befindet sich die Klosterklause, eine im besten Sinne beschauliche Gaststätte mit Sommerterrasse. Hier werden sogar Kochkurse angeboten (75 Euro pro Person), zudem sei Ihnen der Schwarzbierbraten empfohlen. Das ist ein mit Schwarzbier marinierter Braten aus der Schweinekeule in Biersoße, dazu gibt’s Spreewälder Weinsauerkraut und hausgemachte Semmelknödel (16,90 Euro).


Drei Stadtkerne mit Loriot-Kult: Brandenburg an der Havel hat viel zu bieten

Das Schöne an Kleinstädten ist, dass man sie sich zu Fuß erschließen kann. Das trifft in besonderem Maße auf Brandenburg an der Havel zu, wohin man sowohl mit der Bahn als auch mit dem Auto binnen einer guten Stunde gelangt.

„Vom Hauptbahnhof aus – heute ein klassizistisches Schmuckstück – führt ein schöner Spazierweg in die Innenstadt“, heißt es im Berliner Deutschlandticket-Ratgeber. „Man folgt zunächst den Wegweisern zum Archäologischen Landesmuseum. Durch die Kleine Gartenstraße, die anfangs eine Fußgängerstraße ist, gelangt man nach knapp 500 Metern zur Kirchhofstraße, in die man rechts einbiegt. Nach 200 Metern zweigt links zwischen Industriearchitektur ein unscheinbarer Fußweg ab, der bald zu einer Brücke wird und über den Schleusenkanal führt. Der Blick von der Brücke lohnt sich – der idyllische Schleusenkanal ist von Grün eingerahmt.“

Mit Altstadt, Neustadt und Dominsel hat die Havelmetropole, die im Übrigen die drittgrößte Stadt Brandenburgs ist, gleich drei wunderschöne Stadtkerne. Man kommt vorbei an imposanten Backsteinkirchen und schmucken Bürgerhäusern aus dem 18. Jahrhundert, läuft über beeindruckende Brücken und begegnet immer wieder possierlichen Mops-Skulpturen.

Diese tragen ein Geweih und erinnern an Loriot, der als Vicco von Bülow in Brandenburg an der Havel geboren wurde. „Bei uns (…) erinnern die gehörnten, plattnasigen Waldmöpse mit Ringel­schwänzen, die unlängst im Humboldthain am Salzhofufer ‚ausgewildert‘ wurden, an Loriot. Die etwa 50 Zentimeter großen Bronze­figuren sitzen, stehen, schlafen, schnüffeln und heben das Bein“, erklärt die Stadt dazu. Mehr als 25 Tiere sollen es sein. Es gibt sogar eine Mopskarte, auf der die Standorte verzeichnet sind.

Darüber hinaus kann man geführte Touren zu den Möpsen buchen, aber auch auf den Spuren Loriots wandeln (Preis: jeweils 12 Euro, Dauer: zwei Stunden).

Spannend ist es auch im Archäologischen Landesmuseum, das im Paulikloster untergebracht ist (Neustädtische Heidestraße 28). Vom 1. Juni an wird dort eine Eiszeit-Ausstellung gezeigt – man erfährt alles über Wollnashörner, Mammuts und Höhlenlöwen. „Mehr als 60 lebensechte Tierrekonstruktionen, Skelette und Präparate veranschaulichen die eiszeitliche Natur. Nicht fehlen darf der Blick auf das Alltagsleben der Menschen jener Epoche“, schreibt das Museum.

In der Dauerausstellung sind etwa 10.000 Exponate aus 130.000 Jahren brandenburgischer Geschichte zu sehen. Insgesamt neun Räume zeigen, wie das Leben und das Sterben in der Stein- und Bronzezeit war, womit die Slawen bezahlten, aber auch, warum das Reisen im Mittelalter so besonders war.

Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet (montags Ruhetag); der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, und für eine Familienkarte zahlt man 10 Euro. Achtung: Man kann nur bar zahlen!

So viel Herumlaufen und Erkunden macht hungrig. Nehmen Sie am besten auf der Terrasse des Ristorante La Famiglia (Hauptstraße 77) Platz und genießen den idyllischen Ausblick auf die Havel. Das Restaurant ist in der ehemaligen Volkswerft gelegen und bietet italienische Küche (Pizzen ab 8,50 Euro). Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 12 bis 22 Uhr (montags Ruhetag).

Klaus Scheddel: Mit dem Deutschlandticket ab Berlin. 32 schöne Touren zwischen Ostsee und Harz, Via Reise Verlag, 144 Seiten, ca. 17 Euro