Debatte

Das westdeutsche Modell kollabiert und der Osten weiß, was kommt

Drei Jahrzehnte lang erklärte der Westen dem Osten die Welt. Jetzt erlebt er selbst, wie Gewissheiten zerbrechen. Die große „Westalgie“ ist da, und mit ihr eine neue Chance.

Die Welt wird sich weiterdrehen und die Zeit auch, egal wie das System der Zukunft aussieht. Anstatt in West und Ost zu denken (in Schwarz und Weiß, sozusagen), sollten wir gemeinsam eine neue deutsche Ordnung erschaffen und wieder anfangen, Brücken zu bauen.
Die Welt wird sich weiterdrehen und die Zeit auch, egal wie das System der Zukunft aussieht. Anstatt in West und Ost zu denken (in Schwarz und Weiß, sozusagen), sollten wir gemeinsam eine neue deutsche Ordnung erschaffen und wieder anfangen, Brücken zu bauen.Günter Gueffroy

„Westalgie ist total unterschätzt. Alle reden über Ostalgie. Aber jetzt erwischt es die Wessis.“ Dieser Satz von Jakob Augstein im Theater Ost in Adlershof traf mich wie ein Schlag, und deshalb schreibe ich diesen Text hier. Ich saß als gebürtiger Ost-Berliner im Publikum und hörte einen westdeutschen Verleger aussprechen, was ich seit Jahren fühle, aber nie so deutlich formuliert hörte. Neben ihm saß Holger Friedrich, ostdeutscher Verleger, und nickte nur. „Wir Ossis haben das schon durch. Die Normen brechen weg, das System kollabiert, die Gewissheiten erodieren. Das passiert ja gerade. Und ihr haltet uns auf.“

Berliner Zeitung

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