Migration

Spahn über AfD-Erfolg: „Ein 16-Jähriger erlebt die Folgen nicht gelungener Integration viel krasser“

Unionsfraktionschef Jens Spahn nennt Alltagserfahrungen junger Menschen als entscheid für den zunehmenden Erfolg der AfD. TikToks allein würden „diesen Zulauf“ nicht erklären.

Jens Spahn (CDU), Unions-Fraktionsvorsitzender.
Jens Spahn (CDU), Unions-Fraktionsvorsitzender.Michael Kappeler

Unionsfraktionschef Jens Spahn sieht den wachsenden Zuspruch für die AfD unter jungen Wählern nicht allein durch soziale Medien begründet. In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ verwies der CDU-Politiker auf inhaltliche Ursachen und Alltagserfahrungen junger Menschen. „Gute TikTok-Reels erklären diesen Zulauf jedenfalls nicht. Es muss schon auch Inhalte geben, die die jungen Menschen ansprechen“, sagte Spahn.

Seine These: „Ein 16-Jähriger erlebt die Folgen nicht gelungener Integration viel krasser als ein 60-Jähriger – an der Schule, am Wochenende beim Ausgehen, am Bahnhof, im Schwimmbad.“ Anschließend fügt der CDU-Politiker hinzu: „Für die Jugend sind die Folgen irregulärer Migration im Alltag spürbarer als für Senioren.“

Vorwürfe: „Normalisierung“ der AfD

Diese Erfahrungen, so Spahn, würden dann „leider“ auf „gut gemachte Social-Media-Kampagnen von Rechtsaußen“ treffen. Trotzdem dürfe man nicht vergessen, dass ein Viertel der jungen Frauen bei den jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Linkspartei gewählt haben, so Spahn weiter.

Bereits im letzten Jahr hatte Spahn eine Debatte über den Umgang mit der AfD ausgelöst. Der CDU-Politiker hatte vorgeschlagen, die Partei bei organisatorischen Fragen im Bundestag wie andere Oppositionsfraktionen zu behandeln und dabei auf die hohe Zahl ihrer Wähler verwiesen. Vorwürfe, er wolle damit zu einer „Normalisierung“ der AfD beitragen, wies Jens Spahn zurück.

„Das Wort ‚Normalisierung‘ habe ich nicht benutzt“, sagte er damals in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. Zugleich betonte er, er kenne die Partei und ihre Abgeordneten aus eigener Erfahrung und erlebe im Bundestag auch Anfeindungen aus deren Reihen.

Spahn argumentierte, es gebe feste parlamentarische Regeln, die für alle Fraktionen gelten sollten. Er sprach sich dafür aus, diese konsequent anzuwenden, um der AfD nicht die Gelegenheit zu bieten, sich als „Opfer“ zu inszenieren. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Partei von Millionen Wählern unterstützt werde.

Die Aussagen lösten Kritik aus, unter anderem aus der SPD. Vertreter der Sozialdemokraten warnten davor, die AfD durch einen solchen Umgang politisch aufzuwerten.