Zwölf Cent mehr für Diesel, 4,8 Cent mehr für Benzin – seit vier Wochen wird Sprit immer teurer. Vor allem der Dieselpreis klettert unentwegt nach oben, stieg allein in der vergangenen Woche erneut deutlich um 2,9 Cent auf 1,749 Euro im Bundesdurchschnitt. Der Preis für Benzin sank geringfügig um 0,7 Cent auf 1,843 Euro, rechnete der ADAC aus. Benzin ist damit aber immer noch 4,8 Cent teurer als Anfang Juli.
Interessant ist dabei vor allem, dass gerade die Preise beim Diesel in den vergangenen vier Wochen so stark gestiegen sind. Die Preisdifferenz von Diesel und Benzin beträgt inzwischen nur noch 9,4 Cent, obwohl Diesel mit etwa 20 Cent pro Liter weniger besteuert wird. Noch Ende Mai lag die Differenz bei 23 Cent. Zum Vergleich: Im Mai dieses Jahres lag der durchschnittliche Dieselpreis bei 1,56 Euro – inzwischen sind es 20 Cent mehr.
Liegt es an den Sommerferien oder an den gestiegenen Ölpreisen? ADAC-Sprecher Andreas Hölzel sagt zur Berliner Zeitung: „Also die Ferien spielen sicher mit rein. Allein schon, weil viel mehr Menschen unterwegs sind und infolgedessen die Nachfrage nach Kraftstoffen höher ist. Dann steigt auch der Preis.“ Auch stieg der Ölpreis, und das wirkt sich ebenso aus.
Der Ölpreis kann laut Hölzel zwar „als Preistreiber der jüngsten Teuerungswelle gesehen werden“. Der Preis für das Barrel Öl der Sorte Brent sei jedoch nur moderat gestiegen und pendelt um die 85 US-Dollar. Im Mai kostete Öl noch zehn Dollar weniger. „Der Preisanstieg bei Diesel ist allerdings auf dieser Grundlage kaum erklärbar.“
Verbraucher decken sich für den Winter ein: Heizölnachfrage gestiegen
Bei den Dieselpreisen liegt es wohl an der gestiegenen Heizölnachfrage. Die hat in den letzten Tagen spürbar angezogen. Viele Verbraucher legen sich wohl schon einen Heizöl-Wintervorrat an. „Wenn Heizöl stärker nachgefragt wird und dadurch teurer wird, dann wird auch Diesel teurer“, sagt der ADAC-Fachmann. Beide Tarife sind wegen der ähnlichen Herstellung in der Raffinerie gekoppelt.
Bleibt allerdings dennoch die Frage, warum die Preise an der Zapfsäule explodieren – trotz des moderat gestiegenen Ölpreises und der eventuell stärkeren Heizölnachfrage. Das sei in der Tat „verwunderlich“, sagt Hölzel. „Man merkt schon, dass da ein bisschen an der Preisspirale gedreht wird.“ Die Mineralölbranche habe sich in den vergangenen zwei Jahren – erst dank des Tankrabatts und dann mit den gleich danach explodierenden Spritpreisen – „sehr dicke Margen beschert“. Ein Indiz dafür sei, dass die Spritpreise morgens derzeit besonders hoch und abends dann wieder niedriger seien. „Ich kann Verbrauchern nur raten, eher abends zu tanken“, sagt der ADAC-Sprecher.
Diese Preisaufschläge, die wir dort gesehen haben, die sind schon sehr, sehr happig und für uns überhaupt nicht erklärbar. Es ist auf jeden Fall viel zu viel.
Experten beim ADAC haben ausgerechnet, dass allein der Benzinpreis schon seit geraumer Zeit etwa zehn Cent zu hoch ist. Folge: Lukrative Gewinne für die Mineralölkonzerne. Vergleichbar sei das auch mit den hohen Lebensmittelpreisen, die längst hätten sinken können, erklärt der Experte.
Besonders teuer ist der Sprit übrigens an Autobahntankstellen. Auch dort hat der ADAC jüngst die Preise ins Visier genommen. Dort kostet Benzin im Schnitt 42 Cent und Diesel 36 Cent mehr als an anderen Tankstellen, ergab eine ADAC-Untersuchung. Hölzel sagt zur Berliner Zeitung: „Es ist klar, dass die Preise an den Autobahnen teurer sind, auch wegen höherer Kosten.“ Sei es wegen der Pacht, der 24-Stunden-Öffnungszeiten oder aus anderen Gründen.
Der ADAC-Experte: „Aber diese Preisaufschläge, die wir dort gesehen haben, die sind schon sehr, sehr happig und für uns überhaupt nicht erklärbar. Es ist auf jeden Fall viel zu viel.“ Autofahrer sollten also für den Tankstopp die Autobahn verlassen und die nächstgelegene Tankstelle im Umland aufsuchen. Bei der Bestpreissuche helfen Apps wie die ADAC Drive App oder von Clever Tanken.
Aussicht auf Besserung im August gibt es wenig. Marktkenner erwarten, dass die Kraftstoffpreise womöglich weiter anziehen, mindestens aber auf ihrem derzeit hohen Niveau verharren werden.
CO₂-Preis beim Tanken soll stärker angehoben werden
Hinzu kommt: Die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP hat am Mittwoch den Entwurf des neuen Wirtschaftsplans des Transformationsfonds beschlossen. Dafür sind deutlich mehr Mittel als in diesem Jahr vorgesehen. Für Verbraucher könnte der Spritpreis dann noch mal teurer werden: Der CO₂-Preis beim Tanken und Heizen mit fossilen Energien soll stärker angehoben werden als bisher geplant.
ADAC-Sprecher Hölzel nennt den Wirtschaftsplan einen „vertretbaren Kompromiss“. Er sagt: „CO₂ muss unbedingt und dringend reduziert werden. Also müssen fossile Kraftstoffe natürlich in gewisser Weise teurer werden.“ Im Gegenzug müsse allerdings ein finanzieller Ausgleich für den Verbraucher geschaffen werden.




