Nach dem gewaltsamen Tod eines 23-jährigen rechten Aktivisten im französischen Lyon ist in Deutschland eine Debatte über ein historisches Symbol neu entfacht worden: die sogenannten drei Pfeile. Auf der Plattform X wird dem SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf vorgeworfen, er würde genau jenes Symbol der linksextremistischen Gruppierung „Jeune Garde“ tragen, die Quentin Deranque auf dem Gewissen hat. Die Berliner Zeitung hat nachgefragt.

Historisches Symbol der Weimarer Republik
In den sozialen Netzwerken weist die SPD die Vorwürfe einer extremistischen Nähe entschieden zurück. Die drei Pfeile stünden historisch für die „Eiserne Front“, ein sozialdemokratisch geprägtes Bündnis aus der Endphase der Weimarer Republik. Dieses habe sich Anfang der 1930er-Jahre gegen Nationalsozialismus, Monarchismus und Kommunismus positioniert und gilt in der historischen Einordnung als Schutzbündnis der Demokratie.
Diese Bedeutung seines Tattoos hat Klüssendorf persönlich öffentlich erläutert. In einem von der SPD verbreiteten Video auf Instagram, auf das sein Büro die Berliner Zeitung verwiesen hat, beschreibt er das Symbol als Ausdruck des demokratischen Widerstands gegen autoritäre Ideologien. Es sei ein „zutiefst demokratisches Gebilde“, wie er sagt.
Dabei sei es nicht nur um politische Positionierung gegangen, sondern „im wahrsten Sinne des Wortes“ auch um den Schutz von Veranstaltungen und die Verteidigung der Demokratie auf der Straße, erklärt Klüssendorf im Video.
Keine organisatorische Verbindung
Eine Verbindung zwischen dem Tattoo des SPD-Generalsekretärs und der französischen Gruppierung besteht nach Angaben der Partei nicht. Politikwissenschaftler weisen zudem darauf hin, dass historische Symbole über Jahrzehnte hinweg von unterschiedlichen politischen Strömungen aufgegriffen werden können. Die Verwendung ähnlicher Zeichen lasse nicht automatisch auf ideologische oder organisatorische Verbindungen schließen.
Wie Klüssendorf den Mord am Aktivisten beurteilt und wie seine Partei das sieht – dazu äußert sich das Büro des Generalsekretärs auf Nachfrage der Berliner Zeitung nicht.
Politischer Hintergrund in Frankreich
Der Auslöser der aktuellen Diskussion ist der tödliche Angriff auf den jungen Aktivisten in Lyon. Die französische Justiz ermittelt wegen vorsätzlicher Tötung. Mehrere Tatverdächtige wurden festgenommen, darunter auch Personen aus dem Umfeld der linken Partei „La France Insoumise“. Kurz darauf kam es zu einer Bombendrohung gegen die Parteizentrale in Paris.

