Nach den koordinierten Luft- und Seeangriffen Israels und der USA auf iranische Ziele am 28. Februar 2026 hat die Bundesregierung interne und internationale Beratungen aufgenommen. Regierungssprecher Stefan Kornelius teilte mit, die Bundesregierung beobachte die Entwicklung genau und befinde sich in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) habe sich mit den Fachministern der sicherheitsrelevanten Ressorts beraten und werde im Laufe des Tages weitere Gespräche führen. Die Bundesregierung sei am Morgen vorab über die Militärangriffe Israels auf den Iran informiert worden.
Krisenstab soll tagen
Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sollte der Krisenstab der Bundesregierung um 12.00 Uhr im Ministerium zusammentreten. Das Ministerium stehe in engem und ständigem Kontakt mit den deutschen Botschaften im Iran und in Israel sowie weiteren Vertretungen in der Region.
Deutsche Staatsangehörige im Iran, in Israel und in angrenzenden Staaten wurden aufgerufen, sich in die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ einzutragen. Darüber können Kontaktdaten hinterlegt werden, um Informationen und Unterstützung zu erhalten. Zudem riet das Auswärtige Amt dazu, Anweisungen lokaler Behörden zu erforderlichen Maßnahmen zum Selbstschutz zu befolgen.
Stellungnahme der Europäischen Union
Aus Brüssel hieß es in einer Erklärung, die Entwicklungen im Iran seien „äußerst besorgniserregend“. Man stehe weiterhin in engem Kontakt mit den Partnern in der Region. Die Europäische Union bekräftige ihr „unerschütterliches Engagement für die Wahrung der regionalen Sicherheit und Stabilität“. Die Gewährleistung der nuklearen Sicherheit und die Verhinderung von Handlungen, die die Spannungen weiter verschärfen oder das globale Nichtverbreitungsregime untergraben könnten, seien von entscheidender Bedeutung.
Weiter heißt es, die EU habe als Reaktion auf das Vorgehen des iranischen Regimes und der Revolutionsgarden weitreichende Sanktionen verhängt und sich zugleich für diplomatische Bemühungen eingesetzt, um die Nuklear- und Raketenprogramme durch eine Verhandlungslösung zu beenden.
In enger Abstimmung mit den Mitgliedstaaten werde man alle notwendigen Schritte unternehmen, um sicherzustellen, dass EU-Bürger in der Region auf volle Unterstützung zählen könnten. Zugleich rief die EU alle Parteien zu größtmöglicher Zurückhaltung auf, um die Zivilbevölkerung zu schützen und das Völkerrecht uneingeschränkt zu achten.
Politische Reaktionen
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich bereits in den Wochen vor der aktuellen Eskalation mehrfach zur Situation im Iran geäußert. Mitte Januar 2026 kritisierte er das Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte. Bereits im Juni 2025 hatte er im Zusammenhang mit militärischen Spannungen zwischen Israel und Iran betont: „Wir bekräftigen, dass Israel das Recht hat, seine Existenz und die Sicherheit seiner Bürger zu verteidigen. Wir rufen beide Seiten auf, von Schritten abzusehen, die zu einer weiteren Eskalation führen und die gesamte Region destabilisieren können“
Reaktionen aus CDU und FDP
Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Roderich Kiesewetter, verteidigte den Angriff. Der Iran erkenne das Existenzrecht Israels nicht an und drohe offen mit dessen Vernichtung. Der Militärschlag habe daher „eine Berechtigung“. Zugleich betonte er, Deutschland müsse auch seine eigene Sicherheit im Blick behalten und verhindern, dass iranische Akteure Terroranschläge im Ausland verübten. Neben verstärktem Schutz jüdischer Einrichtungen sprach sich Kiesewetter für eine enge militärische Zusammenarbeit mit Israel aus.

Die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann äußerte gegenüber der Rheinischen Post die Hoffnung auf ein Ende des autoritären Regierungssystems im Iran. „Gelingt es, das Mullah-Regime zu stürzen, wäre das für die Menschen im Iran, auch für die Menschen im Nahen Osten und darüber hinaus in Europa eine Chance eines friedlichen, gemeinsamen Neubeginns.“ Zunächst müsse sich jedoch zeigen, „wie erfolgreich der Präventivschlag“ Israels und der USA sein werde.
AfD warnt vor Eskalation
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier erklärte auf der Plattform X, ein Iran ohne Mullah-Regime wäre „ein Gewinn für die Menschen im Iran“. Gleichzeitig warnte er vor der Gefahr eines Bürgerkriegs und einer weiteren Eskalation in der Region. Die Bundesregierung müsse Vorkehrungen treffen, um mögliche Terroranschläge in Deutschland zu verhindern und neue Migrationsbewegungen zu begrenzen.

Grüne: Blick auf die Menschen im Iran
Der Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen), der 1975 in Teheran geboren wurde, schrieb dazu ebenfalls auf der Plattform X: „In diesen Stunden sind meine Gedanken bei den Menschen im Iran – bei all jenen, die sich angesichts von ständiger Angst, Gewalt, Unterdrückung und wirtschaftlicher Not nichts sehnlicher wünschen als einfach nur: Freiheit.“

Nouripour hatte sich bereits in den vergangenen Monaten für eine konsequente europäische Haltung gegenüber dem iranischen Regime ausgesprochen und unter anderem schärfere Sanktionen gefordert.
Kritik aus der Opposition
Eine grundlegend andere Bewertung kam vom stellvertretenden Vorsitzenden des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), Michael Lüders. Er erklärte: „Ganz gleich, was man vom politischen System im Iran hält – der US-amerikanische und israelische Angriff auf den Iran ist und bleibt völkerrechtswidrig“

Auch die Linkspartei äußerte Kritik. Parteichef Jan van Aken erklärte, der Angriff stelle „eine große Gefahr für die Bevölkerung und die gesamte Region dar“. Er verwies darauf, dass der Militärschlag in eine Phase laufender diplomatischer Bemühungen gefallen sei und warnte vor einer weiteren Eskalation.


