Geopolitik

Zuspitzung im Iran: Trump will Minenleger „beschießen und zerstören“

Die Töne im Iran-Krieg werden rauer. Der Iran ärgert die USA und kassiert MAut-Gelder.

Ein Boot fährt an einem Tanker vorbei, der in der Straße von Hormus vor der Küste der Insel Qeschm vor Anker liegt.
Ein Boot fährt an einem Tanker vorbei, der in der Straße von Hormus vor der Küste der Insel Qeschm vor Anker liegt.Asghar Besharati/dpa

Im Krieg zwischen den USA und dem Iran haben sich am Donnerstag die Entwicklungen erneut zugespitzt. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat angeordnet, jedes Boot, das in der Straße von Hormus Minen legt, zu zerstören.  „Ich habe der US-Marine befohlen, jedes Boot, egal wie klein es sein mag, zu beschießen und zu zerstören, das Minen in den Gewässern der Straße von Hormus legt. Es darf kein Zögern geben“, so der US-Präsident in einer Nachricht in den sozialen Medien. Trump erklärte außerdem, die Marine werde ihre Operationen zur Minenräumung der Straße verdreifachen.

Die Äußerungen erfolgten inmitten erhöhter militärischer Aktivitäten in den Gewässern um den Iran -  trotz der Verlängerung des Waffenstillstands zwischen Washington und Teheran. Das US-Verteidigungsministerium teilte am Donnerstag mit, die US-Streitkräfte hätten in der Nacht das sanktionierte, staatenlose Schiff M/T Majestic X geentert, das Öl aus dem Iran transportierte. Die USA gaben am späten Mittwoch bekannt, dass ein Zerstörer der Marine den zweiten iranischen Öltanker „Dorena“ eskortiert wurde. Dieser habe zuvor versucht, die Seeblockade gegen iranische Schiffe zu durchbrechen.

Brent-Rohöl verteuerte sich um ein Prozent auf 103 US-Dollar pro Barrel. Der Ölpreis stieg sprunghaft an, nachdem der Iran am Mittwoch die der Schiffe in der Straße von Hormus und die Beschädigung eines dritten Schiffes bekannt gegeben hatte. Dies waren die ersten derartigen Beschlagnahmungen durch Teheran seit Beginn des Krieges vor fast acht Wochen.

Nachdem Teheran am Vortag zwei Tanker in der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge festgesetzt hatte, erhielt der Iran am Donnerstag eigenen Angaben zufolge erstmals Einnahmen aus seinen für die Durchfahrt der blockierten Straße von Hormus erhobenen Mautgebühren. „Die ersten Einnahmen aus den Mautgebühren für die Straße von Hormus wurden auf das Konto der Zentralbank eingezahlt“, erklärte der stellvertretende Parlamentspräsident Hamidresa Hadschibabaei laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.

Die Zahl der Schiffsdurchfahrten durch die umkämpfte Meerenge ging aufgrund der Blockade stark zurück: Während in Friedenszeiten rund 120 Schiffe pro Tag zu verzeichnen waren, sank diese Zahl seit Sonntag auf durchschnittlich 4,5 täglich, berechnete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Schifffahrtanalysedaten. Gleichzeitig nahm die Zahl der von Schiffen in dem Gebiet gemeldeten Vorfälle zu: Seit Samstag seien sieben Angriffe oder Vorfälle in der Region aufgezeichnet worden, gab die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) bekannt. Fünf davon wurden von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) bestätigt.

Selbst nach einer möglichen Aufhebung der Blockade könnte eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge noch einige Zeit dauern: Eine Einschätzung des Pentagons, über die am Mittwoch die „Washington Post“ berichtete, nannte einen Zeitraum von sechs Monaten, die es dauern könnte, bis vom Iran platzierte Seeminen geräumt sind. Ein Pentagon-Sprecher dementierte diese Schätzung jedoch auf AFP-Nachfragte.

Die Straße von Hormus ist ein zentrales Streitthema der Verhandlungen über ein mögliches Ende des Iran-Krieges. US-Präsident Donald Trump dringt auf eine Öffnung der Meerenge, Teheran wiederum macht ein Ende der US-Blockade iranischer Häfen zur Bedingung für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Vor eineinhalb Wochen waren Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran unter Vermittlung Pakistans über ein mögliches Ende des Iran-Krieges ergebnislos geblieben. Am Dienstag hatte Trump eine Waffenruhe im Iran-Krieg auf vorerst unbestimmte Zeit verlängert.

Die Bundesregierung forderte von Teheran derweil ein unverzügliches Ende der Blockade der Straße von Hormus. „Blockiert der Iran dagegen weiterhin die Straße von Hormus, steht die Bundesregierung bereit, zusätzliche Sanktionen zu erörtern“, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung. Im Falle einer Einigung sei die Bundesregierung zu Sanktionslockerungen bereit. Auch ein Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs, das am Donnerstag in Zypern begann, steht im Schatten des Iran-Kriegs. (mit AFP)