Die letzten 24 Stunden des Iran-Kriegs verliefen nach einem Muster, das die vergangenen Wochen kennzeichnete: US-Präsident Donald Trump drohte, eskalierte – und ruderte kurz vor Mitternacht zurück. Kurz vor Ablauf seiner selbst gesetzten Frist verkündete der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social eine zweiwöchige Waffenruhe. Dabei soll die Straße von Hormus wieder offen sein.
Die Bestätigung aus Teheran folgte prompt. Nach Angaben von AP akzeptierte Irans Oberster Nationaler Sicherheitsrat die Waffenruhe und erklärte sich zur Teilnahme an Gesprächen in Islamabad bereit, betonte aber ausdrücklich: Die Pause bedeute kein dauerhaftes Kriegsende.
Erleichterung zeigt sich beim Verband Deutscher Reeder. Gegenüber der Bild-Zeitung nannte man die Waffenruhe ein „wichtiges und hoffnungsvolles Signal“. Jetzt komme es darauf an, dass aus politischer Ankündigung maritime Realität werde. Nach Verbandsangaben sitzen seit Ende Februar mehr als 2000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest, darunter mindestens 50 deutsche Schiffe.
Es geht dabei um eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Durch die Straße von Hormus flossen vor Kriegsbeginn nach Angaben der Internationalen Energieagentur täglich rund 20 Millionen Barrel Öl. Das entspricht etwa ein Fünftel des weltweiten Bedarfs.
Obwohl die USA und der Iran nun eine Waffenruhe vereinbart haben, zögert die Schifffahrtsbranche noch. Laut Bloomberg hätten Schiffe auf beiden Seiten der Meerenge gewartet, da die Sicherheit von Besatzungen und Fracht nicht garantiert werden konnte. Der Verkehr sei nahezu zum Erliegen gekommen. Reedereien und Versicherungen verlangten Klarheit über die genauen Bedingungen der Durchfahrt, bevor Schiffe wieder in Bewegung gesetzt würden. Solange die Details nicht vorlägen, bleibe die Lage angespannt, so der Reederverband.
Iran und Oman kassieren: Zwei Millionen Dollar pro Schiff
Die Einigung soll einen Haken haben. Nach Angaben der New York Times würde Iran pro Schiff eine Transitgebühr von zwei Millionen Dollar erheben, die er sich mit Oman teilen würde, das auf der anderen Seite der Meerenge liegt. Zudem solle der Korridor unter kontrolliertem Durchgang unter Koordination der iranischen Streitkräfte stehen, wie NBC News berichtete. Washington hat dies noch nicht bestätigt.

Israel erklärte zwar seine Unterstützung für die Waffenruhe, wie das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mitteilte. Dabei wurde jedoch betont, das Abkommen schließe die Kämpfe im Libanon nicht ein, im Widerspruch zur Aussage des pakistanischen Premiers, der eine Feuerpause im gesamten Nahen und Mittleren Osten verkündet hatte. Was die weiterführenden Angriffe auf Irans Proxys für Auswirkungen auf die Verhandlungen haben, ist bisher unklar.
Nach Angaben der AP zeigten sich israelische Regierungsvertreter skeptisch und gingen davon aus, dass der scheinbare Durchbruch sich noch auflösen könne, sollte Iran die Meerenge nicht rasch öffnen.


